Trionplas Technologies GmbH: Lichtjahre voraus

Clustersieger Chemie/Kunststoffe: Trionplas Technologies GmbH mit den Preisstiftern Trinseo Deutschland GmbH und Verband der chemischen Industrie - Landesverband Nordost; (v.l.) Katrin Sommer (VCI - Landesverband Nordost), Hendrik Paetzelt, Dr. Georg Böhm (beide Trionplas Technologies GmbH), Ralf Irmert (Trinseo Deutschland GmbH) | Bildnachweis: Guido Werner/GWP

Für ihr Plasmajet-Verfahren zur Herstellung neuartiger Optiken erhielt die Trionplas Technologies GmbH beim IQ Innovationspreis Mitteldeutschland 2018 den Clusterpreis Chemie/Kunststoffe sowie den Lokalpreis der Stadt Leipzig. Welche Entwicklungsschritte als nächstes anstehen und was der Gewinn des Clusterinnovationswettbewerbs für das Startup bedeutet, erklärt Trionplas-Geschäftsführer Hendrik Paetzelt.

Aufmerksamkeitsschub durch die Auszeichnung

Der IQ Innovationpreis Mitteldeutschland verlieh dem Leipziger Startup einen wahren Aufmerksamkeitsschub. Hendrik Paetzelt erklärt begeistert:

„In den zwei Monaten seit der Preisverleihung sind wir nach außen und innen viel sichtbarer geworden. Unsere Kunden sprechen uns häufig auf den Preis an und an unserem Institut werden wir seitdem noch positiver wahrgenommen. Bei der Preisverleihung in Gera war sogar unser neuer Institutsdirektor Prof. Dr. André Anders dabei. Für uns persönlich ist das alles sehr motivierend“.

Paetzelts Unternehmen Trionplas Technologies GmbH, eine Ausgründung aus dem Leipziger Leibniz-Institut für Oberflächenmodifizierung e.V., hat ein Verfahren zur Oberflächenbearbeitung individuell geformter Optiken entwickelt, mit dem neuartige Designkonzepte und innovative Anwendungen in vielen Hightech-Branchen realisiert werden können. Dazu gehören der Einsatz von Sensoren in autonom fahrenden Autos, Spiegelsysteme für die Luft- und Raumfahrt, die Laserbearbeitung von Computerchips und bildgebende Verfahren in der Medizin. Paetzelt erläutert:

„Individuell geformte und hochpräzise Optiken zählen zu den wichtigsten Trends der Optischen Industrie. Unser Plasmajet-Verfahren ermöglicht die kostengünstige Produktion leistungsstarker Freiform-Optiken für neue innovative Anwendungen in den verschiedenen Branchen.“

Neue Möglichkeiten durch innovatives Verfahren

Während individuell geformte Linsen, deren Oberfläche von herkömmlichen, sphärischen oder zylindrischen Formen abweichen, sich mit bisherigen Verfahren wie Schleifen und Polieren nur schwer herstellen lassen, bietet das innovative Verfahren von Trionplas ganz neue Möglichkeiten. Es basiert auf dem chemischen Abtrag von Molekülen aus der Siliziumoxidoberfläche der Linse durch die Reaktion mit einem ätzenden Gas. Dieses wird durch eine neu entwickelte, extrem kleine Plasmaquelle erzeugt und aufgebracht. Dank Plasmastrahlen von weniger als einem Millimeter Breite lässt  sich die Optikoberfläche gezielt im Nanometerbereich bearbeiten.

Zehn Jahre Forschung bis zum Durchbruch

Etwa zehn Jahre Forschungsarbeit lagen hinter dem Team von Hendrik Paetzelt und seinem Geschäftspartner Dr. Georg Böhm, bevor sie 2017 mit ihrer Innovation an die Öffentlichkeit gingen. Inzwischen wurden mit dem Verfahren bereits Optiken als Prototypen und in Kleinserien für Industriepartner hergestellt. Dabei wurden hierfür noch Laboranlagen des Leibniz-Institutes für Oberflächenmodifizierung genutzt. Für die Zukunft plant das Leipziger Spin-off den Aufbau einer eigenen Fertigungstrecke und zielt bei der Kundenakquise vor allem auf Industriepartner in der Region ab. Paetzelt zeigt sich zuversichtlich:

„Hier in Mitteldeutschland haben wir mit Leipzig den perfekten Standort, um potenzielle Kunden zu erreichen. Jena, die Hochburg der Optiktechnologie, ist nur einen Katzensprung entfernt. Mit den dort ansässigen großen Optikunternehmen möchten wir zukünftig noch stärker zusammenarbeiten.“

Mehrfache Auszeichnung für Trionplas

Für ihre Innovation wurde die Trionplas Technologies GmbH mit dem Clusterpreis Chemie/Kunststoffe des IQ Innovationspreis Mitteldeutschland 2018 und dem lokalen IQ Innovationspreis Leipzig ausgezeichnet. Gestiftet wurde der mit 7.500 EUR dotierte Clusterpreis gemeinschaftlich von der Trinseo Deutschland GmbH und dem Verband der Chemischen Industrie – Landesverband Nordost. Mit dem Preisgeld wird das Startup einen kleinen Fuhrpark und Bearbeitungsmaschinen anschaffen.

„Unser Traum ist eine eigene Produktionsstätte in Leipzig aufzubauen, damit wir nicht mehr auf Fremdmaschinen angewiesen sind, sondern alles aus eigener Hand produzieren können“, so Unternehmer Paetzelt. „Zudem wollen wir weitere Mitarbeiter einstellen, denn die Auftragslage ist gut.“

Die Teilnahme am IQ-Wettbewerb war für das Leipziger Startup eher Zufall. „Erst kurz vor der Frist haben wir uns beworben und waren dann überrascht, es so weit zu schaffen“, gibt Hendrik Paetzelt zu und ergänzt: „Dabei war das Auswahlverfahren für uns in vielerlei Hinsicht lehrreich. Als Wissenschaftler redet man ja oft viel, doch wenn man sein Fachgebiet vor Politik und Wirtschaft erklären will, gilt es, schnell auf den Punkt zu kommen.“

Bewerbungen für den nächsten IQ Innovationspreis Mitteldeutschland sind ab 3. Dezember 2018 möglich.

Dieser Text erschien zuerst auf IQ-Mitteldeutschland.