Die Arbeitswelt verändert sich rasant: Remote Working wird immer verbreiteter, und hybride Zusammenarbeit gewinnt zunehmend an Bedeutung. Das Leipziger Startup HYBEAM will genau hier ansetzen. Das Team um Lily Kruse, Annika Augner und Jonathan Müller entwickelt eine Lösung, die Menschen ermöglicht, gemeinsam zu arbeiten – egal, ob sie vor Ort oder remote dabei sind.
Vom Hörsaal in die Startup-Welt
Jonathan und Lily lernten sich bei einem Projekt an der Fachhochschule Erfurt kennen. Jonathan studierte angewandte Informatik im Bachelor und Master mit dem Schwerpunkt auf Virtual, Augmented und Mixed Reality. Lily studierte zu dem Zeitpunkt noch im Master Begabungsforschung & Kompetenzentwicklung mit dem Fokus auf Bildungstechnologien. Schnell entstand der Wunsch, etwas Eigenes auf die Beine zu stellen. Lily und Annika kennen sich durch einen studentischen Verein und arbeiteten bereits dort zusammen in Projekten. Annika studierte Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Marketing und machte das Team perfekt.
„Uns verbindet der Wunsch, Nähe und Kreativität auch über Distanzen hinweg zu ermöglichen“, erklärt Lily.
Der entscheidende Impuls kam auf einer Konferenz in St. Gallen zum Thema Bildungsräume: Hybride Trainings wirkten dort kompliziert und unzugänglich. Das wollte HYBEAM anders machen.
Die Lösung des Teams: Remote-Teilnehmende werden als Avatare in den realen Raum integriert - mit Mimik, Gestik und Audio. HYBEAM setzt dabei auf Mixed Reality. Wer ein Headset trägt, sieht nicht nur eine virtuelle Umgebung, sondern den realen Raum, ergänzt um digitale Elemente wie Whiteboards, Moderationskarten oder 3D-Modelle. Diese Objekte lassen sich beschriften, räumlich verankern und später exportieren.
HYBEAM
Im Unterschied zu klassischen VR-Erlebnissen steht bei HYBEAM das gemeinsame, hybride Erleben im Vordergrund. Die Technologie soll sich niedrigschwellig in Workshops und Trainings integrieren lassen, ohne dass alle Beteiligten VR-affin sein oder komplexe Systeme bedienen müssen. „HYBEAM ist keine Flucht in andere Welten, sondern ein Werkzeug, um Menschen über Distanzen hinweg auf natürliche Weise zusammenzubringen“, sagt das Team.
Aktuelle Phase: Lernen, testen, anpassen
Derzeit befindet sich HYBEAM in der Pilotphase mit ersten Testgruppen und Unternehmen. Die größte Herausforderung sei die technische Skalierung und ein intuitives Onboarding, so die Gründer:innen. „Wir lernen mit jedem Test weiter und wollen den Einstieg so einfach wie möglich gestalten.“
Aber nicht nur die Technik entscheidet über den Erfolg – es kommt darauf an, wie bereit die Menschen sind, neue Wege der Zusammenarbeit auszuprobieren.
„Einfach mal ausprobieren“ – so begegnet HYBEAM der Skepsis
Virtual Reality ist für viele noch Neuland, was zunächst Vorbehalte erzeugt. HYBEAM setzt deshalb auf direkte Erfahrung: „Man muss es selbst erleben, um den Mehrwert zu verstehen. Die Mischung aus Präsenz und Virtualität löst bei vielen ein Aha-Erlebnis aus, wenn sie zum ersten Mal mit einem Avatar an einem gemeinsamen Whiteboard schreiben oder über Distanzen hinweg in einem Raum eine Gruppendiskussion führen.“, erklärt Lily.
Was sie heute anders machen würden
Rückblickend hätte das Team vor allem früher auf Nutzer:innen-Feedback gesetzt und Prototypen schneller veröffentlicht. „So hätten wir einige technologische Umwege vermeiden können. Gleichzeitig war genau dieser Prozess entscheidend für das, was HYBEAM heute ist.“
Die nächsten Monate stehen im Zeichen des Wachstums: HYBEAM baut Partnernetzwerke aus, testet weiter und bereitet die Gründung einer GmbH vor. Ziel ist der Übergang vom Prototypen zur marktfähigen Lösung.
Leipzig als Homebase für hybride Innovation
HYBEAM hat sich bewusst für Leipzig als Gründungsort entschieden – und das aus gutem Grund. „Die Stadt vereint Hochschulen, Startups, Innovationszentren und engagierte Netzwerke auf engem Raum“, erklärt Lily. Kurze Wege, offene Köpfe und eine experimentierfreudige Atmosphäre machen Leipzig für das Team zum idealen Gründungsort. Hier können Ideen schnell getestet, Partner gefunden und Kooperationen lebendig gelebt werden.
