Visualisierungs-Visonen von VRENDEX

Hallo Manuel, bitte stell dich und dein Startup doch einmal kurz vor:

Ich bin Manuel Dudczig und mit dem Startup VRENDEX möchte ich Kunden ganz einfach gesagt ein Plus an Vorstellungskraft anbieten. VRENDEX setzt sich zusammen aus den Begriffen Virtual Reality (VR), Engineering, Design und Experience. Ziel ist es mit Virtuellen Technologien wie VR, AR und 360° Renderings neue Produkte, Prozesse und Visionen als interaktive Erlebnisse zu gestalten.

Wann hattest du die Idee zu gründen? Was ist das Besondere für dich an einer Gründung und was bedeutet es dir, dein eigener Chef zu sein?
Manuel Dudczig. Foto: VRENDEX

Die Idee hat sich über Jahre entwickelt. Da ich schon immer sehr kreativ ticke und neue Technologien austeste, liebe ich es Ideen und Konzepte anschaulich und interaktiv zu präsentieren. Schon vor 20 Jahren habe ich erste computergenerierte 3D-Renderings erstellt, auch wenn ein PC damals pro Bild in VGA-Auflösung einen halben Tag gerechnet hat. Inzwischen arbeite ich schon einige Jahre im Bereich der Produktentwicklung als Maschinenbauingenieur. Die Render-Technologie hat sich in den letzten Jahren rasant entwickelt und ist durch neue Hard- und Software auch für kleinere Unternehmen erschwinglicher geworden.

Das Besondere an einer Gründung ist für mich die Gestaltungsfreiheit in Verbindung mit der eigenen Leidenschaft. Ich arbeite an Projekten und Aufgaben die mir Freude bereiten, in denen ich meine Fähigkeiten nutzen kann und die einen wirtschaftlichen Mehrwert für die Kunden bieten. Auch wenn ich vom Typ her eher ein Teamplayer bin, ist die Vorstellung sein eigener Chef zu sein sehr attraktiv. Ich kann eigene Prioritäten setzen, neue Ideen realisieren, meinen Arbeitsort bestimmen und meine Arbeitszeit einteilen.

Machst du dir Gedanken um das Scheitern oder das Risiko?

Ab und zu schon. Ich bin verheiratet und habe zwei Kinder. Mit dieser Verantwortung macht man sich über das Scheitern und Risiko schon ein paar Gedanken. Genauso mache ich mir aber auch Gedanken über meine Wünsche und Visionen und was ich später mal rückblickend über mein Leben sagen will. Ich habe nicht vor zu sagen, dass ich nie Fehler gemacht habe oder nie gescheitert bin – das wäre auch gelogen. Ich möchte vielmehr sagen, dass ich die Chancen, die ich hatte und die Gaben, die Gott mir gegeben hat, genutzt habe. Als Christ habe ich vielleicht auch eine andere Einstellung zum Thema Scheitern und neue Chancen, als jemand der sein Leben ohne Glauben bestreitet.

Da ich jedoch neben meinen Job an der Technischen Universität Chemnitz das Geschäftsmodell nebenberuflich aufgebaut und bereits erste Projekte erfolgreich für Kunden aus der Industrie realisiert habe, weiß ich worauf ich mich einlasse. Ich starte also nicht ganz ins Blaue.

Momentan bereitest du dich auf die Gründung vor. Was ist für dich dabei die größte Herausforderung?

An möglichst alles Wichtige und Notwendige zu denken und nebenbei die eigentlichen Kernaufgaben der Gründung voranzutreiben. Da man als Gründer nun mal eher zur Ausnahme als zur Regel gehört, muss man sich die notwendigen Infos und Tipps teilweise schon zeitaufwendig zusammensuchen. Es sind halt viele neue Aufgaben und Verantwortlichkeiten auf die man sich erst einmal einstellen muss.

Wo und von wem bekommst du Hilfe und Unterstützung? Gibt es einen Bereich, wo du dir mehr Unterstützung wünschen würdest?

Große Unterstützung erhalte ich durch Netzwerke wie Saxeed, AVARE und Kreatives Chemnitz. Außerdem erhalte ich Unterstützung durch zahlreiche persönliche Kontakte zu erfolgreichen Gründern und ersten Kunden. Auch die Universität und Stadt Chemnitz bietet in vielerlei Hinsicht Support. Für diese Möglichkeiten bin ich sehr dankbar. Meine Frau und meine Familie sind jedoch meine größten Supporter und auch diejenigen, die schon sehr früh an die Idee und mich glaubten. Ich denke ein Bereich, wo ich mir noch etwas mehr Unterstützung wünsche, ist die Steigerung des Bekanntheitsgrades als neues Startup. Jedoch hat sich seit dem erfolgreichen Pitch bei der Veranstaltung C-Town 360° einiges an Kontakten und Möglichkeiten ergeben. Dort bin ich mit dem Startup-Paket 2018 prämiert worden. Dadurch hatte ich die Möglichkeit viele neue Kontakte zu knüpfen.

Interior Licht. Foto: VRENDEX
VRENDEX visualisiert Designkonzepte und macht Produkte dadurch erlebbar, bevor sie produziert werden. Was ist das Besondere daran? Wodurch unterscheidet sich VRENDEX zu anderen 3D Visualisierungen?

Aus dem Bereich der technischen Produktentwicklung kommend wird VRENDEX sich nicht als weitere Marketingagentur mit herkömmlichen 3D Visulisierungen etablieren wollen. Ziel ist es vor allem komplexe, noch in Entwicklung befindliche Produkte und Prozesse verständlich, emotional und interaktiv erlebbar zu machen (Videos). Ein Teil der Dienstleistung sind kreative und kundenzentrierte Entwicklung von Echtzeit-Anwendungen wie Virtual- und Augmented Reality, um interne als auch externe Kommunikationsprozesse zu parallelisieren und zu beschleunigen. Neben realistischen Echtzeit-Visualisierungen sollen diese vor allem durch 3D-Sound, haptisches Feedback (z.B. physische Prototypen) und einer intuitiven Bedienung ein unvergessliches Erlebnis bieten.

Aktuell entwickle ich in Zusammenarbeit mit dem Sennheiser AMBEO Team an Möglichkeiten zu 3D Audio in virtuellen Welten. Daneben werden diverse 360° Formate als Video oder interaktive Web-Anwendung oder App für mobile Endgeräte angeboten, um auch fernab von preisintensiven VR- und AR-Geräten plattformübergreifend und niedrigschwellig zu kommunizieren. Das kann z.B. eine virtuelle und interaktive VR-Produkt-Konfiguration einer großen Maschine für Leitmessen sein, die sich jedoch gleichzeitig als interaktive 360° Website betrachten lässt und per 360° Video auf Sozialen Netzwerken weltweit geteilt wird. Das Besondere an meinem Unternehmen wird die Technologiebreite und Innovationshöhe an Virtuellen Lösungen sein. Aktuell arbeite ich bereits mit einem großen professionellem Partnernetzwerk, die je nach spezifischer Kundenlösung mit Code, 360° Fotos, Videos usw. projektspezifisch unterstützen.

Wie sieht es mit der Finanzierung für die Umsetzung des Gründens und des Unternehmensaufbaus aus? (Bisher, aktuell, zukünftig?)

Bisher habe ich von der ersten Idee bis zum jetzigen Zeitpunkt alles aus eigenen Mitteln und Kräften finanziert und entwickelt. Zur zeitlichen Realisierung habe ich meine Arbeitszeit an der TU Chemnitz reduziert. Durch aktuelle Projekte und die steigende Nachfrage trägt sich das aktuell ganz gut. Jedoch setze ich für die Vollzeitausgründung auf eine Gründungsförderung und schreibe daher kräftig am Businessplan. Zukünftig soll sich das natürlich dann durch die innovativen Dienstleistungen und digitalen Produkte langfristig tragen – auch bei einem wachsenden Team. Zur Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen gibt es ja auch spezifische Förderprogramme, die das Entwicklungsrisiko minimieren und Innovationen stärken.

Wo siehst du dich optimaler Weise in 3 Jahren mit deinem Startup?

In drei Jahren will ich gern mit einem leidenschaftlichen Team sowohl die Produktentwicklung als auch das Produkterlebnis meiner Kunden mit virtuellen Technologien revolutionieren. Die technischen Möglichkeiten im Bereich VR und AR entwickeln sich rasant. Ebenso sollten das auch die Möglichkeiten, wie wir Produkte und Visionen darstellen und wahrnehmen. Ich glaube, das, was heute noch zu aufwendig und unerreichbar erscheint, gehört in drei Jahren oder vielleicht auch erst in fünf bis 10 Jahren zum Standard.

Pumpe. Foto: VRENDEX

So wie heute Vertreter noch physische Muster zum Kunden mitnehmen, Fachbesucher stets Messen vor Ort besuchen und Produkte als physische Prototypen entstehen, wird es dann nicht mehr in dem Sinne normal sein. Innovative Methoden und Technologien, die physische Welt zu erweitern sowie zeitlich und örtlich vorwegzunehmen, werden die Art und Weise wie wir kommunizieren, prägen. Diesen Wandel zur digitalen Welt (z.B. auch Virtueller Zwilling von Produkten) möchte ich mit meinem Unternehmen maßgeblich mitgestalten und für Kunden ermöglichen.

Was war das Überraschendste, das du bisher rund um das Gründen erlebt hast?

Meine erste Projektanfrage über die frisch erstellte Firmenhomepage hatte ich komischerweise nicht aus Deutschland oder dem deutschsprachigen Raum, sondern aus den USA (zumal die Homepage bislang lediglich deutschsprachig ist). Die immersive Darstellung von 360° Videos für Architekturrundgänge und Lichtwirkungen hatte eine große Firma aus dem Immobilienbereich sehr angesprochen.