So will dieser Leipziger Sprunginnovationen in Deutschland voran bringen

Sprunginnovationen
Photo by Alex Radelich on Unsplash

Seit Dezember 2019 gibt es die Agentur für Sprunginnovationen. Ins Leben gerufen hat sie die Bundesregierung mit dem Ziel, Deutschland zum Innovationsvorreiter zu machen. Gründungsdirektor ist der Leipziger Rafael Laguna de la Vera. Wie er diese Aufgabe angehen will, und warum Sprunginnovationen für Deutschland so wichtig sind, hat er bei einem MeetUp im SpinLab-The HHL Accelerator GründerInnen und InnovationstreiberInnen erzählt.

Die Suche nach Innovationen, die die Welt verändern

Rafael Laguna de la Vera ist Mitgründer und Chef der Open-Xchange AG mit rund 270 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von 45 Millionen Euro. Jetzt widmet er sich der Aufgabe, Ideen mit dem Potenzial zu Sprunginnovation in Deutschland voran zu bringen. (Quelle: BMBF/Hans-Joachim Rickel)

Noch steckt die Agentur für Sprunginnovationen selbst in den Kinderschuhen. Eine Web-Präsenz lässt noch auf sich warten, und ein Team gibt es auch noch nicht so richtig. Aber das macht nichts, denn Rafael Laguna de la Vera ist Optimist. Und er hat einen Plan! Seit Dezember letzten Jahres ist er Gründungsdirektor der Agentur für Sprunginnovationen. Er ist von der Bundesregierung mit der Aufgabe betreut,  den Durchbruch hochinnovativer Ideen in den Markt zu unterstützen und zu beschleunigen. Dabei stehen die Identifikation und die Weiterentwicklung von Forschungsideen mit Potenzial zu Sprunginnovation im Vordergrund. Und natürlich das Ziel, bessere Bedingungen für InnovationsakteurInnen in Deutschland zu schaffen. In Zukunft untersucht die Agentur für Sprunginnovationen u.a. die Ergebnisse bestehender Forschungs- und Entwicklungsarbeiten mit Sprung-innovationspotenzial, um sie für den Transfer in den Markt vorzubereiten.

Die Agentur setzt dabei auf einen personenzentrierten Ansatz: Innovations-entrepreneurInnen sollen mit größtmöglichen Freiräumen bei der Steuerung die Vorhaben vorantreiben. Die Agentur will themenoffen und in einer Kultur geprägt von Risikobereitschaft, Flexibilität und Fehlertoleranz wirken. Die Themenfindung wird durch einen Bewertungsprozess in der Agentur stattfinden. Drei Pilotinitiativwettbewerbe hat das BMBF bereits gestartet: Die Wettbewerbe „Energieeffizientes KI-System“, „Organersatz aus dem Labor“ und „Weltspeicher“ sind jeweils mit einem üppigen Preisgeld ausgeschrieben.

„Sprunginnovations-Enabler“ statt „Company Builder der Bundesregierung“

Das Konzept klingt erstmal wie jedes andere Förderprogramm auch. Wo besteht jetzt der Unterschied? Zunächst einmal ist die Agentur für Sprunginnovationen eine GmbH, das heißt sie kann unabhängig von Auflagen und Regulierungen der Bundesregierung operieren, arbeitet aber gleichzeitig eng mit dieser zusammen. Mit den zur Verfügung gestellten Mitteln von 1 Milliarde Euro sollen in den kommenden 10 Jahren außerdem solche Ideen gefördert werden, die in normalen Förderprogrammen abgelehnt werden. Denn Sprunginnovationen sollten laut Laguna de la Vera immer auch „ein bisschen verrückt“ sein. Nur so könnten diese bestehende Strukturen sprengen und die Art wie wir leben dauerhaft verändern.

Im SpinLab-The HHL Accelerator sind vergangene Woche um die 70 Leute zusammen gekommen, um Rafael Laguna de la Vera und die Agentur für Sprunginnovationen kennen zu lernen und über die Bedeutung von Sprunginnovationen für Deutschland zu diskutieren. (Quelle: SpinLab, Shawn Segundo)

Immer wieder betonte er im Gespräch mit den Gästen der Veranstaltung, dass er selbst kein Politiker sei, sondern Unternehmer. Der gebürtige Leipziger gründete mit 16 sein erstes Unternehmen, das ist jetzt mehr als 30 Jahre her. Schon in einem Interview für die Bundesregierung erklärte er, wie wichtig seine Erfahrungen als Unternehmer für seine neue Aufgabe seien.

„Dadurch bekommt man ein Gespür, was funktionieren könnte und was nicht. Auch lernt man, sich durchzusetzen, mit Rückschlägen umzugehen, viele unterschiedliche Interessen zusammenzubringen. Man lernt, wie die Wirtschaft überhaupt funktioniert, wie man Unternehmen finanziert, und vor allem, alles was man nicht machen sollte – aus schmerzlicher Erfahrung.“ berichtet er dort.

Was sind Sprunginnovationen?

Eine Studie des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung definiert Sprunginnovationen als „Neuerungen, die in kurzer Zeit nach ihrer Erstellung signifikante Kosten- und Nutzenvorteile bieten und einen neuen dynamischen Markt schaffen bzw. sich schnell auf bestehenden Märkten etablieren“.

Als Beispiel nannte Laguna de la Vera vor allem die Erfindung des Autos. Was damals als unvorstellbar galt, ist heute zum Alltag geworden. Seitdem ist der technische Fortschritt rasant angestiegen. Heute werden Sprunginnovationen vor allem im Rahmen der Digitalisierung benötigt. Laguna de la Vera nannte hier Stichworte wie OpenSource und eine generelle transparente, digitale Infrastruktur. Dabei natürlich nicht auf der Strecke bleiben darf der Mehrwert für die Gesellschaft.

An Potenzial fehlt es der Agentur für Sprunginnovationen unserer Meinung nach nicht. Fraglich bleibt, wie offen Deutschlands Innovationsstrukturen für dieses Vorhaben sind. Denn wie einer der Gäste nicht ohne Grund anmerkte, scheitern Innovationen häufig am Mindset, und nicht an den nötigen Prozessen. Wir sind gespannt was in den nächsten Jahren zum Thema Sprunginnovationen auf uns zukommt.

1 Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*