Wie LOVOO aus Dresden sich Nachhaltigkeit zum Thema macht

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Zurzeit ist das Thema Nachhaltigkeit in aller Munde. Vor allem Unternehmen müssen sich die Frage stellen, was sie tun können um nachhaltiger zu wirtschaften. Ein ehemaliges Startup aus der Region geht jetzt mit gutem Beispiel voran. (Quelle: Lovoo)

Wir haben mit Sebastian von LOVOO gesprochen. Der PR & Content Marketing Manager der Dating-App hat uns erzählt, warum Nachhaltigkeit für das Unternehmen aus Dresden wichtig ist, wie sie die Green-Month Kampagne für mehr Nachhaltigkeit entwickelt und schließlich auch im Unternehmen umgesetzt haben. 

Hey Sebastian, schön dass du da bist! Vor kurzem ist eure Green-Month Kampagne gestartet, was genau habt ihr da vor?

Wir wollen 2020 unsere Nachhaltigkeitsmaßnahmen verstärken, um unseren CO2-Ausstoß zu regulieren. Dazu laden wir auch unsere Live-Community ein, ihren eigenen CO2-Fußabdruck zu neutralisieren. Dafür kooperieren wir mit der internationalen Non-Profit-Organisation für globale Wiederaufforstung „Eden Reforestation Projects“ und haben verschiedene nachhaltige Aktionen innerhalb der Community geplant. 

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Sebastian Matkey ist Senior PR & Content Marketing Manager bei der Dating-App LOVOO. Mit uns hat er über das Thema Nachhaltigkeit gesprochen. (Quelle: LOVOO) 

Was genau tut ihr innerhalb des Unternehmens für mehr Nachhaltigkeit? 

Wir haben zuerst damit angefangen, Alltägliches in unserem Büro anders zu machen. Bei unserem Team-Frühstück zum Beispiel haben wir angefangen darauf zu achten, regionale Produkte zu kaufen. Dann geht es weiter mit Kleinigkeiten wie Glühbirnen und vielen technische Sachen. Alle unsere Server laufen jetzt auf Ökostrom. Also kleine Sachen die zusammen aber etwas größeres ergeben, dort haben wir erstmal intern angesetzt. Dabei ist es wichtig, dass man sich gegenseitig ein bisschen coacht und aufeinander achtet und mal fragt: „Hey, muss das Licht hier wirklich an bleiben?“.

Dann geht es weiter bei der Suchmaschine, da nutzen wir jetzt zum Beispiel verstärkt Ecosia. Und dann natürlich das Thema Transport, wir versuchen unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu motivieren Zug oder Öffis zu fahren. Wir haben einen Business Account bei der Bahn für alle, und wer aus dem Team eine Bahncard möchte, kriegt eine Bahncard. Und es gibt auch sowas wie ein Jobticket für die Öffis. So kam dann die Idee das ganze zu bündeln, in ein ganzheitliches Nachhaltigkeitskonzept.

Und was war der nächste Schritt?

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Infografik zum Nachhaltigkeits-Konzept der Dating App aus Dresden. (Quelle: LOVOO)

Für uns als Unternehmen war dann der nächste Schritt zu schauen, was sind eigentlich unsere größten Problemfelder wenn es um Nachhaltigkeit geht? Bei uns sind das wenig überraschend die Flüge in die USA, wo unsere Muttergesellschaft, die Meet Group ansässig ist. Da ist es unabdingbar, dass man ab und zu mal hinfliegt. Natürlich reduzieren wir das schon auf das nötigste, viele Meetings kann man über Video Chat stattfinden lassen. Aber manchmal ist es notwendig vor Ort zu sein, zum Beispiel wenn unsere Entwickler etwas implementieren müssen.

Wir haben uns dann den CO2 Fußabdruck von all unseren Flügen aus dem letzten Jahr berechnen lassen. Da muss man immer dazu sagen, dass solche Berechnungen nie hundertprozentig genau sind. Aber auf der Basis des Ergebnisses haben wir uns dann überlegt: Wie können wir das ausgleichen? Und da gibt es zum Glück tolle Initiativen wie zum Beispiel die Eden Reforestation Projects. Das ist eine Organisation die in deinem Auftrag Bäume pflanzt, ein super Projekt!

Wir haben dann gelernt, wenn du eine Tonne CO2 ausgleichen möchtest, dann musst du dafür 80 Bäume pflanzen. Wir haben letztes Jahr 130 Tonnen CO2 mit unseren Flügen verursacht. Das heißt wir werden insgesamt 10.400 Bäume pflanzen. Das war der erste Schritt, diesen kleinen „Unternehmenswald“ gemeinsam mit Eden Reforestation Projects zu pflanzen. Das tolle bei dieser Organisation ist auch, dass sie auf die Locals setzen, die mit ihnen Baumarten pflanzen die dort auch heimisch sind. Damit haben wir einen super Partner gefunden, und leisten ab sofort immer monatlich unseren Beitrag und die Organisation pflanzt dort die Bäume, wo sie gerade benötigt werden.

Mit der Green-Month Kampagne möchtet ihr jetzt auch eure User dazu motivieren, etwas für die ökologische Nachhaltigkeit zu tun, wie genau macht ihr das?

Die Idee ist eben, das möglichst umfassend zu machen und da haben wir uns überlegt: Wie können wir das Thema auch in unser Produkt integrieren um Bewusstsein bei den Nutzerinnen und Nutzern zu schaffen? Nachhaltigkeit hat ja im ersten Moment auch nicht direkt etwas mit dem Thema Dating zu tun, oder vielleicht doch? Dazu komme ich später noch. Wir haben uns dann zunächst dazu entschieden, unser Live-Feature und die ganzen kreativen Menschen die dort unterwegs sind mit einzubeziehen.

Wir wollen unsere Top-Streamer, sozusagen interne Influencer die aus der Community entstanden sind, mit in das Thema einbeziehen. Die haben zum Teil eine 5-stellige Reichweite im LOVOO-Live-Stream. Die rufen oft zu Contests auf, und wir möchten sie dazu animieren das Thema Nachhaltigkeit für diese Contests aufzugreifen um zusätzlich sehr kreativ auf das Thema aufmerksam zu machen. Wir denken, dass das gut angenommen wird und dass die Leute da Bock drauf haben.

Zusätzlich werden wir das ganze mit informativem Content begleiten, sprich Blogartikel schreiben und Posts im Social Media Bereich veröffentlichen. Dabei achten wir auch darauf, dass das ganze nicht zu elitär wird, es darf nämlich nicht sein, dass nur Leute die sich schon mit dem Thema auseinander setzen Zugang dazu bekommen. Nachhaltigkeit ist ein Thema was alle angeht! 

Und wie passt Nachhaltigkeit jetzt mit Dating zusammen?

Genau die Frage haben wir uns auch gestellt. Deshalb werden wir dazu demnächst eine Nutzerumfrage starten um herauszufinden, ob das Thema Nachhaltigkeit beim Dating für unsere User eine Rolle spielt. Zum Beispiel kann man fragen, ob es für jemanden wichtig ist, dass der oder die potenzielle PartnerIn sich für das Thema interessiert, oder vielleicht lieber Fahrrad fährt statt Auto. Genauso wie man vielleicht Fragen würde, ob der Job beim Dating eine Rolle spielt. Dabei kann natürlich auch herauskommen, dass das Thema beim Dating gar keine Rolle spielt, aber auch dann ist es umso besser, dass wir mit der Kampagne auf das Thema aufmerksam machen. 

Wir haben jetzt viel von ökologischer Nachhaltigkeit gesprochen, und dass euer Konzept aus ökonomisch-nachhaltiger Sicht funktioniert sieht man auch. Wie sieht es mit der nachhaltigen Entwicklung eures Unternehmens auf sozialer Ebene aus? 

Eine nachhaltige Entwicklung des Unternehmens ist natürlich super wichtig, besonders wenn es um die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geht. LOVOO, ist zum Beispiel mehrfach zum Top-Arbeitgeber gewählt worden. Wir haben auch ein super HR Team, und auch unsere amerikanischen Partner unterstützen uns in diesem Bereich sehr.

Wir machen viel im Bereich nachhaltige Entwicklung der Teammitglieder durch regelmäßige Coachings. Gesundheit spielt auch eine wichtige Rolle! Wir haben ein kleines, eigenes Gym wo jeder ganz flexibel trainieren kann und wo auch Kurse angeboten werden. 

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Gemeinsam mit den Eden Reforestation Projects pflanzt das Dresdener Unternehmen Bäume um seinen CO2-Ausstoß zu kompensieren. Auch die User können dabei helfen, indem sie in der App Baum-GIFTS an ihre Lieblings-Live-Streamer verschenken zum Beispiel.

Auf welche Hürden stößt man als Unternehmen wenn man auf Nachhaltigkeit setzen möchte? Und wie seid ihr mit solchen Grenzen umgegangen? 

Klar, man stößt beim Thema Nachhaltigkeit als wirtschaftlich denkendes Unternehmen irgendwann an Grenzen. Unser Produkt ist digital, eine App, für die unsere User Smartphones nutzen, die vielleicht nicht unter nachhaltigen Bedingungen hergestellt werden. Das heißt man muss gucken, was sind Dinge, die ich als Unternehmen tatsächlich positiv beeinflussen kann? Wir haben uns unter anderem dafür entschieden, bei unseren Nutzerinnen und Nutzern Bewusstsein für Nachhaltigkeit zu schaffen, ohne sie zu belehren und ohne zu sagen, wir hätten hier die endgültige Lösung geschaffen. 

Aber natürlich ist das Thema Greenwashing immer ein Vorwurf an Unternehmen. Da müssen und werden wir uns natürlich auch die Frage stellen okay, das ganze nennt sich Green-Month, aber muss das jetzt nur einen Monat gehen? Die Antwort ist nein! Das muss darüber hinausgehen, da muss noch mehr passieren und das ganze muss langfristig nachhaltig gedacht werden. Wir werden zum Beispiel unsere Kooperation mit Eden Reforestation Projects nicht nur über den Zeitraum von einem Jahr verfolgen. Darüber hinaus darf man auch nicht aufhören immer wieder Steine umzudrehen und zu schauen, was kann man noch tun? 

Welchen Tipp kannst du Startups zum Abschluss mit auf den Weg geben, die sich mit dem Thema auseinandersetzen wollen? 

Ich würde sagen kleine, interne Maßnahmen kann jedes Startup von Anfang an umsetzen. Sich zu fragen wo der Strom herkommt zum Beispiel. Natürlich ist es auch immer eine Kostenfrage, aber je eher man damit anfängt desto mehr wächst auch beim ganzen Team das Verständnis für das Thema, und man muss nicht später gewohnte Strukturen sprengen. 

Ganz essentiell ist es, den Prozess möglichst kollaborativ zu gestalten und das ganze Team dabei mit ins Boot zu holen. Jeder einzelne hat Hobbys, Interessen und Kenntnisse, und vielleicht hat man dann schon alles was man braucht um zu starten. Viel Potenzial schlummert oft schon im Team.

Vielen Dank an Sebastian von LOVOO!

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