Studien belegen: Lange Arbeitszeiten schaden Menschen und Unternehmen

Überarbeitung

Verschiedene Studien belegen, dass lange Arbeitszeiten sowohl den Arbeitenden als auch den Unternehmen schaden. Schon 2015 fasste Harvard Business Review diese Studien in einem Artikel zusammen, der aber nicht an Aktualität verliert. Immer wieder sprechen wir über „New Work“ und „Work-Life-Balance“ und trotzdem arbeiten die Menschen Überstunde um Überstunde. Doch warum? Was sind die Gründe dafür, dass Menschen zu viel arbeiten?

3 Gründe, warum Menschen sich überarbeiten

Erstens geht man davon aus, dass Vorgesetzte von ihren Mitarbeitern verlangen viel zu arbeiten, immer erreichbar zu sein und auch im Urlaub auf Abruf zu stehen. Und das alles ohne sich zu beklagen. Ein Problem, welches in der strukturellen Organisation verankert ist, indem es Vorgesetzte gibt, die Mitarbeitern etwas vorschreiben können.

Zweitens hat es die Digitalisierung möglich gemacht, dass man immer und überall nur einen „Tab“ von seiner Arbeit entfernt ist. Es schreibt einem zwar keiner vor, dass man mehr und ständig arbeiten soll, doch es gibt eben Umstände, die einen dazu verleiten.

Drittens ist es ein psychologisches Problem. Menschen arbeiten viel und hart, weil sie einen inneren Drang  dazu haben, z.B. Ambitionen, Vergnügen, Stolz, aber auch Angst, Gier oder Männlichkeitsgefühle. Es ist uns ein Verlangen zu beweisen, dass wir etwas Wert sind. Wir machen lange Arbeitsstunden zu unserer Pflicht, weil wir es aus bestimmten Gründen so wollen. Einige dieser Gründe sind negativ, viele sind aber auch positiv.

Ist langes Arbeiten effektiv?

Doch die eigentliche Frage lautet nicht, warum überarbeiten wir uns oder wer oder was ist Schuld daran, sondern funktioniert es überhaupt? Können wir mehr schaffen und mehr erreichen, wenn wir mehr arbeiten? Sind die Ergebnisse besser, wenn wir länger arbeiten?

Studien belegen, dass egal aus welchen Gründen wir länger Arbeiten – auch wenn es aus Freude an der Arbeit ist – lange Arbeitstage nicht hilfreich sind. Zum ersten konnte in einer Studie mit Beratern gezeigt werden, dass Manager nicht den Unterschied erkennen zwischen Menschen, die 80 Stunden arbeiten und Menschen, die nur so tun. Während man Mitarbeiter maßregelte, die offen weniger arbeiteten, konnte man keinen Beweis dafür finden, dass Menschen, die länger arbeiteten, mehr geleistet hätten. Wer jetzt denkt: „na gut egal, ich arbeite gerne lange, ob meine Ergebnisse nun besser sind oder eben nicht!“ Dem sei gesagt: Langes Arbeiten schadet uns sogar.

Langes Arbeiten schadet den Unternehmen für die wir arbeiten und es schadet uns selbst. Überarbeitung führt zu gesundheitlichen Problemen, wie beispielsweise schlechter und mangelnder Schlaf, Stress, Depression, Diabetes, ein beeinträchtigtes Erinnerungsvermögen, Alkoholabhängigkeit und Herzkrankheiten. Das ist für uns persönlich schlecht. Aber es ist auch schlecht für die Unternehmen, denn diese Beeinträchtigungen führen zu Fehlzeiten und weniger Leistung und damit Umsatzeinbußen. In weiterer Konsequenz führt das auch zu höheren Krankenkassenbeiträgen und wird damit zu einem gesamtgesellschaftlichen Problem.

Fehler

Auch wem langes Arbeiten Spaß macht, sollte sich gut überlegen, ob es effektiv ist. Denn erwiesenermaßen macht man Fehler, wenn man müde ist. Und die meisten von uns werden schneller müde, als sie es glauben oder zugeben wollen. Wer müde ist, lässt sich leichter ablenken und ist weniger konzentriert, auch wenn er es selbst nicht immer merkt.

Wer zu hart arbeitet übersieht außerdem häufig das große Ganze und fokussiert sich dann allzu leicht auf unwichtige Details.

Zusammengefasst kann man also sagen, dass langes Arbeiten dem Ertragsgesetzt gleicht. Dieses wirtschaftswissenschaftliche Modell beschreibt den Zusammenhang zwischen eines Inputs und Outputs, wenn ein Faktor verändert wird und alle anderen gleich bleiben. Erhöht man also stetig den Arbeitseinsatz (Input) so steigt zu Beginn die Erfolgskurve stark an, steigt dann aber nur noch langsam bis sie gleich bleibt und fängt dann zu sinken an.

Alles in allem heißt das natürlich nicht, dass wir nicht ab und an einen langen Arbeitstag arbeiten können, um ein Problem oder eine Krise zu lösen. Es heißt nur, wir können es nicht regelmäßig, ohne dass Fehler und gesundheitliche Probleme auftreten.

Warum überarbeiten wir uns trotzdem?

Trotz der beweisenden Studien arbeiten viele Menschen regelmäßig Überstunden. Eine Statistik von statista.com zeigt: 2017 wurden in Deutschland 789 Millionen bezahlte und 925 Millionen unbezahlte Überstunden gearbeitet. Das sind zwar etwas weniger als in den Vorjahren, aber die Unterschiede sind kaum signifikant. Warum also werden so viele Überstunden, teils unbezahlt, gearbeitet, wenn doch sogar belegt werden konnte, dass es nicht effizient ist?

Es könnte ganz einfach Unwissen sein. Vielleicht wissen von uns viele nicht, wie schlecht zu langes Arbeiten ist.

Es könnte auch Skepsis sein. Vielleicht kennen einige zwar die Studien, glauben aber nicht daran oder glauben fest daran, die Ausnahme zu sein. (Kaum einer ist übrigens die Ausnahme, sonst würde es ja auch nicht Ausnahme heißen…)

Oder aber die Mischung – aus der Autorität der Vorgesetzten, der vermeintlichen wirtschaftlichen Vorteile, der dauerhaften Sichtbarkeit und Präsenz durch die Digitalisierung sowie aus den psychologischen Bedürfnissen – ist einfach zu stark, um daraus auszubrechen.

Darum macht euch bewusst: Gründer haben es nicht nur in der Hand Innovationen zu schaffen, die die Welt ein kleines bisschen verändern, sondern auch zeitgemäße Arbeitsbedingung für sich selbst und ihre Mitarbeiter zu etablieren.

Quellen:

Sarah Green Carmichael: The Research is Clear: Long Hours Backfire for People and Companies. In: Harvard Business Review