Wie sieht eigentlich die Startup Szene in Mitteldeutschland aus? – Erfahrungen und Meinungen

In der Mitteldeutschen Startup-Szene tut sich einiges. Es gibt hohes Potenzial, viele Gründungen und Investoren. Wie nehmen die Menschen vor Ort die Situation wahr? Welche wünsche haben Sie für die Zukunft? Wir haben uns einmal in Thüringen umgehört.

Lara und Marie studieren an der TU Ilmenau angewandte Kommunikations- und Medienwissenschaften im dritten Semester. Sie haben zur Berufsfeldorientierung das Vertiefungsfach Entrepreneurship gewählt und möchten in Zukunft ein bisschen tiefer in die Thematik einsteigen. Einmal selbst zu gründen, können sich die beiden gut vorstellen. Beide sind sich einig, dass es in der Region gute Möglichkeiten gibt sich zu Informieren, vor allem auch durch das TGZ Ilmenau (Technologie- und Gründungszentrum) 

Mareille Willmann, Gründerin der Mühlenfed GmbH. Sie stammt aus Niedersachsen und gründete auch dort ihr Food-Startup.

„Generell ist es als Gründer oder Gründerin schwer, wenn man nicht direkt aus der Uni kommt, sondern mitten aus dem Berufsleben heraus gründen möchte. […] Alle sprechen übers Gründen, aber man spricht häufig nur über Technologie-Gründungen; andere Bereiche werden kaum beachtet.“

Das ist Leylia, sie studiert Sportmanagement an der Universität in Jena und hat großes Interesse am Gründen. Als Studentin hat sie das Gefühl, die Region bietet viele Veranstaltungen und Möglichkeiten an, sich zum Thema Gründen zu informieren und bereits während des Studiums Kontakte zu knüpfen. Für sie ist das Wichtigste sich gut zu vernetzen, die richtigen Ansprechpartner zu haben und zu wissen an wen man sich wenden kann, wenn mal etwas schief läuft.

Rüdiger Horn, Leiter Technologie- und Gründerzentrum (TGZ) Ilmenau:

„Es gibt viele Möglichkeiten und viele Unterstützungsangebote für Startups in der Region Thüringen. Aber die Startup-Szene spiegelt zum Teil die Arbeitssituation in Deutschland wider: Die Erwartungshaltung gegenüber Unternehmen ist heute eine andere wie vor 10 Jahren.“

Tobias Meyer, studiert in Illmenau angewandte Kommunikations- und Medienwissenschaften. Er kommt aus Magdeburg und hat dort bereits erste Gründererfahrungen gesammelt. In seiner Heimat hat er ein Netzwerk aus Medienmachern aufgebaut weil er gemerkt hat, dass Magdeburg eine Stadt ist, die einen sehr starken Lokalbezug hat. Er ist sehr begeistert von dem großen Angebot der Universität, sowohl von der Infrastruktur als auch von der personellen Unterstützung, Veranstaltungen und Events. Den Gründungsgeist in der Region, primär in Ilmenau, empfindet er als einen sehr kreativen Standort. In Zukunft erhofft er sich noch stärkeren Austausch.

 

Stephan Beier von der bm|t wünscht sich mehr innovative Ausgründungen gerade aus technischen Universitäten und Hochschulen. Für Studenten muss es attraktiver werden zu gründen und nicht nach dem Abschluss in den Corporates anzufangen.
Philipp Winkler, Mitarbeiter der STIFT, pflichtet ihm bei und wünscht sich ein Umdenken der Hochschulen, damit das Thema Gründen ein bisschen mehr auf die Tagesordnung rückt.

 

Anja Gießer-Kotzerke ist Gründerin der Ahwoo GmbH. Sie findet in Thüringen könnte es noch mehr Netzwerk-Veranstaltungen geben. Davon abgesehen ist sie der Meinung, dass es viele attraktive Angebote zu Förderprogrammen mit wenig bürokratischem Aufwand gibt. Doch sie sagt auch, dass sie es in Zukunft nicht ausschließt doch nach Berlin zu gehen. Obwohl es schön ist auch immer wieder die gleichen Gesichter zu sehen, so geht es doch auch darum neue Menschen kennen zu lernen und neue Inspirationen zu bekommen. Das ist ihrer Meinung nach in Thüringen nicht gegeben.

 

Jan Hotzel und Dominique Votruba

„Es ist schwierig in Thüringen: Es gibt viele Ausgründungen und Gründungen, aber es fehlt die Finanzierung und die strategische Unterstützung danach.“

„Wer das Geld zum Investieren hat, geht dann doch in die großen Zentren Berlin, Hamburg, München. Die Bedingungen für die erste Phase der Gründung sind gut, doch dann finden Gründer kein Personal und kein Geld und wechseln selbst den Standort.“

 

Julia Schulze, PR und Kommunikation VC Campus

„Wer in Ilmenau gründen möchte, hat einen richtig guten Standort, denn man hat hier die Technologie-Region Arnstadt Ilmenau, die Uni, das TGZ, es ist nicht weit nach Erfurt und trotzdem hat man nicht die Konkurrenz wie in Berlin beispielsweise.“

 

Jan Klemm von DiForSign – Direct Force Signal hält ein Patent für die weltweite Präzidionskraftmessung.

„Die Möglichkeiten zum Gründen nehme ich als relativ schlecht war. Gerade im Vergleich zu anderen Regionen weltweit. Gerade aus dem Mittelstand kommen zu wenig Innovationen, deswegen ist es umso wichtiger, dass Ideen weiterhin in der Region unterstütz werden.“

Ines Ranke, Sponsoring und Finanzen VC Campus

„Wir haben hier viele Ausgründungen, aber in Zeiten von Digitalisierung und Globalisierung ist es wichtig, dass man seine Ideen auch schnell umsetzen kann und einen kurzen Weg zum Gründen hat, wenn man das möchte.“

Fotos: Startup-Mitteldeutschland