Dies ist ein bezahlter Beitrag unseres Partners ThEx Thüringen - Thüringer Zentrum für Existenzgründungen und Unternehmertum.
Zum #TABinterview sind wir digital in das Wohnzimmer von Christoph Prinz geschalten. Von hier aus leitet der 36-Jährige sein Unternehmen PartPrinZ GmbH. Gemeinsam mit Mitgründer Marc Pfeifer entwickelt Christoph Prinz ein „Check24“ für Zerspanungsteile. Um diese Idee zu ermöglichen, wurde der Jenenser zur Existenzsicherung in derVorgründungsphase von der Thüringer Gründungsprämie unterstützt. Im #TABinterviewsprechen wir mit ihm über den Antragsprozess und das erste Jahr der Gründung.
Sie haben einen digitalen Marktplatz für Dreh- und Frästeile entwickelt. Woher kam dieIdee für Ihre Unternehmung?
Ich bin seit 2014 im Einkauf tätig. Zuletzt habe ich in einem Unternehmen den Einkauf unddas Lager geleitet. Zu meinen Aufgaben zählte u.a. die Beschaffung von Zerspanungsteilen,also Dreh- und Frästeile. Solche Teile begegnen uns im Grunde genommen überall im Alltag– etwa an den Rädern von Zügen, an Fahrrädern oder im Motorenblock eines Autos. Wennein Unternehmen beispielsweise ein neues Mikroskop entwickelt, wird Elektronik oder Optikbenötigt, aber eben auch Zerspanungsteile, um beispielsweise die Optiken einzuhausenoder um das Mikroskop in der Höhe zu verstellen. In der Konstruktionsabteilung erstellenIngenieure eine technische Zeichnung und ein 3D-Modell. Anschließend muss der Einkäufer auf Grundlage dieser Vorgaben ein passendes Zerspanungsunternehmen finden, das dieses Teil auch herstellen kann. Als Einkäufer braucht man also das technische Know-How, um die Dokumente zu verstehen, aber auch eine gute Marktkenntnis, um zu wissen, welches Unternehmen für die Herstellung in Frage kommt. Wenn dieses Wissen fehlt, streut man die Anfrage und guckt einfach, was zurückkommt. Das ist ineffizient und hat mich gestört. Ich bin also auf die Idee gekommen, eine Vergleichsplattform für Zerspanungsteile zu machen.
Wie ging es weiter?
Ich bin Ende 2019 auf meinen heutigen Mitgründer Marc Pfeifer zugegangen, der als Softwareentwickler direkt begeistert von der Idee war. Anfang 2020 ging es los und wir haben die ersten Zeilen Code geschrieben. Parallel bin ich auf andere Einkäufer, aber auch Unternehmer für Zerspanungsteile zugegangen, um die Idee anzuteasern. Das Feedback war durchweg positiv, sodass die Idee immer konkreter wurde. Zu diesem Zeitpunkt haben wir das Projekt noch nebenberuflich betrieben, weshalb wir zunehmend an unsere Kapazitätsgrenzen gestoßen sind.
Was war die erste Anlaufstelle für Ihre Gründungsidee?
Wir haben im Netz zum Thema recherchiert und sind relativ schnell auf das Thüringer Zentrum für Existenzgründungen und Unternehmertum (ThEx) gestoßen – in Kombination mit der IHK Ostthüringen haben wir eine Gründungsberatung in Anspruch genommen. ImRahmen der Beratung haben wir alle Themen behandelt, die es braucht, um so eineUnternehmung zu durchdenken. Es ging um die Finanzplanung, aber auch um die Markt-und Wettbewerbsanalyse. Darüber wurden wir auch auf die Gründungsprämie aufmerksam.
Wie läuft der Antragsprozess für die Gründungsprämie ab?
Neben dem Antrag mussten wir ein Exposé einreichen. Der Antrag selbst ist halt ein typischer Antrag (lacht). Durch die Unterstützung von unserem ThEx-Gründungsbegleiterhaben wir den Antrag relativ schnell abgearbeitet. Ich würde auch empfehlen, hierzu einen fachkundigen Berater hinzuziehen. Im Exposé haben wir unsere Idee kurz skizziert, aber auch unseren Business-Case dargelegt und erste Gedanken zur Zielgruppe, Marketing und Vertrieb niedergeschrieben. Das haben wir Beides eingereicht und anschließend eine Einladung zur Jury-Sitzung im ThEx Erfurt erhalten. Da haben wir unsere Idee präsentiert. Und wir hatten wirklich erst ein paar Schnipsel Code und ein Mock-up, wie die Vergleichsplattform aussehen könnte. So sind wir ins Rennen um die Gründungsprämie gegangen und wir haben uns sehr gefreut, als relativ zügig die positive Rückmeldung kam.
Trotz aller Vorfreude ist der Schritt in die Gründungsprämie zur Existenzsicherung in der Vorgründungsphase mutig. Wie sind Sie damit umgegangen?
Den offiziellen Bescheid von der Thüringer Aufbaubank in den Händen zu halten, war ein super Gefühl. Denn ab diesem Zeitpunkt mussten wir nicht mehr mit angezogener Handbremse fahren, sondern wussten, dass wir voll durchstarten können. Das hat mir auch große finanzielle Sicherheit gegeben, denn – darauf muss man sich einlassen – sein Angestelltenverhältnis muss man aufgeben. Beides konnte ich aber ohnehin nicht mehrstemmen. Zuvor habe ich abends noch E-Mails geschrieben, Telefontermine auf dem Weg zur Arbeit oder Videokonferenzen in der Mittagspause erledigt. Mit der Gründungsprämie hatte ich nun ein gesichertes Einkommen für 12 Monate und konnte mich voll auf die Gründung konzentrieren. Das hat mich wahnsinnig gefreut.
Was waren Ihre ersten Schritte nach Bewilligung der Gründungsprämie?
In der Zeit von Februar 2024 bis Februar 2025 konnten wir uns mithilfe der Gründungsprämie voll auf unsere Idee konzentrieren. Wir haben den vollen Fokus auf die Weiterentwicklung unserer Plattform gesetzt und haben ein Pilotprojekt gestartet, um uns weiteres Feedback einzuholen. Dafür konnten wir bereits über 80 interessierte Unternehmen gewinnen. Das hat uns sehr geholfen. Alles in allem ist die Gründungsprämie eine gute Unterstützung, um mit seiner Idee voranzukommen.
Wie konnte die Thüringer Gründungsinfrastruktur weiterhelfen?
Ein Jury-Mitglied hat uns nach unserem Pitch zur Gründungsprämie auch auf das „Thuringian Regional Innovation Program“, kurz TRIP, aufmerksam gemacht. Wir haben uns beworben und wurden im September 2024 zu einem ersten Kick-Off-Event eingeladen. Da kamen mehrere Start-ups zusammen, die sich in ganz unterschiedlichen Gründungsstadien befanden. Die Diversität innerhalb der späteren TRIP-Class hat uns total gut gefallen, weil wir viel voneinander lernen konnten. Auf den Kick-Off-Termin folgte der Demo Day, an dem wir unsere Idee erstmals auf einer Bühne gepitched haben. An diesem Tag haben wir unser Ticket für die TRIP-Class erhalten. Mit dem Ticket waren auch 4.000 Euro verbunden, die wir zur Weiterentwicklung des Prototypen eingesetzt haben. Das war eine super finanzielle Unterstützung.
Wie haben Sie die TRIP-Class erlebt?
In der TRIP-Class haben wir regelmäßig an Workshops teilgenommen. Das war ein bunter Blumenstrauß von allem, was man zum Unternehmertum so braucht. Wir kamen mit den
verschiedenen Dozenten in Kontakt, so hat sich für uns zum Beispiel ein erster Kontakt zur bm|t beteiligungsmanagement thüringen gmbh geknüpft. Das war eine sehr lehrreiche Zeit. Wir sind als TRIP-Class aneinander gewachsen und hatten alle den Spirit, voranzukommen. Bei allen war immer die Lösung und nicht das Problem fokussiert. Am Ende des Programms wurde uns außerdem der Weg zu den Investor Days Thüringen eröffnet. Das war ein Moment, in dem ich mir wieder dachte, dass das alles nicht wahr sein kann.
Wie waren die Investor Days Thüringen?
Das war eine wilde Zeit (lacht). Wir haben unseren Pitch nämlich eine Woche vor den Investor Days nochmal komplett umgekrempelt. Innerhalb der TRIP-Class haben wir vorab ein Pitchtraining absolviert und super Feedback erhalten. Daraufhin haben wir unsere Präsentation nochmal überarbeitet – mit Erfolg. Denn wir haben direkt den Preis für den besten Pitch abgeräumt. Ich kann die Investor Days Thüringen nur empfehlen, auch wenn man erst mal nur als Besucher kommt. Wenn man eine Idee hat oder sich mit der Gründungsszene vernetzen möchte, um einfach nur mal diese Luft zu schnuppern, ist das eine super Gelegenheit. Wir haben dort neue Kontakte geknüpft und alte Bekannte wieder getroffen. Das war super.
Am 5. September 2025 haben Sie gegründet. Wie hat sich das angefühlt?
Das war surreal. Das Preisgeld der Investor Days haben wir genutzt, um eine Anwaltskanzlei zu beauftragen, die uns bei den rechtlichen Themen – Satzung, AGB, Datenschutz etc. –unterstützt. Dann rückte der Tag immer näher, wir saßen beim Notar und haben unterschrieben. Und plötzlich waren wir als GmbH organisiert. Bei uns ist es so, wir arbeiten noch von zuhause aus. Wir haben kein Big Business. Wir versuchen, aus unserem Wohnzimmer – sozusagen aus der Garage heraus – zu wachsen.
Wie ist der Status Quo? Woran arbeiten Sie im Moment?
Wir arbeiten momentan daran, mehr Aufmerksamkeit für unsere Vergleichsplattform zu erhalten. Wir wollen Marketing und Vertrieb ausbauen, aber auch unsere Plattform stetig weiterentwickeln. Aktuell implementieren wir KI für die Automatisierung der Angebotskalkulation, damit Zerspanungsunternehmen um bis zu 50% weniger Zeit für die Kalkulation benötigen und im zweiten Schritt Einkäufer sofortige Preise haben, was den Aufwand auf ein Minimum reduziert. Außerdem möchten wir eine Investitionsrunde starten und sind daher auch auf der Suche nach Investoren. Wir freuen uns über jeden Kontakt.
Was würden Sie anderen Gründer*innen raten?
Mutig sein! Nicht zu viel durchdenken - einfach machen. Vernetzt euch und sprecht über eure Idee. Es ist wichtig sich auszutauschen und Feedback einzusammeln – vielleicht erstmal im Familien- und Freundeskreis. Durchhaltevermögen ist auch super wichtig. Nutzt Programme wie Gründungsprämie und Existenzgründungspass, aber auch die ThEx-Angebote mit der TRIP-Class – das ist hilfreich und vernetzt euch. Wir haben vor einem Jahr auch niemanden gekannt und inzwischen sind wir so gut vernetzt.
Vielen Dank für das Gespräch!
