Wir haben mit Stefanie Hartmann, Mitgründerin des Startups SONOJET, gesprochen, das eine innovative Technologie zur Erzeugung von Aerosolen entwickelt. Basierend auf der akustischen Oberflächenwellen-Technologie (SAW) zielt SONOJET darauf ab, die Art und Weise zu revolutionieren, wie Aerosole erzeugt und für industrielle Anwendungen genutzt werden. In diesem Interview gibt Stefanie einen tiefen Einblick in die Entstehungsgeschichte des Startups, die Herausforderungen der frühen Gründungsphase und die Zukunftsperspektiven dieses vielversprechenden Unternehmens aus Dresden.
Vom Forschungsinstitut zur Gründung – Der Weg von SONOJET
SONOJET entstand aus der Forschungsgruppe „Akustische Mikrosysteme“ am Leibniz-Institut für Festkörper- und Werkstoffforschung in Dresden. Das Team beschäftigte sich mit anwendungsnaher Forschung zur Manipulation von Flüssigkeiten und Partikelsuspensionen mit hochfrequenten Schallwellen, der sog. Akustofluidik, und hat schon immer sehr eng mit Industriepartnern zusammengearbeitet. Bereits 2018 entstand der Gedanke, die SAW-Technologie zu kommerzialisieren und ein eigenes Unternehmen zu gründen. Der ursprüngliche Fokus lag auf einem Einsatz in der medizinischen Diagnostik, doch die Anwendung war zu komplex und erforderte zahlreiche Partner aus der Branche. Nach einer Kursänderung konzentrierte sich das Team auf die Erzeugung und technische Nutzung von Aerosolen – einem Nebel von ultrafeinen Tröpfen mit Größen im Mikro- und Nanometerbereich. Das erwies sich als deutlich vielversprechender und eröffnete eine ganze Reihe neuer Möglichkeiten.
Der Wendepunkt: Von Medizintechnik zu Industrieanwendungen
Der eigentliche Schlüsselmoment für die Gründung von SONOJET war, als die ursprüngliche Anwendung nicht den gewünschten Erfolg brachte. „Wir mussten schnell entscheiden, ob wir uns weiterhin auf das schwierige Medizintechnikprojekt konzentrieren oder den Kurs komplett ändern“, sagt Stefanie. Rückblickend die bisher wichtigste Entscheidung des noch jungen Gründerteams.
„Unsere Technologie ist in der Lage präzise sehr feine Tröpfchen z.B. aus elektrisch leitfähigen Flüssigkeiten zu erzeugen, die wir ganz gezielt auf Oberflächen aufbringen und so funktionelle Beschichtungen und Mikrostrukturen herstellen können. Dies hat großes Potenzial in verschiedenen industriellen Bereichen. Technisch gesehen ist die Anwendung viel einfacher und weniger komplex in der Umsetzung.“
So entstand die heutige SONOJET GmbH: Ein Unternehmen, das Aerosolquellen entwickelt, die eine Vielzahl von Flüssigkeiten – von organischen Lösungsmitteln, Nanopartikel-Tinten bis hin komplexen chemischen Prekursoren – verarbeiten können.
„Das besondere ist, dass wir mittels der Aerosoltechnologie Materialien auf beliebig gekrümmte Oberflächen aufbringen können, was mit anderen Drucktechnologien wie Siebdruck oder Inkjetdruck nicht möglich wäre“, erläutert Stefanie.
Mit SONOJET lassen sich elektronische Komponenten wie Leiterbahnen, Antennen oder Sensoren direkt auf komplexe 3D-geformte Maschinenteile und Gehäuseoberflächen von Geräten drucken, sodass ein Teil der bisher benötigten Leiterplattenelektronik entfallen kann. Dadurch können nicht nur Gewicht und Platz gespart werden, sondern es entstehen auch völlig neue Designmöglichkeiten.
Im Mai 2025 wurde das Startup schließlich offiziell gegründet, um die Technologie kommerziell nutzbar zu machen.
Herausforderungen und die aktuelle Phase
Obwohl die Technologie als Prototyp existiert, befindet sich SONOJET noch in der Entwicklungsphase. „Die größte Herausforderung besteht darin, das System so langzeitstabil und zuverlässig zu machen, dass es industriellen Produktionsanforderungen genügt“, sagt Stefanie. Gleichzeitig muss die Technologie möglichst günstig sein und sich außerdem gut skalieren lassen sein, um den Produktionsdurchsatz zu erhöhen.
„Auf der Seite der Marktentwicklung müssen wir vor allem eine erste konkrete Nischenanwendung finden, die besonders von unserem neuen Aerosoldruckverfahren profitiert bzw. die ohne uns überhaupt nicht umsetzbar wäre“, erklärt Stefanie. Das ist besonders herausfordernd, da der Markt für 3D-Elektronik noch relativ neu ist. Trotzdem bekommt das Unternehmen durch Messen und Veranstaltungen immer mehr positives Feedback, und die Nachfrage nach der Technologie wächst.
Marktpotenziale und Zielmärkte
SONOJETs Technologie hat enormes Potenzial für verschiedene Industrien wie Mobilfunkanwendungen, Consumer Electronics, Medizintechnik, Automobilindustrie und im Verteidigungsbereich. Doch Stefanie betont, dass es wichtig ist, sich auf eine konkrete Nische zu konzentrieren, um den Fokus zu behalten. „Es ist für ein kleines Startup schwierig, in so vielen verschiedenen Bereichen gleichzeitig präsent zu sein“, sagt Stefanie.
Dresden als Gründungsstandort
Der Standort Dresden hat für SONOJET eine besondere Bedeutung. „Wir sind alle eng mit Dresden verbunden, haben entweder hier an der Technischen Universität studiert oder sind durch das Leibniz-Institut hierher gekommen. Dresden hat eine starke Halbleiterindustrie und eine aktive Forschungslandschaft im Bereich der Materialwissenschaften, was uns enorm hilft“, erklärt Stefanie. Das lokale Netzwerk aus Industrieunternehmen, Forschungseinrichtungen und Startups bietet viele Kooperationsmöglichkeiten, die für die Weiterentwicklung von SONOJET von entscheidender Bedeutung sind.
ExciteLab und externe Unterstützung
Das Team hat sich auch beim ExciteLab Accelerator Programm beworben, um zusätzliche Unterstützung zu erhalten. „Es war ein Zufall, dass wir auf das Programm gestoßen sind, aber es hat sich als sehr gute Entscheidung herausgestellt. Wir bekommen jetzt wertvolle Impulse in den Bereichen Marketing, Business Development, Finanzierung und Sales – alles Bereiche, in denen wir als Wissenschaftler und Ingenieure oft nicht genug Erfahrung haben“, sagt Stefanie. Das Accelerator-Programm hat für SONOJET großen Mehrwert geschaffen, besonders im Hinblick auf das Ansprechen von Investoren und den geplanten Markteintritt.
Zukunftsperspektiven – Auf dem Weg zum MVP
In den kommenden Monaten liegt der Fokus von SONOJET auf der Weiterentwicklung des MVPs (Minimum Viable Product), um dieses mit verschiedenen Pilotanwendern intensiv unter Realbedingungen zu testen. Ab Mitte 2026 soll der SONOJET-Aerosoldrucker dann als Beta-Version kommerziell erhältlich sein und den Markt mit dieser innovativen Lösung für 3D-gedruckte Elektronik erobern.
