Willhelm Grill : Ohne Deal aber als Gewinner aus der Höhle der Löwen?

Mathias Dögel und Michael Schunke aus Kabelsketal präsentierten den Löwen mit "Wilhelm Grill" einen App gesteuerten Holzkohlegrill. Sie erhofften sich ein Investment von 600 Tausend Euro für 20 Prozent der Anteile an ihrem Unternehmen. (Foto: Mediengruppe RTL Deutschland GmbH)

In der siebten Staffel von „Die Höhle der Löwen“ wurden Michael Schunke und Mathias Dögel aus Kabelsketal in Sachsen-Anhalt noch „gegrillt“. Ihr Businessmodell mit Ihren App-gesteuerten Holzkohlegrill konnte die „Löwen“ der Vox-Gründershow nicht überzeugen. Beim Publikum kam der „Willhelm Grill“ scheinbar besser an. Laut einem Verbraucherportal gehört er zu den beliebtesten Produkten der Staffel. Der Siegeszug nach dem verlorenen TV-Pitch?

Ein Blick zurück auf die Teilnahme bei der bekanntesten Startup TV-Show Deutschlands

Über drei Monate sind vergangen seit Michael Schunke und Geschäftspartner Mathias Dögel ihren Willhelm Grill in „Die Höhle der Löwen“ (DHDL) präsentiert haben. Die Investitionssumme von 600.000 Euro für die Weiterentwicklung ihres App-gesteuerten Holzkohle-Grills gab es nach ihrem Auftritt nicht. „Unsere Chancen standen so bei 50:50“, schätzt Michael. Nach der Absage der „Löwen“ war das erste Gefühl Erleichterung. „Wir waren einfach froh, dass wir es geschafft hatten“, erinnert sich der Grill-Revolutionär.

„Danach kam das Bedauern darüber, den Deal nicht bekommen zu haben.“ Anders als ihnen in der ausgestrahlten Sendung vorgeworfen wurde, ging es den beiden Unternehmern aus dem Kabelsketal nicht nur um Werbeminuten für ihre Weltneuheit. „Wenn man vor Investoren steht, will man auch wissen, ob sie sich darauf einlassen“, sagt Michael.

Dass der Willhelm Grill nach der Absage der „Löwen“ nun der Publikumsliebling der Vox-Sendung sein soll, überrascht den Gründer. Das Verbraucherportal Warenvergleich.de hat die Google-Suchanfragen zur vergangenen DHDL-Staffel analysiert und die zehn beliebtesten Produkte herausgefiltert. Demnach an erster Stelle mit mehr als 180.000 Anfragen pro Monat: Der Willhelm Grill.

„Wir haben nach der Ausstrahlung im März nicht mehr Bestellungen gehabt“, sagt Michael. „Klar, es gab mehr Zugriffe auf unsere Seite und ein paar Interessierte. Wir haben neue Kunden gefunden, jedoch spielte die Sendung dabei nicht so eine starke Rolle.“ In erster Linie eine Frage des Preises. Das aktuelle Modell des „smartesten Holzkohlegrills“ schlägt mit 4.999 Euro zu Buche. Der Willhelm Grill findet so nur auf dem Premium Markt technikaffine AbnehmerInnen.

„Ein Massenprodukt wäre schon ganz gut, damit es wirtschaftlich wird“, so Michael. Deshalb auch die Suche nach einem Investor. „Die Entwicklung eines günstigeren Modells, das Optimieren von Kosten, das ist alles ein ständiger Prozess.“ 

Spannende Einblicke und eine wertvolle Erfahrung auch ohne Deal

Selbst wären die Unternehmer gar nicht auf die Idee gekommen, sich bei dem TV-Format zu bewerben. Die Produktionsfirma der Sendung ist direkt auf die beiden Grill- und IT-Experten zugekommen. „Unser erster Gedanke war tatsächlich, dass wir da ein bisschen Werbung machen könnten“, erinnert sich Michael. Das anschließende Casting war nicht kompliziert. „Wir sollten einfach einen 5-Minuten-Pitch als Bewerbung einsenden.“ Die Redaktion gab grünes Licht für die Teilnahme des Willhelm-Grill-Teams, dann kam der Vertrag.

„Mit der Unterschrift haben wir uns so lange wie möglich Zeit gelassen“, gesteht der 42-Jährige. „Denn ab der Unterzeichnung bis zur Ausstrahlung mussten wir uns unter anderem verpflichten, keine Werbung zu machen und keine Investorengespräche zu führen. Das waren insgesamt fast drei Monate. Für ein Startup ist das eine lange Zeit.“

Der eigentliche Produktionstag sah ein knackiges Tagesprogramm vor. Technisches Proben, Briefing, Aufnahme. Insgesamt präsentierten und grillten die Willhelm Grill-Erfinder fast zwei Stunden vor den prominenten InvestorInnen, gezeigt wurden am Ende zehn Minuten, inklusive kleiner Aussetzer. „Uns war klar, dass es um Unterhaltungsfernsehen geht. Auf den Schnitt hatten wir natürlich keinen Einfluss“, sagt Michael. „Unser Produkt hat ja am Ende überzeugt. Nur bei den Bewertungen gingen die Meinungen eben auseinander.“

Zwei Stunden lang wurde für den Pitch in der TV-Show die Höhle der Löwen gegrillt. Angebissen hat aber keiner der Löwen. (Quelle: Wilhelm Grill)

Wenn er etwas kritisieren solle, dann dass zu wenig Fragen gestellt wurden. „Wir mussten vorab alles offenlegen, Gesellschafter-Strukturen, Zahlen. Von interessierten Investoren wird da in der Regel mehr nachgehakt.“

Eine wertvolle Erfahrung war die Teilnahme an „Die Höhle der Löwen“ trotzdem. „Es hat halt einfach nicht gepasst“, schätzt der Betriebswirt. „Unser Produkt ist nicht skalierbar, das macht es für die Löwen weniger spannend. Auch hat man die Möglichkeiten des After-Sales über die App oder die Chancen durch die entstehende Community nicht richtig erkannt.“

Andere sehen das Potenzial. Aktuell arbeitet das Team von Willhelm Grill nicht nur an einer massentauglichen Variante ihrer Erfindung, sondern prüft auch Kooperationen mit namhaften Grillherstellern. Jedoch nicht der TV-Auftritt, sondern ein Stand auf der Spoga, einer Gartenmesse, in Köln sorgte für die Kontakte. „An der Digitalisierung kommt man auch beim Grillen einfach nicht vorbei“, ist Michael überzeugt. „Und wir lieben das Grillen und sind gut für Ideen.“


Wann genau die neue Staffel DHDL startet, weiß noch niemand so genau. Zuletzt wurden die Dreharbeiten aufgrund der Corona-Krise unterbrochen. Wir halten euch auf dem Laufenden! 

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