SpinLab all inclusive: Ein Erfahrungsbericht des Accelerators

SpinLab - Klasse 4: Mit Wundercurves, Texlock, DIPAT, Sengi, Pocqit, Explicates

Die zwei Startups Wundercurves und Texlock GmbH berichten aus ihrer Stipendiatenzeit am SpinLab – The HHL Accelerator, in Leipzig:

Startup liebt Starthilfe: Von der Auswahl eines Accelerators aus Sicht der Gründer*innen

Wundercurves

2016 setzt sich eine Gruppe aus neun Modebegeisterten, IT-Cracks, Marketing-Seniors und Contentfachleuten aus den verschiedensten Teilen Deutschlands zusammen und ruft das Projekt Wundercurves ins Leben. „Wir waren schon vor Wundercurves befreundet, arbeiteten hauptberuflich für andere Unternehmen und begannen in unserer Freizeit, die ersten Grundlagen für unsere Shopping-Plattform zu legen.“, so Mitgründerin Christiane Seitz. Das Nutzerfeedback und auch die ersten Zahlen zeigen klar, dass die Gruppe den richtigen Riecher für E-Commerce hat – und ermuntert das Team, mehr Zeit und Ressourcen zu investieren.

Die ersten Vollzeitjobs werden gekündigt, dann erfolgt die Aufnahme in das Accelerator-Programm „VentureVilla“ in Hannover. „VentureVilla hat einen Pre-Seed Fokus mit vielen Hilfestellungen für z.B. Branding und Teamorganisation.“, so Stephan Schleuss, der gemeinsam mit seinem Team so schnell das Konzept eines Accelerators zu schätzen lernt. „Als wir vom SpinLab hörten, lag es für uns nahe, uns erneut bei einem Accelerator zu bewerben, passend zu uns mit Seed-Fokus für Weiterentwicklung bestehender Startups. Dadurch konnten wir unser Netzwerk zu den verschiedensten Mentoren weiter aufbauen und unseren engen Kontakt mit der HHL Leipzig Graduate School of Management weiter pflegen.“ Wichtig für die Entscheidung war auch, dass keine Anteile an das SpinLab abgegeben werden müssen. Einzig die Unterstützung der Idee steht im Mittelpunkt.

Texlock

Die Gründerinnen von Texlock, Suse Brand und Alexandra Baum,kennen sich bereits aus der Zusammenarbeit als Designerinnen und Produktentwicklerinnen für technische Textilien, und beide wohnen in Leipzig. Die Idee zu ihrem innovativen Fahrradschloss „tex–lock“ aus Hightech-Materialien kommt Alexandra unterwegs, im Alltag des Fahrradfahrens. Sie weiht Suse ein und es folgt eine Machbarkeitsstudie an der Hochschule Hof. Es folgt ein Businessplan für das Fahrradschloss der Zukunft und irgendwann wird die technische und wirtschaftliche Weiterentwicklung der Geschäftsidee neben den Industrieprojekten natürlich unrealistisch. Daher beantragen Suse und Alexandra an der Hochschule Hof ein Exist-Stipendium, welches 12 Monate bis Juni 2016 läuft. Zwischenzeitlich hört Suse im Leipziger Freundeskreis vom SpinLab, dem Accelerator der HHL, und es wird  beschlossen, sich dort zu bewerben.

Go for Stipendium: Der Bewerbungs- & Aufnahmeprozess beim SpinLab

Wundercurves

Das Wundercurves-Team bewirbt sich über die Webseite direkt beim SpinLab. Schon kurz darauf kommt die Rückmeldung, unter die TOP 12 gekommen zu sein und nochmal pitchen zu dürfen. Von den 12 nominierten Start-ups werden insgesamt nur sechs ausgewählt. Das macht Druck. Dem Team steht es frei, ob es vor Ort oder via Skype pitchen möchte. „Da zu diesem Zeitpunkt keiner von uns in Leipzig war, haben wir uns für Skype entschieden. Das war wirklich eine interessante Erfahrung, da wir die Zuschauer nicht gesehen und quasi „blind“ gepitcht haben. Aber es hat sich gelohnt – wir wurden in die Top 6 aufgenommen und haben uns wahnsinnig über den Einzug in das SpinLab gefreut.“

Texlock

Im Juli 2016 gründen Suse Brand und Alexandra Baum zusammen mit einem Unternehmensberater und einer Finanz- und Vertriebsexpertin die Texlock GmbH. Fast gleichzeitig erfahren sie von der Auswahl in die Finalrunde beim Spinlab. Den Pitch haben die Gründerinnen live und per Skype gemacht – gemischtes Doppel sozusagen. Kurz nach dem Pitch war klar, dass sie in die neue Klasse aufgenommen werden. „Ein wichtiger Schritt. Parallel dazu gewannen wir ein Technologiegründerstipendium des Freistaates Sachsen und waren bei Start der Spinlab-Klasse im Oktober 2016 bereits Stipendiaten.“ So können sie sich mit aller Kraft in die Arbeit stürzen bzw. mit der Suche nach Investoren loslegen.

Geschäft auf Hochtouren: Mitten im Programm und mitten im SpinLab

Wundercurves

Direkt zu Beginn der sechs Monate im SpinLab schließt das Portal „für die kurvige Frau von heute“ bereits die erste Finanzierungsrunde, die während der Zeit im Förderprogramm VentureVilla angeleitet wurde. Mit Coen Duetz, Geschäftsführer GANT Deutschland, kann ein namhafter Investor aus dem Modebereich gewonnen werden. „Das SpinLab Team hat uns von Tag eins an Tipps gegeben, z. B. wie wir einen Beteiligungsvertrag aufbauen.“, sagt Stephan.

Wundercurves Team 2018. Foto: Osthof-Studio/Nick Putzmann

In der gemischten Klasse trifft das Wundercurves-Team auf ganz andere Branchen, wie SengiIT aus dem IT-Kosmos oder DIPAT als Vertreter von Unternehmen mit Gesundheits-Fokus. Die gemeinsame Bürofläche in einer Halle der ehemaligen Baumwollspinnerei des Leipziger Stadtviertels Plagwitz wirkt genauso wie gemeinsame Essenspausen und stressabbauendes Kicker- oder Tischtennis-Spielen: Die Atmosphäre wird schnell aufgelockert und es entsteht eine enge Verbindung zwischen den teilnehmenden Start-ups. Außerdem bekommt jedes Team einen persönlichen Coach aus den Reihen des SpinLab-Kernteams. In wöchentlichen Meetings stehen sie bei jedem Problem mit Rat und Tat zur Seite und helfen zudem auch mit spannenden Intros zu weiteren Mentoren.

„Noch ein Pluspunkt war, dass wir als Team während der Zeit sehr schnell wachsen konnten. Nach zwei Wochen hatten wir bereits die ersten Praktikanten zur Verstärkung bei uns sitzen, sodass wir schnell zum größten Team im Accelerator aufstiegen.“ Mit so viel Manpower und Unterstützung schafft es Wundercurves, monatlich 25-30% zu wachsen. „Darauf sind wir sehr stolz.“ Wertvoll sind dafür auch die Pitchtrainings und Workshops. Aber wo das Team in einem Bereich schon gut aufgestellt ist, ist der entsprechende Workshop nicht notwendig. Mit beispielswiese dem ehemaligen Marketingleiter von notebooksbilliger.de Ulrich Kaleta im Team sind die Grundlagen des Marketings bei Wundercurves gelegt. „Deswegen entschieden wir erst von Termin zu Termin, welcher Workshop gewinnbringend sein könnte und welches Team-Mitglied teilnehmen soll.“

Texlock

Lob von den Macherinnen: „Die Begleitung durch die Mitarbeiter, Coaches und Mentoren des SpinLab empfanden wir als super professionell.“ Es werden sehr viele unterschiedliche Angebote für die vielfältigen Kompetenzen eines Gründungsteams gemacht, man kann jederzeit Hilfe und Rat finden. Die Stadt Leipzig macht ein zusätzliches „Begrüßungsgeld“ für die Teams locker – ein klares Statement in Richtung Unternehmer- und Start-up-Freundlichkeit! Kernpunkt der Accelerator-Zeit im SpinLab war für Texlock das Finden eines Investments über 500T €. Texlock entschied sich für eine stille Beteiligung (Nachrangdarlehen), das im März 2017 starten konnte. Ein elementarer Pluspunkt in den Verhandlungen mit dem Geldgeber besteht darin, sich parallel mit den anderen Teams im SpinLab und mit den Alumni im Spinoffice auszutauschen. „Durch deren Erfahrungswerte kamen wir in eine sehr gute Verhandlungsposition dem Geldgeber gegenüber“, weist Suse mit Nachdruck hin.

Während der Zeit im Accelerator wurde das Produkt „tex–lock“ mittels einer Kickstarter Kampagne gelauncht, um die nötigen Gelder für die Vorfinanzierung der Produktion zu erhalten. Nach zwei Monaten intensiver Vorbereitung ging das Projekt im Februar 2017 live. Innerhalb von 48 Stunden war das Finanzierungsziel von 50.000 € erreicht. Schlussendlich sammelt Texlock über die Kampagne knapp 280.000 € ein, über weitere Vorbestellungen gehen knapp 700.000€ ein. „Dieser Erfolg wurde auch möglich, weil wir vom breiten Netzwerk des SpinLabs und vielen Ratgebern und Unterstützern sehr gut vorbereitet wurden.“

Demo Day: Der große Abschluss des Accelerator-Programms

Wundercurves

Nach dem fünften Monat im SpinLab kommt endlich der heiß ersehnte Demo Day! Durch wöchentliche Trainings sind die beiden Wundercurves-Pitchenden optimal auf den Showlauf vor vielen weiteren Investoren vorbereitet. „Jeder auf der Veranstaltung wusste, was auf ihn zukommt. Durch eine unkomplizierte Atmosphäre kamen auch schnell Gespräche zustande.“ Wundercurves stößt auf großes Interesse von Investoren und kann sein Netzwerk erweitern. Da das Startup bereits eine abgeschlossene Seed-Runde hat, verweist es bis Ende des laufenden Jahres auf die 2. Finanzierungsrunde. „Mit mehreren Kontakten vom DemoDay steht Wundercurves jetzt im engen Austausch für unsere aktuelle zweite Finanzierungsrunde“, so Geschäftsführer Stephan Schleuss.

Texlock

Der Demo Daywird über Monate sehr gut vorbereitet, obwohl der finanzielle Druck sich durch die erfolgreiche Kampagne entspannt hat. Das Pitchtraining hilft allen im Team, im richtigen Moment die zielführenden Botschaften rüberzubringen. „Wir haben viele interessante Menschen getroffen, mit zwei von ihnen haben wir auch im Nachhinein intensiver ein Investment beleuchtet.“

Losfliegen und (k)ein Abschied: Was kommt nach dem Accelerator?

Wundercurves

Der Fokus liegt bei Wundercurves mit einer der weltweit größten Auswahl an Mode in großen Konfektionsgrößen ganz klar auf stetigem Wachstum: Auch jetzt kann das Team die monatliche Wachstumsrate von 25% beibehalten. Für Wundercurves ist es wichtig, in Leipzig bleiben zu können und das entstandene familiäre Netzwerk weiter zu nutzen. Das SpinLab bietet die Möglichkeit, sich im SpinOffice einen Büroplatz zu mieten.

Dazu Stephan: „Dieses Angebot haben wir dankend angenommen und befinden uns aktuell im Coworking Bereich mit anderen Startups, wobei die meisten Alumnis aus vorigen SpinLab-Klassen sind. Wir können hier unser Netzwerk weiter ausbauen und die angenehme Arbeitsatmosphäre beibehalten. Außerdem hilft uns das SpinLab stets weiter beim Suchen von Investoren und Intros. So können wir uns kontinuierlich weiterentwickeln. Aktuell wollen wir die Fühler stark im Bereich Machine Learning ausgestrecken, was in die Richtung des vom SpinLab angestrebten Tech Sektors geht.“ Zudem prüft Wundercurves, ob Leipzig der richtige Standort für das Unternehmen bleiben soll, weil durchaus auch andere Städte in Frage kommen. „Es gilt jedoch erstmal, die einzelnen Vor- und Nachteile miteinander zu vergleichen, wir treffen keine voreiligen Schlüsse.“

Texlock

Auch Texlock zieht ins SpinOffice ein: „Wir schätzen die gute Atmosphäre und den Support, der seitens der Mitarbeiter des SpinLab weiterhin besteht. […] Das All-inclusive Paket des SpinOffice ist wirklich eine tolle Lösung für die erste Zeit.“

*Anmerkung der Redaktion:

Inzwischen ist die Texlock GmbH umgezogen. Das Startup arbeitet nun in der ehemaligen Pianofabrik im Hupfeldcenter. Die Fabrik aus Gründerzeiten liegt Richtung Böhlitz-Ehrenberg; Tür an Tür arbeiten hier Künstler, Musiker und Leipziger Unternehmen.
Wundercurves konnte sich bisher nicht von der Leipziger Baumwollspinnerei trennen und arbeitet weiterhin im SpinOffice.