TinkerToys: Kreativität, Medienkompetenz und Nachhaltigkeit. Ein Interview mit Gründer Dr. Marko Jakob

TinkerToys Spilezeug
Das TinkerToys Gründer-Team

TinkerToys scheint sich so langsam zu einem der erfolgreichsten Startups Magdeburgs zu mausern. Das junge Unternehmen ermöglicht es Kindern ihre eigene Fantasie mithilfe eines 3D-Drucks Wirklichkeit werden zu lassen. Wir sprachen bereits mit Gründer Sebastian Friedrich über TinkerToys und berichteten über die geplante Seedmatch-Kampagne. Diese wurde  erst kürzlich mit 320.000 Euro als die höchste Crowdfunding Summe Sachsen-Anhalts abgeschlossen (deutsche-startups.de). Wir haben Gründer Dr. Marko Jakob einige Fragen stellen dürfen. Er erzählte uns von seinen Erfahrungen, Tipps für Gründer und die Pläne zur Internationalisierung.

Wer ist das Team hinter TinkerToys?

Die Gründer

Sebastian Friedrich ist Wirtschaftsingenieur und hat seine Abschlussarbeit im Bereich 3D-Druck verfasst. Sebastian Friedrich hat ein FabLab in Magdeburg aufgebaut und war an der Ausgründung von universitären Spin-offs beteiligt. Er ist verantwortlich für Produktion, Technik und IT. Dr. Marko Jakob war 12 Jahre als Offizier in der Bundeswehr tätig und konnte anschließend beim führenden deutschen Online Reiseanbieter (Unister) zahlreiche Managementerfahrungen sammeln. Zuletzt war er als COO eines Berliner Tech Startups tätig. Er ist für den kaufmännischen Teil verantwortlich und kümmert sich um die Finanzen, das Marketing und die Bereiche Personal und Recht. Sebastian Schröder ist diplomierter Spielzeugdesigner und verantwortet die gestalterische Umsetzung der Software.

Das TinkerToys Team

Das Team umfasst Kompetenzen in den Bereichen Softwareentwicklung, Ingenieurskunst, Marketing und Design. Zum Team gehören nicht nur Informatiker und Industriedesigner, sondern auch ein Bioniker und Kommunikationsexperten.

Wie kam es zur Idee von TinkerToys?

Die Geschäftsidee ist entstanden, als alle drei Gründer gemeinsam an einem Projekt bei einer Unternehmensberatung arbeiteten und sich so kennenlernten. Als Vater von zwei Kindern suchte Sebastian Schröder eine Möglichkeit, die Kreativität seiner Kinder zu fördern. Gleichzeitig wollte er deren Kompetenz im Umgang mit neuen Medien stärken und nachhaltig sollte es auch sein. Seine Recherche blieb lange erfolglos. Dann hatte Sebastian Friedrich die zündende Idee. Durch seine Forschungen im Bereich 3D-Druck, kannte er dessen Möglichkeiten. Mit seinem kaufmännischen Know-how analysierte und berechnete Marko Jakob die finanziellen Potenziale, die individuelles, umweltfreundliches Spielzeuge boten. Schnell erkannten die drei, dass sie auf einen riesigen, bisher vernachlässigten Markt gestoßen waren.

Der Spielzeugmarkt wird bislang von standardisierten Produkten dominiert, die hauptsächlich in Asien als Massenware unter fragwürdigen Bedingungen produziert werden. Das Ziel von TinkerToys ist es, diesen Markt durch unseren disruptiven Ansatz zu revolutionieren. Mittelfristig ist die Internationalisierung vorgesehen.

Was macht TinkerToys einzigartig?

TinkerToys zeichnet sich durch drei Innovationen aus, die das Startup einzigartig machen.

  1. Der Kern des Unternehmens ist die selbst entwickelte, kindgerechte CAD-Software. Diese gestenbasierte Konstruktionssoftware wurde unter der Maßgabe entwickelt, dass sie ohne Hilfestellung eigenständig von Kindern genutzt werden kann. Durch die klare Struktur und einem intuitiven Funktionsumfang können Kinder ab sechs Jahren eigene 3D-Modelle konstruieren. Dies ist einzigartig im Markt.
  2. TinkerToys besitzt umfassendes Know-how in der Nutzung und Weiterentwicklung von 3D-Drucktechniken. So führen unsere technischen Verbesserungen dazu, dass 95 % unserer Drucke erfolgreich sind, branchenüblich sind max. 86%. Auch Qualität und Einsatzdauer konnten durch Anpassungen am Kühlkonzept, der Materialzufuhr und des Druckkopfes deutlich gesteigert werden. Bereits heute ist TinkerToys Qualitätsführer im Bereich des FDM-Druckverfahrens, bei gleichzeitig sehr geringen Druckkosten.
  3. Das dritte Alleinstellungsmerkmal ist der konsequent nachhaltige und umweltschonende Produktionsprozess. Der eingesetzte Biokunststoff basiert auf Maisstärke und ist recycelbar. Dadurch ist TinkerToys in der Lage, einen Wertstoffkreislauf aufzubauen. Gesundheitsbedenkliche Farbstoffe und Weichmacher werden nicht verwendet. Darüber hinaus wird zur Produktion „grüner Strom“ eingesetzt. Für den Versand nutzt TinkerToys die klimaneutralen Dienstleistungen der DHL.

Die Kombination dieser drei Innovationen macht das TinkerToys Leistungsangebot einzigartig. Es lässt sich in den Segmenten B2B, B2C und Schulen einsetzen.

Wie lange dauerte es von der Idee zum marktfähigen Produkt?

Die ersten Überlegungen stellten wir 2013/2014 an. Wir nahmen an zahlreichen Business Plan- und Ideenwettbewerben teil, um unsere Idee konstruktiver Kritik auszusetzen. Mit dem Feedback schärften wir unsere Idee immer weiter nach. Im Jahr 2014 gingen wir dann an den Markt. Als Rechtsform wählten wir zunächst eine GbR. Damit waren wir schnell und konnten unsere Ideen in der Realität testen. TinkerToys kam am Markt sehr gut an, so dass wir im Mai 2015 eine GmbH gründeten. Seitdem entwickeln wir unser Produkt kontinuierlich weiter. Von der Idee bis zum marktreifen Produkt waren es somit etwa 12 Monate.

Was würdet ihr rückblickend in der Gründungsphase anders machen?

Wenn wir zurückblicken, hätten wir gern von Beginn an einen Softwareentwickler im Gründerteam gehabt. Das wäre vielleicht eine Sache, die wir heute anders machen würden.

Was war die wichtigste Erfahrung während der Gründung?

Die wichtigste Erfahrung war das gegenseitige Vertrauen. Alleine hätte es keiner von uns so weit gebracht. Wir können uns blind aufeinander verlassen. Das ist für mich persönlich die wertvollste Erfahrung.

Welche Tipps habt ihr für andere Gründer?

Im Grunde habe ich zwei Lektionen gelernt:

  1. Es gibt keine Abkürzung.
  2. Hört auf Eure Kunden und passt Euer Produkt dementsprechend an.

Zum ersten Punkt. Ein Fehler war es, auf vermeintliche Experten zu hören. Am Ende war es für uns immer der nachhaltig erfolgreichere Weg, wenn wir Know-how selbst aufgebaut und in der Organisation verankert haben. Daher sind wir davon überzeugt, dass es keine „Abkürzungen“ gibt. Ein Unternehmen aufzubauen, dauert lange und es ist ein beschwerlicher Weg. Und zum zweiten Punkt. Von Beginn an haben wir unser Produkt an der Zielgruppe getestet und mit deren Feedback weiterentwickelt. Entwicklungen im stillen Kämmerchen werden daher nur selten zum Erfolg führen. Daher plädieren wir für: Testen, Testen, Testen.

Wie konntet ihr euch bislang finanzieren? Wie verlief die Crowdfunding Kampagne für euch, warum habt ihr euch dafür entschieden?

Wir haben bislang zwei Finanzierungsrunden durchlaufen. In der ersten haben wir ein Darlehen der IB Sachsen-Anhalt erhalten und konnten zudem zwei Finanzierungspartner für eine Stille Beteiligung gewinnen. Das war für den Start eine gute Kombination. Zumal wir so gezwungen waren, frühzeitig eigene Umsätze zu generieren. Mit der Crowdinvesting Kampagne auf Seedmatch haben wir nun die zweite Finanzierungsrunde erfolgreich abgeschlossen. Wir hatten zahlreiche Gespräche mit Investoren, haben uns dann aber für ein Crowdinvesting entschieden. Es gibt dabei einige Vorteile. Die hohe Aufmerksamkeit, die man erfährt, ist dabei ein entscheidender Punkt. Man darf das Medienecho nicht unterschätzen.

Welche Pläne habt ihr für das Geld aus der Crowdfunding Kampagne?

Auf regionaler Ebene konnten wir TinkerToys bereits erfolgreich etablieren. Im nächsten Schritt wollen wir den deutschen Markt erobern. Dafür werden wir das Investment nutzen. Die Seedmatch Kampagne war dabei ein erster Schritt zur deutschlandweiten Bekanntheit und Kundengewinnung. Im zweiten Schritt werden wir mit dem Kapital unseren B2B-Vertrieb ausbauen.b Im Vergleich zu einer Risikokapital-Finanzierung wachsen wir so vielleicht etwas langsamer, dafür aber nachhaltig.

Wo seht ihr TinkerToys in 3 Jahren?

TinkerToys hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2021 den Markt für innovative stationäre Kinderbetreuung im Einzelhandel zu beherrschen. Aufgrund unseres Geschäftsmodells wächst mit jedem B2B-Kunden auch unser B2C-Geschäft.
Das Wachstum im B2C-Segment wird direkt durch das wachsende B2B-Geschäft befördert. Da jedes Kind, das die Software an einer Designstation oder einem Designtablet genutzt hat, grundsätzlich als B2C-Kunde gewonnen werden kann. Bereits heute erhalten wir Anfragen aus dem Ausland. Diese können wir jedoch aktuell aufgrund der Kapazitäten nicht bedienen. Mittelfristig ist eine Ausweitung auf den internationalen Markt vorgesehen.

Was bedeutet es euch euer eigener Chef zu sein?

Es bedeutet vor allem Freiheit. Man sollte sich aber nichts vormachen, Freiheit, heißt nicht Freizeit. Eher im Gegenteil. Wir tragen mittlerweile Verantwortung für ein achtköpfiges Team. Damit steigt auch das Arbeitspensum. Aber ich würde es jederzeit genauso machen.

Was würdet ihr beruflich machen, wenn ihr kein Startup gegründet hättet?

Gute Frage, worauf ich aktuell keine Antwort habe. [lacht] Vermutlich würden wir eine Möglichkeit suchen, um zu gründen.

 

Vielen Dank für deine Zeit Marko Jakob. Wir wünschen euch das Beste für TinkerToys und viele, weitere Erfolge!