Ein Blick auf die Gründerszene – Die Startup SAFARI Leipzig 2020

Die erste digitale Startup SAFARI Deutschlands hat in Leipzig stattgefunden. Das Orga-Team aus dem Basislager Coworking Leipzig hatte dabei Unterstützung von der Innovations- und Digitalagentur des MDR und ZDF. (Quelle: Basislager Coworking Leipzig, Foto: Sophie Nehls)

3.000 Views, 350 Tickets, 50 Startups und Jungunternehmen und ein gut strukturiertes Orga-Team. Das sind die Zahlen, die wir von der Startup SAFARI Leipzig 2020 mitnehmen. Das Event fand aufgrund der Kontakteinschränkungen digital statt und stieß auf positive Resonanz. Wir haben die wichtigsten Inhalte für euch zusammengefasst.

Während der diesjährigen Startup SAFARI in Leipzig gaben zahlreiche GründerInnen, ExpertInnen und weitere AkteurInnen der Szene wertvolle Tipps für alle, die es in Erwägung ziehen, ein eigenes Startup auf die Beine zu stellen. Von rechtlichen Fragen wie der Wahl der richtigen Rechtsform, Arbeitsrecht, dem Ideenschutz und der Mitarbeiterbeteiligung gab es Tipps & Tricks von erfahrenen GründerInnen zu den Themen Ideenfindung, Wachstum und der Risikokapitalbeschaffung. Außerdem trafen auf der Startup Jobfair erfahrungshungrige Jobsuchende auf Startups mit offenen Jobangeboten.

Die erste digitale Startup SAFARI Deutschlands

„Die Startup SAFARI war schon immer ein außergewöhnliches Event. Aber dieses Jahr ist sie besonders außergewöhnlich.“

Das sind die Worte, mit denen Marco Weichholdt (Leiter des Basislager Coworking Leipzig) die erste digitale Startup SAFARI Deutschlands aus dem Werk2 in Leipzig einleitete. Statt wie gewöhnlich vor einem Publikum aus Fleisch und Blut  stand er in diesem Jahr einem Kamera Set und einem kleinen Team gegenüber, das seine Begrüßung zum Veranstaltungsauftakt live streamte.

Via Livestream konnten TeilnehmerInnen in Echtzeit die Panels und Keynotes die im Werk2 gehalten wurden verfolgen. (Quelle: Basislager Coworking Leipzig)

Mit der Unterstützung von IDA (einer jungen Firma des ZDF und MDR) und dem Willen der SpeakerInnen ein digitales Format zu entwickeln, entschied sich das Orga-Team vor einigen Wochen dafür, die Startup SAFARI Leipzig 2020 digital stattfinden zu lassen. So verfolgten am 28. und 29. Mai mehr als 3.000 Menschen aus ganz Europa den Livestream. 350 von ihnen nahmen an Webinaren und der Startup Jobfair teil und ließen sich zwei Tage lang von ExpertInnen, GründerInnen und AkteurInnen aus dem Leipziger Startup-Ökosystem mit hinter die Kulissen nehmen. Marco Weicholdt ist sehr zufrieden mit dem Ergebnis der ersten digitalen Startup Safari Deutschlands: 

„Wir sind sehr glücklich, dass uns so viele Partnerinnen und Partner und Stationen dabei unterstützt haben, die Startup SAFARI innerhalb von wenigen Wochen komplett auf digital umzustellen. Die starke Reichweite der Online-Veranstaltung und Sichtbarkeit für die Leipziger Startups hätten wir mit einer physischen Veranstaltung nie erreicht!“

Live-Stream, Webinare & 1on1 Meetings in einer App

Eine digitale Veranstaltung hat immer Vor- und Nachteile. Soziale Interaktion ist ein entscheidender Faktor beim Netzwerken aber auch beim Austausch und wenn es darum geht, etwas zu lernen. Natürlich gibt es stets auch einige technische Herausforderungen zu bewältigen, etwa wenn die Speaker aus einer anderen Stadt zugeschaltet werden. Damit jedoch das Feeling der Startup SAFARI und vor allem der Netzwerkeffekt auch digital so authentisch wie möglich vermittelt werden konnte, nutzten die OrganisatorInnen eine App.

Mit der Hilfe von talque schufen sie einen virtuellen Raum, in dem neben der Übertragung des Livestream auch Webinare, 1on1 Meetings und Chats an einem Ort stattfinden konnten. Alle TeilnehmerInnen konnten so direkt in Kontakt miteinander treten, mit Fragen über den Livestream direkt miteinander interagieren und sich natürlich miteinander vernetzen.

Von Sprunginnovationen und Leipzig als Gründungsstandort

Einer der ersten Speaker war in diesem Jahr Rafael Laguna de la Vera. Der gebürtige Leipziger ist Direktor der Agentur für Sprunginnovationen. Er ist von der Bundesregierung damit beauftragt, außergewöhnliche Ideen mit dem Potenzial für Sprunginnovationen aufzuspüren und zu entwickeln. Innovationen seien vor allem dazu da, das Leben der Menschen positiv und nachhaltig zu verbessern, erklärte de la Vera in seiner Keynote.

Rafael Laguna de la Vera gibt InnovateurInnen in Deutschland eine Stimme. Quelle: BMBF/Hans-Joachim Rickel

Bis zu 8 Billionen Euro stecke Deutschland pro Jahr in die Forschung, hier sei der Bund im Vergleich zu anderen Nationen Vorreiter. Dennoch liege die letzte echte Sprunginnovation ca. 120 Jahre zurück: das Auto. Doch eine solche Erfindung sei heute fast nicht mehr denkbar. Die Welt habe sich verändert und wenn es um Innovationen gehe, solle man nicht ausschließlich an Technologien denken, warnt de la Vera. Was wir dringend bräuchten, seien laut ihm auch soziale Innovationen:

„Humanistische Prinzipien sind die Basis, auf denen dieses Land aufgebaut ist. Die Technologien, die wir hier entwickeln, sind das leider nicht immer. Uns gehen langsam aber sicher die Ressourcen aus, wir töten diesen Planeten. Wir haben hier in Deutschland aber gleichzeitig riesiges Potenzial, Neues zu schaffen. Wir müssen das nur nachhaltig gestalten.“

Nichtsdestotrotz spielten technologiebasierte Innovationen natürlich auch hierbei eine entscheidende Rolle, vor allem wenn sie dazu beiträgen, veraltete Prozesse und Systeme disruptiv und nachhaltig zu verändern.

Doch wie sieht es mit der Gründerlandschaft aus?

In einer Paneldiskussion im Anschluss mit VertreterInnen der Stadt Leipzig sprach Marco Weichholdt mit den TeilnehmerInnen über den Status der Stadt als Gründungsstandort. Wer den Livestream verfolgte, hatte die Möglichkeit in Echtzeit Fragen an wichtige EntscheidungsträgerInnen der Stadt zu stellen. Sören Schuster, (CEO TGFS), Clemens Schülke (Leiter Amt für Wirtschaftsförderung der Stadt Leipzig) und Kerstin Wilde (IAMO Research Associate) berichteten von ihrer Wahrnehmung der Stadt als Zuhause vieler innovativer Startups.

So beschrieb Clemens Schülke die Stadt nach einem Jahr im Amt als dynamisch und lebhaft mit großem Wachstumspotenzial. Im letzten Jahr verlegten gleich zwei Großkonzerne ihre Standorte nach Leipzig. Auf ein Werk des DAX Unternehmens Beiersdorf folgte Ende letzten Jahres der führende Online-Marktplatz für Bürobedarf MERCATEO, der sogar seinen Hauptsitz nach Leipzig verlegte. Langfristig sollen so tausende neue Arbeitsplätze in der Stadt entstehen. Doch wie steht es nun um die Situation für GründerInnen in der Stadt?

Hier hat Kerstin Wilde durchaus noch Verbesserungsvorschläge. Die bürokratischen Hürden für eine Gründung seien ihrer Meinung nach noch immer zu hoch und noch immer würden grundsätzlich zu wenige Menschen gründen. Vor allem bei Frauen im MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) sei das besonders deutlich zu spüren.

Während Sören Schuster auf die anknüpfende Frage aus dem Live-Chat, wie man mehr Frauen zum Gründen bewegen könne, eine eher dürftig informierte Antwort in Richtung „schon früh mit Autos spielen und sich für Mathe interessieren“ von sich gab, sieht Kerstin Wilde das Problem eher in der größtenteils männlich dominierten Kultur von MINT-Studiengängen. So würden viele junge Frauen anfangen, MINT-Studiengänge zu belegen, doch nur wenige würden es dort lange aushalten. 

Was Gründerinnen und Führungskräfte zu dem Thema denken, wurde in einer anderen Paneldiskussion besprochen, aber dazu später mehr.

Pitches

Natürlich durfte auch in der digitalen Version der Startup SAFARI Leipzig die berühmten Pitch-Sessions nicht fehlen. Schließlich gehört der Pitch zur festen Größe des Startup-Alltags. Ein guter Pitch und ein aussagekräftiges Pitch-Deck öffnen Startups die Türen zu InvestorInnen und PartnerInnen und erzeugen Sichtbarkeit bei der Zielgruppe. Marco Schnell (DaVinci Kitchen), Claudio Schaller (WechselGott) und Stefan Moeller (nextmove) konnten schon viel Erfahrung sammeln, wenn es um’s Pitchen geht und präsentierten ihre Geschäftsmodelle im Livestream.

Über Davinci Kitchen

DaVinci Kitchen ist ein Robotik-Startup aus Leipzig, das die Gastronomie revolutionieren will. Das Team arbeitet an einer Roboterküche, die gesunde Gerichte wie ein Sternekoch zubereiten kann. Die Mahlzeiten sind frisch, personalisierbar und innerhalb von wenigen Minuten zubereitet.

Das Team von DaVinci Kitchen entwickelt einen innovativen Roboter-Koch, der die Probleme der Gastro-Branche lösen soll. (Quelle: DaVinci Kitchen GmbH)

Über WechselGott

WechselGott kümmert sich vollautomatisiert um die Verträge seiner NutzerInnen. Durch kontinuierliche Vertragsoptimierung sparen diese somit Geld, Zeit und Arbeit. In wenigen Minuten werden Verträge analysiert und den NutzerInnen Vorschläge unterbreitet. Diese behalten die volle Entscheidungskontrolle um beispielsweise die günstigste Versicherung oder einen besonders nachhaltigen Stromvertrag zu nutzen.

Das junge Team hinter WechselGott konnte zuletzt verschiedene InvestorInnen überzeugen und ein Seed-Investment in Höhe von einer Million Euro einsammeln. (Quelle: WechselGott GmbH)

Über nextmove

Das Startup nextmove ermöglicht und erleichtert Privatpersonen und Unternehmen den Umstieg auf nachhaltige Mobilität. Im herstellerunabhängigen Fuhrpark mit mehr als 380 Elektroautos können die besten E-Autos unserer Zeit getestet oder gemietet werden. Ein E-Auto-Abo vervollständigt das Angebot. Bei nextmove können sich KundInnen über Elektroautos informieren, diese ausgiebig testen und so eine fundierte Kaufentscheidung treffen.

Wer sich ein Elektroauto zulegen will, kann bei nextmove die neusten Modelle testen und leihen. (Quelle: CYX mobile KG)

Wärend des Startup Boogie – Student Pitches bekamen außerdem Studierende der Macromedia Hochschule die Chance, nachhaltige Businessmodelle, die sie in interdisziplinären Teams entwickelt hatten, zu pitchen. 

Jobfair & Abendveranstaltungen

Ein weiteres Highlight ist jedes Jahr die SpinLab Startup Jobfair. Hier können Jobsuchende auf Startups treffen, die auf der Suche nach motivierten und ideenreichen Teammitgliedern sind. 90 TeilnehmerInnen und über 40 Einzelgespräche haben im Rahmen der Jobfair stattgefunden. 

Marina Chkolnikov kümmert sich im SpinLab um HR & Event Management und ist Organisatorin der jährlichen Startup Jobfair. (Quelle: SpinLab Accelerator GmbH, Foto: Shawn Segundo)

„Einige Startups haben uns schon berichtet, dass sie bereits Nachfolge-Gespräche mit den Leuten, die sie auf der Startup Jobfair kennen gelernt haben, ausgemacht haben. Wir hoffen, dass auch ein paar Anstellungen dabei herauskommen!“, berichtet uns Marina Chkolnikov, Organisatorin der Startup Jobfair.

Neben den Panels, Webinaren und dem Livestream fanden am Abend außerdem Veranstaltungen wie die FuckUp Nights: Student Edition und der Founders Fight Club statt. 

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