Wissenschaft und Innovationen Mitteldeutschlands

Innovationen Mitteldeutschlands
Von Links: Dr. Joachim Löffler, Hanka Fischer, Tobias Güra. © Steffen Runke

Eröffnungsveranstaltung zum 14. IQ Innovationspreis Mitteldeutschlands

 

Am Montag fiel in der Villa Ida in Leipzig der Startschuss zum 14. IQ Innovationspreis Mitteldeutschland 2018. Ab jetzt bis zum 19. März 2018 dafür bei IQ-Mitteldeutschland bewerben. Die Preise sind mit einer Gesamtsumme von 70.000 Euro dotiert. Zur Auftaktveranstaltung berichteten die Gesamtsieger der Vorjahre jeweils in einem Vortrag über ihre Erfahrungen.

Zum Einstieg begrüßte Projektleiterin Hanka Fischer ihre Gäste und übergab dann das Wort Oberbürgermeister Burkhard Jung. Er betonte, welch wichtige Rolle die Region Mitteldeutschland für Innovationen Deutschlandweit hat. Schon heute kommen 8,3% aller Startups aus Mitteldeutschland. Im Vergleich dazu kommen aus München zum Beispiel nur 6%. Die meisten Startups der Region kommen aus dem Bereich der Software-Entwicklung. Das ergab eine Hochrechnung bei der Stadt Leipzig. Jung betonte, dass insbesondere auch Leipzig ein Standort von Innovationen Mitteldeutschlands ist und es schön ist, wenn die Köpfe hinter den Innovationen sich trotzdem manchmal wieder auf ihre Wurzeln besinnen. Das machte er deutlich am Beispiel der Edition Peters. Ein Unternehmen mit einer weltbewegenden Idee, die ihren Ursprung in Leipzig hatte und 2014 auch wieder ihren Hauptsitz nach Leipzig verlegt hat.

Innovation und Unsicherheit

Dr. Joachim Löffler ist Geschäftsführer der Firma Kumatec und sprach über sein Unternehmen, welches sich der Herausforderung angenommen hat, immer wieder neue Innovationsideen für ihre Kunden umzusetzen. Er schilderte lebhaft den Moment, als er mit seiner Frau in einem Wiener Kaffeehaus saß und die lärmenden und stinkenden Autos um sie herumfuhren. Da stellte er sich die Frage, warum nicht die Vernunft und den Mut nehmen, den Straßenlärm und die Verschmutzung zu beenden und sich mit Wasserstoffautos beschäftigen. Das bedeutet in der Tat eine große Umwälzung unserer Gesellschaft. Und so wählte er den Titel seines Vortrags: Innovation und Unsicherheit — Kommt Wasserstoff? Ein Vortrag, von dem viele Startups lernen können.

4 Thesen zum Thema Innovation

Sinngemäß bezog sich Dr. Löffler auf Joseph Schumpeter, der der Ansicht ist, dass Innovation die Durchsetzung einer technischen oder organisatorischen Neuerung im Produktionsprozess ist, nicht allein die Idee. Und das ist womit sich Kumatec täglich beschäftigt: die Umsetzung von innovativen Ideen, damit Innovation auch entstehen kann. Dafür sind für Dr. Löffler 4 Thesen von Schumperer zentral. Erstens, dass Innovation das Managen von Unsicherheiten ist. Jedes Startup, welches sich mit Innovationen beschäftigt, muss sich mit gesetzlichen Regelungen, eventuellen Partnern und Kunden usw. auseinandersetzen. Zweitens sind nur wenige Menschen zu Innovationen fähig. Das ist aber Löfflers Ansicht nach auch gut so. Würde jeder Innovationen hervorbringen wollen, würde die Gesellschaft im kompletten Chaos versinken. Drittens: Großunternehmen sind aufgrund ihrer Strukturen nur bedingt Innovationsfähig. Bestehendes zu bewahren, bedeutet eben auch, dass keine neuen Strukturen und Prozesse möglich sind.  Das heißt also es braucht die vielen jungen Unternehmen, die agil sind und neue Strukturen und Prozesse für ihre Ideen finden. Seine vierte und letzte These lautete, Strukturinnovationen benötigen eine zentrale Führung. Wirtschaftliche und materielle Ressourcen müssen gegeben sein, damit Innovationen umgesetzt werden können. Also liebe Investoren, ihr habt es in der Hand, Innovationen Wirklichkeit werden zu lassen.

Bei einer Reise nach Japan zeigte sich, dass Japan viel weiter in der Umsetzung von Wasserstoffbrennzellen ist als Deutschland. Das hat natürlich unterschiedliche Gründe. Ein Grund dafür ist, dass Japan ein Rohstoffarmes Land ist, welches alle Rohstoffe am Weltmarkt erwerben muss. Für Japan stellt sich also natürlich die Frage, wie sie dieses Problem lösen könnten. Für uns stellt sich aber die Frage, was machen wir? Lassen wir uns von Japan abhängen?

Herausforderungen und Erfahrungen eines Med-Tech Startups

Der zweite Vortrag war von Tobias Güra von Coldplasmatech. Ein Med-Tech Startup in einem höchstregulierten Marktsegment. Er berichtete von seinen Erfahrungen und Herausforderungen als Gründer. Obwohl Coldplasmatech eine Innovation im Bereich der Wundheilung anstrebte, sah sich das junge Unternehmen dem Problem gegenüber, dass es in der Medizin nicht nur um die Heilung der Patienten geht, sondern eben auch um ein Medizin-Controlling. Das fängt bei den Krankenkassen an und geht bis in die Kliniken. So kommt Güra zu dem Schluss, dass Startups bis zu 80% am Reagieren auf ihre Umwelt sind. Die erste Herausforderung war für ihn war es anzufangen, aber richtig. Keiner kann einem den einzigen, richtigen Weg weisen. Aber es ist immer hilfreich und wichtig, Partner in den unterschiedlichen Phasen zu finden, die einen passend unterstützen.

Seiner Meinung nach gibt es auch für jedes Startup den Punkt, wo es den Mut haben muss, an seine eigene Technologie zu glauben und Risiken einzugehen. Nicht jedes Angebot ist auch ein gutes Angebot. Er appelliert auch stark an Investoren und sagt, es ist wichtig Partner zu finden, die In Vorleistung gehen. Wenn das Startup nämlich diese Leistungen selbst tragen kann, braucht es in der Regel auch kein Investment mehr. Zu guter Letzt gibt er auch den Ratschlag, dass man Spaß haben sollte an dem was man macht. Und dass das, was man macht einen Mehrwert darstellen muss. Diese beiden Dinge sollten die Motivation von Startups sein und nicht das große Geld.