Vom Uni-Projekt zum „Top Startup“: SMELA auf Erfolgskurs

Das Gründerteam von SMELA Dr.-Ing. Denis Draganov (CTO), Benjamin Horn (CEO) und Oleksandr Tyshakin (COO) auf dem Investforum Pitch Day 2020.

Bei SMELA ist der Name Programm. Denn SMELA – das steht für „smart electric actuators“, besonders kompakte, elektromechanische Aktuatoren. Das Unternehmen zählt mit dem 2. Platz zu den „TOP50 Start-ups“ Deutschlands. Für die drei Gründer aus Magdeburg ist diese Auszeichnung ein großer Erfolg. Gleichzeitig richtet sich der Blick des CEO Benjamin Horn vor allem auf das, was noch vor ihnen liegt. 

Ein Gastbeitrag von Melanie Friedrichs, Univations

Benjamin Horn, CEO von SMELA, ist stolz, wenn er an die Anfänge des 2017 ins Leben gerufenen Gründungsprojektes denkt und es mit dem vergleicht, was mittlerweile daraus geworden ist. Vor kurzem belegte sein Unternehmen den 2. Platz in der Wahl der „Top50-Start-ups“ aus Deutschland. „Das ist wirklich Wahnsinn, mit dieser Platzierung hat keiner gerechnet“, freut er sich. Doch die Platzierung kommt nicht von ungefähr: Denn das Startup löst mit seiner Entwicklung ein seit langem bekanntes Problem. 

Für lineare Bewegungsprozesse kommen in der Industrie Aktuatoren zum Einsatz. Sie wandeln Energie in Bewegung um. Als Energiequelle dient häufig Druckluft. Der Energieverlust von bis zu 95 Prozent ist dabei ein großer Nachteil. Außerdem muss aufgrund der komplexen Infrastruktur ein hoher Wartungsaufwand betrieben werden.

„Mein Mitgründer Dr. Denis Draganov hat sich diesem Problem angenommen und startete neben seiner Anstellung an der Uni Magdeburg ein eigenes Entwicklungsprojekt“, erinnert sich Benjamin an die Anfänge.

Gemeinsam mit Oleksandr Tyshakin beginnt das Trio eine Alternative zu entwickeln und zu testen. Das Ergebnis: ein kompakter, elektromechanischer Antrieb. Er spart mehr als 75 Prozent der Energie seiner pneumatischen Alternative ein, ist bis zu sieben Mal kleiner als die elektromechanischen Produkte der Konkurrenten und in Zukunft auch mit einer smarten Sensorik für die Verschleiß-Überwachung ausgestattet.  

Die Selbstständigkeit im Kopf

Für die Idee, ein Startup zu gründen, konnte sich Benjamin bereits vor SMELA begeistern. Schon während seines Studiums, Wirtschaftsingenieurwesen für Elektro- und Informationstechnik, belegte er mit der ein oder anderen Idee im Hinterkopf Vorlesungen im Entrepreneur-Bereich. Mit der Chance, an Denis‘ Forschungsprojekt mitzuarbeiten, wird ihm das Potenzial der Idee bewusst. Der Gedanke an die Selbstständigkeit bleibt zu diesem Zeitpunkt aber noch unausgesprochen.

„Das wird bei Ingenieuren nicht an die große Glocke gehängt. Erst als fest stand, dass wir einen ersten Kunden haben, wurde das Thema Startup-Gründung wirklich real. Wahrscheinlich, weil im Entwicklungsprozess noch Angst vor dem Scheitern vorhanden war“, vermutet der Magdeburger. 

Doch Scheitern kommt nicht in Frage: Ihre Entwicklung sichert sich Auszeichnungen bei namhaften Wettbewerben wie science4life, start2grow, dem Hugo-Junkers– sowie dem IQ Innovationspreis. „Es würde mich wundern, wenn diese Kuh nicht fliegt“, ist ein Jury-Mitglied überzeugt. Im Herbst 2020 folgt ein sechsstelliges Seed-Investment durch die Mitteldeutsche Wohnwert AG. Kurze Zeit später erhalten ihre Elektro-Antriebe die CE-Kennzeichnung für EU-konforme Herstellung. Jetzt stehen alle Zeichen auf Serienproduktion.

„Wir haben für eine mittlere Stückzahl die Aktuatoren-Komponenten vorbestellt, um schnell agieren und möglichst viele Testaktuatoren bereitstellen zu können.“

Dafür wurde erst vor einigen Wochen ein Umzug erforderlich: Von der Uni ging es in größere Räumlichkeiten im Westen Magdeburgs mit mehr Platz für Büro und Produktionsstätte. Neben einer mechanischen Werkstatt verfügen sie über einen Elektronikbereich. Nun kann sich das Startup voll auf die Akquise neuer Kunden konzentrieren.

Elektro-Technologie mit Zukunft

Der Einsatzbereich für die Aktuatoren ist vielfältig. Mithilfe der Automatisierung werden z.B. in der Fertigung und Verpackung Teile platziert, befördert, befestigt, verschweißt und zusammengesteckt – dank SMELAS Entwicklung mit dem Potenzial viel weniger Energie zu verbrauchen. Könnte sie damit pneumatische Antriebe vom Markt verdrängen?

„Das ist durchaus realistisch. Nicht in allen Bereichen, jede Technik hat ihre Vorzüge. Aber gerade im Fertigungsbereich wird in der Zukunft das Augenmerk darauf liegen, Energie einzusparen“, erklärt Benjamin.

Bald Aufträge von den ganz großen Konzernen zu erhalten, ist somit ebenfalls nicht unrealistisch. Aber SMELA will auf Nummer Sicher gehen:

„Natürlich ist der Proof of Concept erbracht, aber es ist in meinen Augen dennoch ratsam über mittelständische Unternehmen in den Markt zu gehen. Immer wieder kleinere Testphasen starten und damit Rückrufaktionen verhindern, die man sich nicht leisten kann.“

Organisches Wachstum sei für das Startup zumindest in dieser immer noch frühen Phase wichtig, um später nicht unter Druck zu geraten.

Ein Team für alle Fälle

Die größtmögliche Sicherheit im Risiko ist wie eine Art Erfolgsrezept des SMELA-Teams. Möglich wurde dies nicht zuletzt auch durch die finanziellen Fördermöglichkeiten wie Gründerstipendien über das Bundesprogramm EXIST und die Existenzgründeroffensive des Landes Sachsen-Anhalt ego.-START.

„Den Anfang mithilfe eines Investors zu finanzieren, das wäre wahrscheinlich schwer geworden“, sagt Benjamin.

Und auch für Rat gebende Unterstützer an seiner Seite, das Transfer- und Gründerzentrum der Universität Magdeburg, den Investforum Startup- Service aus Halle und den TechnologieContor aus Gera, sei er dankbar. Sie halfen bei wichtigen Fragen zur Finanzierung über Fördermittel und bei der Kontaktaufnahme mit InvestorInnen. So ergab sich durch den Investforum Pitch-Day 2019 in Halle der erste Kontakt zu ihrem Pilotkunden sowie ihrem späteren Investor. 

Ein wichtiger Faktor für den erfolgreichen Start in die Selbstständigkeit sei aber auch das Team selbst.

„Eigentlich sind wir ein homogenes Team, was für ein Startup wenig förderlich ist, um sich mit verschiedensten Qualifikationen breit aufzustellen. Aber wir sind, was unsere Persönlichkeiten betrifft, tatsächlich sehr heterogen“, beschreibt Benjamin sich und seine Mitgründer.

Jeder bringe unterschiedliche Perspektiven ein. Der berüchtigte Startup-Vibe ist auch bei SMELA zu spüren.

„Bei uns hilft jeder jedem. Die Verantwortungsbereiche lassen sich aus diesem Grund nicht immer so genau abgrenzen.“

Denis fokussiere sich stark auf die Weiterentwicklung der Aktuatoren, Wirtschaftskomponenten stelle er dabei eher hintenan. Oleksandr strukturiere dagegen den Aufbau von Prozessen. Er selbst übernehme meist den administrativen Bereich. Birgt dies Konfliktpotenzial? Ganz und gar nicht, sagt Benjamin.

„Denn letztendlich sind wir alle aus dem gleichen Fachbereich und können ein Verständnis füreinander entwickeln“, begründet der Ingenieur.

Mittlerweile ist aus dem Gründertrio ein Quartett geworden, welches sich in diesem Jahr noch weiter vergrößern soll. Mit Florian Pflugfelder kam eine Kraft für die technische Entwicklung, insbesondere adaptiver Serienanpassungen und tiefergehenden Weiterentwicklungen hinzu. 

Auf dem Boden der Tatsachen

Benjamin ist stolz auf das, was er und seine Mitgründer mit SMELA erreicht haben. Die vielen Auszeichnungen stimmen ihn optimistisch.  Gleichzeitig ist es ein Erfolg, auf dem er sich nicht ausruhen möchte.

„Erfolg bedeutet für mich, am Markt etabliert und finanziell unabhängig zu sein. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg.“

Benjamin ist auf dem Boden geblieben und betrachtet die Dinge realistisch. Wenn er an die vergangenen drei Jahre zurückdenkt, weiß er um die stundenlange Arbeit und immer neuen Herausforderungen für sein Startup.

„Dass wir viele Dinge damals noch gar nicht auf dem Schirm hatten, tat uns aber gut. Zu viele Zweifel sind nicht sehr förderlich. Stattdessen heißt es für uns immer wieder: Einfach anfangen und machen.“

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