Das Technologie-Startup NorcSi aus Halle an der Saale hat erfolgreich eine Finanzierungsrunde über 10,7 Millionen Euro abgeschlossen. Dabei wurde NorcSi von Pava Partners beraten. Der Betrag wurde von den bisherigen Investoren Millennium Venture Capital AG und dem von der bmp Ventures AG verwalteten IBG-Risikokapitalfonds IV bereitgestellt. Darüber hinaus beteiligte sich mit der European Battery Research Institute GmbH ein neuer Investor. Diese Mittel werden für den Aufbau einer Produktionslinie zur Serienfertigung von Silizium-Anoden verwendet, die in Hochleistungsbatterien, insbesondere in E-Fahrzeugen, zum Einsatz kommen sollen. Der Schritt von der Vorserienfertigung hin zur industriellen Produktion markiert einen bedeutenden Fortschritt in der Batterietechnologie.
Silizium als Gamechanger für Batterien
Silizium-basierte Anoden könnten die Batteriewelt revolutionieren. NorcSi nutzt Silizium als Anodenmaterial, das im Vergleich zu traditionellen Graphit-Anoden eine deutlich höhere Energiedichte bietet.
Nilz. Böhme
Herstellung von Pouchzellen am Standort Halle (Saale)
Die Fähigkeit von Silizium, bis zu zehnmal mehr Lithium-Ionen zu speichern als Graphit, ermöglicht nicht nur eine größere Reichweite und kürzere Ladezeiten für Elektrofahrzeuge, sondern auch eine kostengünstigere Produktion. Diese Vorteile machen Silizium zu einem gefragten Material, das sowohl von Start-ups als auch etablierten Unternehmen weltweit erforscht wird.
Die Technologie von NorcSi schafft es, die Volumenänderung von Silizium beim Laden und Entladen zu stabilisieren. Das ist ein wesentlicher Faktor, um Silizium als zuverlässiges Anodenmaterial für die Massenproduktion nutzbar zu machen. NorcSi hat eine patentierte Technologie entwickelt, bei der Kupferfolien mit Silizium beschichtet und in einem kontinuierlichen Prozess stabilisiert werden. Dies ermöglicht es, Silizium-Anoden erstmals im industriellen Maßstab zu produzieren.
Die Vorteile der Silizium-Anoden für Elektrofahrzeuge
Die Anwendung von Silizium in Batterien könnte die Reichweite von E-Fahrzeugen erheblich steigern. Ein mittelgroßes E-Auto mit einer Silizium-basierten Batterie könnte mit einer Kapazität von 145 kWh eine Reichweite von über 1.000 km erreichen, statt der üblichen 560 km mit herkömmlichen Batterien. Zudem lässt sich die Batterie in nur 6 Minuten von 20 % auf 80 % aufladen – eine enorme Verbesserung gegenüber aktuellen Ladezeiten.
Neben den technischen Vorteilen bietet Silizium auch ökologische und wirtschaftliche Vorteile. Da es in größeren Mengen und global verfügbar ist, müssen weniger Ressourcen aufgebracht werden, um die gleiche Batteriekapazität zu erzielen. Die Nutzung von Silizium trägt so nicht nur zur Energieeffizienz bei, sondern reduziert auch den Materialbedarf, was zu einer Reduzierung der Produktionskosten führt.
Skalierung der Produktion: Der nächste Schritt für NorcSi
Mit den neuen Investitionen wird NorcSi seine Produktionskapazitäten deutlich ausweiten. Eine Produktionsanlage mit 400 mm Rollbreite wird derzeit im Innovation Hub am Weinberg Campus in Halle aufgebaut und soll bis Frühjahr 2026 betriebsbereit sein. Diese Anlage wird für erste Feldtests in Pkw-Batterien verwendet und liefert Anoden für Hochleistungsanwendungen. Der Ausbau dieser Produktionslinie ist ein entscheidender Schritt, um die Technologie von NorcSi für den breiten Markt zugänglich zu machen und zu einem globalen Marktführer in der Batterietechnologie zu werden.
Mit diesem Schritt ist NorcSi auf dem guten Weg, die nächste Generation von leistungsstarken und ressourcenschonenden Batterien made in Germany zu ermöglichen und damit die Entwicklung der Wärmewende und der Elektromobilität voranzutreiben.
