Ulysses im Interview – vom Seitenprojekt zum Apple Design Award

Ulysses Apple Design Award

Vor 14 Jahren wurde die Idee zu Ulysses geboren. Im letzten Jahr gewannen die Leipziger Software Entwickler von ’’The Soulmen’’ sogar den begehrten Apple Design Award, welcher als der Oskar unter den Apps gilt.

8 Jahre ließen sich die Gründer Zeit um aus der Idee ein Geschäft zu machen. Wir haben haben mit Mitgründer Max Seelemann gesprochen und ihn zu der Entwicklung von Ulysses und seinen Tipps für andere Gründer befragt.

 

Hi Max, schön, dass es geklappt hat und du dir Zeit für unser Gespräch nimmst. Bitte stell dich unseren Lesern kurz vor.

Ich bin Max und zusammen mit Marcus Fehn habe ich vor 14 Jahren Ulysses gegründet. Ein Schreibprogramm für Mac, iPad und iPhone mit dem klaren Ziel kreatives und berufliches Schreiben einfacher zu gestalten. Mittlerweile beschäftigen wir sogar ein Team von 13 Mitarbeitern, was ganz großartig ist.

Wie kamst du dazu Ulysses zu gründen und wie bist du auf den Namen gekommen?

Die ursprüngliche Idee zu Ulysses kam von Marcus. Er hatte vor ein Buch zu schreiben, konnte dafür aber kein passendes Programm auf dem Markt finden. Er selbst ist Designer und hatte sogleich eine Idee, ihm fehlte jedoch jemand für die Umsetzung – so kam er auf mich zu.

Zunächst haben wir unser Programm nur nebenbei verkauft, um uns das Studium zu finanzieren. Vor 6 Jahren haben sich dann die Umstände geändert – ich war fertig mit meinem Diplom und Marcus am Ende seiner Elternzeit. Hinzu kam, dass der Appstore gerade anlief und es nun einen zentralen Marktplatz auf dem Mac gab. Wir haben unser altes Produkt also erstmalig im App Store zum Verkauf angeboten und es lief sehr gut an. Wir haben im ersten Monat so viel Umsatz gemacht, dass wir davon locker 3 Monate hätten leben können. In dem Moment war uns klar, wir müssen es probieren. Von da an ging es richtig los und wir sind weiter gewachsen.

Namensgeber war der irische Roman des Schriftstellers James Joyce. Es wird als eines der größten literarischen Werke des 20. Jahrhunderts gehandelt.

Für alle die Ulysses noch nicht kennen. Was macht Ulysses aus, was ist daran so besonders? 

Letztendlich gibt es vier Hauptkonzepte, welche die Idee und Ulysses zu etwas Besonderem machen.

Das erste ist der Fokus. Ulysses ermöglicht es dir, dich voll und ganz auf das Schreiben zu fokussieren. Man hat keine Paletten, keine überflüssigen Fenster und keine Toolbar beispielsweise. Sobald man in den Vollbildmodus geht, gibt es nur noch Text, dazu eine weiße oder schwarze Oberfläche und den Cursor – weiter nichts. Der Editor besteht aus reinem Text. Man kann so gut wie nichts auswählen, markieren oder verschieben – mit Absicht. Denn wer schon mal länger gebraucht hat eine Überschrift zu formatieren als sie zu formulieren, der weiß wie viel Zeit dabei draufgeht. Unser Tool soll die Konzentration und das Fokussieren zusätzlich unterstützen.

Das zweite ist die Organisation innerhalb der App. Das Programm bildet eine Art Bibliothek mit allen Texten. Diese lassen sich durch Suchfunktionen einfach finden und verstauen. Teilweise werden sogar ganze Romane und Serien mit Hilfe von Ulysses geschrieben und organisiert.

Der dritte Wichtige Punkt ist das Ganze zu exportieren. Schreiben ist schön und gut aber der Text muss im Endeffekt irgendwo platziert werden und da bietet Ulysses viele Möglichkeiten. Man kann seinen Text als Word Datei exportieren, als Pdf. herausgeben oder per Email verschicken. Du kannst damit sogar ein ganzes Ebook in wenigen Klicks erstellen oder deinen fertigen Blogpost in WordPress hochladen. Außerdem haben wir viel Wert darauf gelegt, dass es optisch sehr ansprechend aussieht.

All diese Dinge gehen mit Ulysses immer und überall, denn deine Texte werden gleichzeitig auf dem iPad, iPhone und Mac synchronisiert. Dabei bleibt der Funktionsumfang auf dem mobilen Gerät identisch mit dem auf dem Desktop, was eine große Befreiung für unsere Nutzer darstellt. Heutzutage hat man doch sein gesamtes digitales Leben im Telefon, warum dann nicht auch die eigenen Schreibprojekte?

Für wen, würdest du sagen, eignet sich die App besonders?

Unser Programm ist sehr flexibel aufgestellt, wir haben dementsprechend ganz unterschiedliche Nutzer – darunter Blogger, Autoren oder auch Privatpersonen, die ein digitales Tagebuch führen.

Ihr habt im letzten Jahr den Apple Design Award gewonnen, das war doch sich er ein Meilenstein für dich?

Ganz großartig! Der Apple Design Award wird jedes Jahr an 10 Entwickler vergeben und als Kandidaten kommen alle Apps im App Store in Frage. Derzeit müssen es so um die 2 Millionen sein. Da unter die Top 10 zu kommen ist eine wunderbare Auszeichnung. Als Apple bei der Präsentation auch noch erwähnte, dass sie Ulysses selbst (für Apple) nutzen, war das für uns wie das Sahnehäubchen oben drauf. Zuvor wurde so etwas noch nie bei einer Verleihung gesagt.

Welche Probleme sind dir auf dem Weg zum erfolgreichen Unternehmer begegnet & wie hast du diese gelöst?

Ich muss sagen, wir sind mehrfach fast pleite gegangen. Von Anfang an waren wir boot-strapped, haben uns sozusagen komplett selbst finanziert. Das bedeutet aber eben auch, dass man keinen finanziellen Rückhalt hat um Durststrecken zu überwinden. Denn das Problem an einer App ist: Man nimmt sich etwas vor und im Endeffekt dauert es dreimal so lang wie geplant. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir auch noch zwei Vollzeit-Angestellte und das war eine ganz schön harte Zeit. Wir haben 80 Stunden pro Woche gearbeitet und sind monatelang auf dem Zahnfleisch gelaufen, weil wir kein Geld mehr hatten. Aber wir haben durchgehalten und es hat sich gelohnt.

Welche Ratschläge kannst du nach deinen bisherigen Erfahrungen unseren Leser mitgeben?

Mein wichtigster Tipp ist ,,durchhalten’’! Man muss seine Ziele klar formulieren, diese richtig priorisieren und durchhalten. Man brauch dafür einen eisernen Willen dann wird man es auch irgendwann schaffen. Außerdem sollte man meiner Erfahrung nach immer mit kleinen Schritten beginnen. Erst wenn man die kleinen Schritte beherrscht, kann man sich an die großen Visionen heranwagen. Es ist wichtig das Feedback der Kunden abzuwarten bevor man zu große Schritte macht, nur um die eigenen Visionen zu verwirklichen.

Vielen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg Max!