Startup eCovery: Symbiose aus innovativer Sensorik, einer digitalen Anwendung und fundiertem medizinischen Fachwissen

eCovery Foto: Eric Kemmlitz (v.l. Marcus, Alex, Benedict, Hannah)

eCovery macht Patienten gesünder durch smarte Reha. Das Startup ist aktuell Teil der siebten Klasse des SpinLab HHL Accelerator Programms.
Im Interview erzhählt Benedict Rehbein, Mitgründer, wer hinter dem Startup steckt, wie das Produkt funktioniert und welche Probleme damit gelöst werden.

eCovery in 5 Sätzen?

eCovery ist die Symbiose aus innovativer Sensorik, einer digitalen Anwendung und fundiertem medizinischen Fachwissen. Wir motivieren Patienten, optimieren die bestehende Rehabilitation und verbessern den Austausch mit Arzt und Physiotherapeut – für eine schnellere und bessere Genesung. Das „eCovery-Kit“ setzt sich zusammen aus einer Basis-App mit spezifischem Reha-Modul und zwei Bewegungssensoren für das zu behandelnde Gelenk. Die darüber gewonnenen Live-Daten ermöglichen es, die korrekte Ausführung aller Übungen zu assistieren und dem Patienten damit Sicherheit bei den eigenständigen Reha-Einheiten zuhause zu geben. Die automatische Dokumentation des Übungsverlaufes unterstützt die spätere Auswertung beim Arzt/Therapeuten. eCovery bietet hierfür die Kommunikationsplattform und ermöglicht den schnellen und einfachen Austausch zwischen allen Beteiligten.

Wann habt ihr mit eCovery gestartet?

Das Projekt hat – Achtung Wortspiel – eine bewegte Vergangenheit. Schon immer hatte Alexander (Georgi) als Unfallchirug den Patienten und dessen Gesundung im Blick und immer wieder stellte er fest, dass Patienten nach der Entlassung aus dem Krankenhaus in ein Loch fallen, weil die Rehabilitation durch (zu) viele Hände geht und Lücken entstehen.  Aus seinen Überlegungen und einer Feldstudie des Universitätsklinikums Leipzig heraus ist dann eCovery entstanden. Richtig Fahrt aufgenommen hat das Projekt mit der Auszeichnung als „Beste Idee“ bei der Leipziger Gründernacht Ende 2017. Und heute, ein Jahr später, sitzen wir mit unserem Team mitten unter anderen ambitionierten StartUps im SpinLab Leipzig.

Wer steckt hinter eCovery?

Wir sind ein sehr interdisziplinäres Team: Sensor-Experten, Ärzte, Therapeuten, Marketer, Juristen – bei uns sind sehr viele Fachrichtungen vertreten, weil die Digitalisierung in der Therapie viele Fragestellungen beantworten muss. Derzeit besteht unser Kernteam aus Alexander Georgi, Marcus Rehwald, Anja Bellmund, Hannah Wahlers und mir, unterstützt durch mehrere Beiräte und Experten in Spezialgebieten wie zum Beispiel Sensorik und Medizintechnik.

Wie habt ihr die Probleme in  der Rehabilitation: Therapie,-Interaktions- und Informationsdefizite erkannt und identifiziert ? 

Etwa 1,2 Mio. OPs infolge muskuloskelettaler Erkrankungen oder Verletzungen werden in Deutschland jährlich teils mit modernster Navigationstechnik durchgeführt. Im Gegensatz dazu haben sich die Rehabilitationsprozesse in den letzten Jahrzehnten aber nicht wesentlich weiterentwickelt. Es fehlt in den meisten Fällen an einer überwachten, individualisierten und angemessen umfangreichen Rehabilitation und einer Eigenmotivation der Patienten, Übungen selbstständig durchzuführen (Therapiedefizit). Auch an der Kommunikation zwischen Ärzten, Physiotherapeuten und Patienten hapert es, auch in Bezug auf den Nachbehandlungsablauf (Interaktionsdefizit) und schließlich haben wir einen Mangel an informierten Patienten, die über medizinisch fundiertes Wissen zu ihrer Verletzung bzw. Erkrankung verfügen (Informationsdefizit). Diese drei Probleme möchten wir zeitnah lösen.

Wo liegt der USP eurer Idee/ eures Produktes? 

Mit eCovery legen wir die digitalisierte, personalisierte und krankheitsspezifische Rehabilitation endlich direkt in die Hände des Patienten und bringen den Physiotherapeuten zu ihm nach Hause. Wir filtern (nur) das richtige, medizinisch belegte Wissen und die passenden, empfohlenen Übungen für genau die Therapie, die dem Patienten weiterhilft. Und wir schaffen eine Plattform zum Austausch zwischen Arzt, Patient und Therapeut.

Die eCovery Sensoren im Leipziger SpinLab – gesteuert über ein Tablet. Fotograf: eCovery
Welche Unterstützer, Investoren und Förderer arbeiten mit euch zusammen?

Seit dem Start des Projektes hat die SelbstManagement Initiative Leipzig (SMILE) uns mit Rat und Tat zur Seite gestanden, auch die Universität Leipzig mit ihrem Klinikum ist ein Unterstützer der ersten Stunde. Im Sommer haben wir uns dann unter rund 200 internationalen Bewerbern im Rennen um einen Platz im SpinLab der HHL Leipzig durchgesetzt und sind für die 7. Klasse dort ausgewählt worden. Unter anderem deshalb arbeitet nun auch die AOK Plus eng mit uns an dem Ziel, Gesundheitslösungen für die Zukunft zu entwickeln. Das ist eine großartige Zusammenarbeit, die uns sehr weiterhilft – genau wie der Austausch mit den Mentoren und den anderen Gründern im SpinLab jeden Tag.

Wie sehen eure „Next Steps“ aus?

Derzeit arbeiten wir an unserem Prototyp für die erste größere Feldstudie. Wir wollen schnellstmöglich das beweisen, was der gesunde Menschenverstand schon vorhersagt: Patienten, die intensiver und konstanter trainieren, werden schneller und besser gesund.

Das größte Learning bis jetzt?

Manche Dinge brauchen einfach ihre Zeit. Dann aber werden sie zum Glück auch richtig gut.

Das Interview wurde geführt mit Benedict, Co-Founder von eCovery und Kommunikationsexperte geführt. Als gebürtiger Stuttgarter, ist Benedict nach dem Abitur nach Leipzig gezogen und ist bis heute überzeugt von der Energie der Stadt. Neben eCovery ist er als ehemaliger Kandidat für den Posten des Oberbürgermeisters und als Geschäftsführer von Leipzigs größter Kommunikationsagentur (pioneer communications GmbH) bekannt.