Wie MINTy Girls aus Erfurt die Zukunft von Mädchen ändern will

MINTy Founder
Die Gründerinnen Ariana Barrenechea, Sonia Gonzales und Nicole Oubre wollen eine neue Generationen an selbstbewussten Mädchen in MINT Bereichen fördern.

Junge Mädchen in Deutschland verlieren im Durchschnitt schon mit 11 Jahren das Interesse an MINT Fächern. MINT steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. Drei Gründerinnen aus Erfurt möchten dieses Problem mit ihrem Startup lösen. MINTy Girls bietet Workshops und Bootcamps für Mädchen ab 8 Jahren an, in denen ihre Kreativität und das Interesse in MINT Fächern gefördert und langfristig geweckt werden soll. 

Wir haben mit den Gründerinnen Ariana Barrenechea, Sonia Gonzales und Nicole Oubre gesprochen.

Ich war sehr beeindruckt von eurem Pitch auf den Investor Days Thüringen. Könnt ihr uns noch einmal erzählen, was MINTy Girls macht?

MINTy Girls ist eine Organisation, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, eine Generation von selbstbewussten Mädchen in MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) zu schaffen. Wir bieten praktische Übungen und Workshops zu MINT-Themen und Coding Bootcamps für Mädchen im Alter von 8 – 11 Jahren an. Junge Mädchen werden gemeinsam mit weiblichen Vorbildern einen Designprozess durchlaufen. Dies hilft ihnen dabei, sich ihrer eigenen Fähigkeiten in diesem Bereich bewusst zu werden und ihr individuelles Interesse zu wecken.

Wann habt ihr euch entschieden, ein Unternehmen zu gründen?

Wir sind derzeit Masterstudenten an der Willy Brandt School of Public Policy an der Universität Erfurt. In unserem ersten Semester haben wir einen Social Entrepreneurship Kurs besucht, in dem wir eine Geschäftsidee entwickeln sollten, die einen positiven Beitrag zur Gesellschaft leistet. MINTy Girls wurde in einem Kursraum geboren, aber in den letzten Monaten haben wir die Idee von einem Universitätsprojekt hin zur Realität entwickelt.

Wer hat euch ermutigt, und wer hätte gewollt, dass ihr nicht gegründet hättet?

Wir haben von unserem direkten Umfeld überwältigende Unterstützung erhalten. Unsere Social Entrepreneurship-Professorin Dr. Heike Grimm, ist dabei unsere größte Unterstützerin und hat uns vom ersten Tag an ermutigt. Wir haben auch viel Hilfe von dem Gründerservice der Universität erhalten. Das positive Feedback, das wir während der Investor Days Thüringen von all dem Personen die an unseren Stand gekommen sind bekommen haben, war auch sehr motivierend. Viele haben uns gesagt, wie wichtig unser Programm ist, und dass sie ihre Töchter anmelden wollen.

Woher kommt deiner Meinung nach das Problem mit der MINT-Gap, was verursacht es?

In Deutschland ist weniger als jeder dritte Ingenieur oder Wissenschaftler weiblich (The Economist, 2019). Wenn man dann noch alle MINT-Professionals und -Auszubildenden berücksichtigt, dann sind weniger als jeder sechste davon Frauen. Der derzeitige Frauenmangel in MINT-Berufen ist ein Hauptfaktor für den Mangel an MINT-Frauen in der Zukunft.

In den letzten Jahren gab es einen Rückgang der Frauen in MINT Berufen von 6 Prozent im Jahr 2005, auf nur 2,6 Prozent im Jahr 2016 (IW – Institut der Deutschen Wirtschaft). Erschwerend hinzu kommt, dass Mädchen laut Studien im Gegensatz zu Jungen eher dazu neigen, ihre mathematischen Fähigkeiten ab der fünften Klasse zu unterschätzen.

Wir müssen also Interesse wecken und Vertrauen schaffen, bevor Mädchen in die fünfte Klasse kommen. Es gilt den Stereotyp zu überwinden, der vorgibt, wer in welchem Beruf gehört. Das wollen wir im Rahmen unserer Workshops und Bootcamps in MINT-Bereichen erreichen.

Was ist innovativ an Ihrem Unternehmen?

Forschungen von Microsoft haben ergeben, dass deutsche Mädchen durchschnittlich im Alter von 11 Jahren anfangen, das Interesse an MINT Fächern zu verlieren. Das ist vier Jahre früher als der Durchschnitt von 12 Jahren in den übrigen europäischen Ländern. Verschiedene Studien zeigen auch, dass Mädchen doppelt so wahrscheinlich an MINT interessiert sind, wenn sie ein Vorbild haben.

Diese Kombination von Erkenntnissen war das Rückgrat unseres Businessplans. MINTy Girls ist einzigartig, weil wir Mädchen bereits ab acht Jahren, also weit vor dem Rückgang des Interesses an MINT Fächern und des Vertrauens in sich selbst ansprechen. Darüber hinaus werden alle unsere Workshops und Bootcamps von weiblichen MINT-Vorbildern geleitet. Diese ermöglichen es den Mädchen, MINT als eine Zukunft für sich selbst zu sehen, die sie erreichen können.

Wie sieht euer Unternehmen in Zukunft aus, sagen wir in 5 Jahren?

In 5 Jahren möchten wir unsere MINTy Girls Workshops und Bootcamps in ganz Deutschland anbieten, und zusätzlich eine Online-Plattform schaffen. Wir wollen so viele Mädchen wie möglich erreichen und eine anerkannte Marke sein, die junge Mädchen zu einer grenzenlosen Zukunft inspiriert. Wir wollen mit Schulen,Unternehmen, und Gemeindegruppen zusammenarbeiten, und die Kreativität und Begeisterung dafür wecken, die Kenntnisse aus MINT Bereichen zur Lösung von Problemen zu nutzen. In 5 Jahren wollen wir den Weg der Absolventinnen von MINTy Girls verfolgen können, und konkrete Beweise für unseren Einfluss in der Gesellschaft sehen können.

Was braucht ihr, um dorthin zu gelangen?

Investment. Wir bieten nicht nur die Möglichkeit, das soziale Kapital in der Gesellschaft zu erhöhen. Der Arbeitskräftemangel an MINT-Arbeitern beträgt 311.000. Allein in der IT gibt es fast 60.000 offene Stellen und diese Zahl wächst. Investitionen zur Schließung der MINT-Lücke sind sozial und wirtschaftlich sinnvoll. Es bedeutet höhere Produktivität, Wirtschaftswachstum und höherwertige Arbeitsplätze.

Wir sind glücklich, dass ein lokales Unternehmen und eine lokale Schule in Erfurt sich bereit erklärt haben, unsere Partner für den Pilot Workshop zu sein. Wir werden im November starten. Derzeit sind wir auf der Suche nach einem langfristigen Investor oder Förderer aus der Regierung, der uns von der Pilotphase zum nächsten Schritt begleitet. Die Sicherung der Finanzierung wird es uns ermöglichen, unsere Coding Bootcamps ab Sommer 2020 einzurichten.

Was ist der schwierigste Teil beim Leiten von MINTy Girls?

Der schwierigste Teil ist, dass wir drei Personen sind, die nicht aus Deutschland, sondern den USA kommen. Wir lieben dieses Land und haben uns an das Leben hier angepasst. Wir wollen immer eine positive Wirkung haben, aber wir hätten nie gedacht, dass wir während des Studiums ein Unternehmen in einem fremden Land gründen würden! Die Sprache war dabei eine Barriere, aber wir lernen so schnell wie möglich Deutsch.

Und was ist das Beste?

Das Beste daran ist, dass wir selbst drei MINTy Girls sind und hiermit unser eigenes Vertrauen aufbauen. Wir waren Anfangs ungläubig über die positive Reaktion von Deutschlehrern, Eltern und allen, denen wir von unserer Idee erzählt haben. Jetzt erkennen wir, dass wir das tun müssen. Wir haben die Fähigkeiten, wir haben den Mut dazu ein Startup zu gründen, und wir sind die richtigen Frauen für diesen Job.

Wenn ihr in der Zeit zurückreisen könntet und euch selbst einen Rat geben könntet, welcher wäre es?

Wir würden zu den Zeiten zurückkehren, in denen wir Zweifel hatten, und sagen: „Vertraut euch selbst, folgt euren Instinkten!“ Wir haben uns sehr stark weiterentwickelt, seit wir ein Klassenzimmer Projekt waren. Aber wenn wir in der Zeit zurückgehen könnten, würden wir all unsere Zweifel zurücklassen und wahrscheinlich früher hier ankommen.

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