Seedmatch Crowdfunding für Startups

Seedmatch im Interview

Seedmatch ist die erste und größte Crowdfunding-Plattform für Startups in Deutschland. Das Unternehmen hat ein klares Statement: Wir glauben an die Crowd und somit daran, dass viele Menschen große Dinge bewegen können. Wir haben mit Seedmatch über sogenannte Crowd-Pleiten, Blockchain-basierte Crowd-Investment-Möglichkeiten und die Zukunftsperspektiven des Crowdinvestings gesprochen.

1. Schön, dass ihr euch für unser Interview Zeit nehmt. Stellt euch doch unseren Lesern einmal kurz vor.

Als Deutschlands erste Plattform für Crowdinvesting demokratisiert Seedmatch seit 2011 die Investitionsmöglichkeiten in junge Startups und Wachstumsunternehmen. Bereits ab 250 Euro können nun auch private Anleger vom wirtschaftlichen Wachstum und der Verjüngung der deutschen Unternehmenslandschaft profitieren. Dabei entscheiden unsere Investoren individuell, welche Geschäftsideen sie fördern. Gemeinsam konnten wir so über 31 Millionen Euro an innovative Ideen und aufstrebende Entrepreneure vermitteln.

2. Ihr habt mit Crowdinvestment ein neues Finanzprodukt mitgeschaffen – was sind eure Erfahrungen daraus?

Seit dem ist wirklich viel passiert. Während im Gründungsjahr von Seedmatch 2011 und davor kaum jemand in Deutschland etwas von Crowdfunding, geschweige denn Crowdinvesting, gehört hatte, taucht die Schwarmfinanzierung immer mehr in den Medien auf, wurde mittlerweile durch den Gesetzgeber reguliert und verlässt so langsam ihr Nischendasein. Wie bei jeder Pionierarbeit gab es damals keine Blaupause oder Orientierungsanker. Die Startups, wir als Plattform aber auch die Investoren befanden sich in einem permanenten Lern- und Optimierungsprozess. Es wäre vermessen zu behaupten, dass der Entwicklungsprozess nun als final abgeschlossen bezeichnet werden kann. Neue Produkte, Anlageklassen und Zielgruppen kommen hinzu. Vor wenigen Jahren wäre kein Mensch darauf gekommen, dass Crowdinvesting auch für Immobilien- sowie Mittelstandsfinanzierungen relevant und ein Wettbewerb zu klassischen Bankkrediten werden könnte.

3. Wie seht ihr die aktuelle Situation mit den vielen ,,Crowd-Pleiten’’? Würdet ihr sagen, dass dadurch die Bereitschaft der Crowd zu investieren sinkt?

Das lässt sich aktuell noch nicht abschätzen. Die wenigsten Unternehmen scheitern im ersten Jahr, sondern deutlich später. Daher lässt sich die durchschnittliche Ausfallquote der Investments über die Laufzeit auch für die Crowd noch nicht final einschätzen. Je nach Produkt und der Reife des Unternehmens bewegt sich die Ausfallquote bei Crowdinvestments im gesamtdeutschen Raum bei aktuell 20-30 Prozent. Ob es bei dieser Statistik bleibt, bleibt abzuwarten. Laut einer vom Bundesministerium für Finanzen in Auftrag gegebenen Studie, sind crowdfinanzierte Unternehmen durch die viralen Marketingeffekte und die Unterstützung der Schwarm-Investoren deutlich überlebensfähiger. Schlussendlich entscheiden die Investoren, ob die Renditechancen das Risiko eines Ausfalls rechtfertigen. In der aktuellen Niedrigzinsphase, der Selbstbestimmtheit in der Auswahl der Kapitalanlage und aufgrund der Nähe der Investoren zum Unternehmen, sprich ihrem Investment, hat Crowdinvesting einen Mehrwert gegenüber Fonds und anderen Anlageklassen einer Bank. Natürlich sind “Crowd-Pleiten” sehr ärgerlich. Aber erfahrene Investoren kalkulieren das in ihrer Portfoliostrategie mit ein. Sie investieren nur ca. 10 Prozent ihres Kapitals in diese Anlagenklasse und sie prüfen vorab die Unternehmen ganz genau, bevor sie sich für ein Investment entscheiden.

4. Wie stellt ihr ein hochwertiges Angebot an Investment-Möglichkeiten/Startups sicher?

Alle Crowdfunding-Kampagnen Bewerber auf unserer Plattform durchlaufen einen mehrstufigen Auswahlprozess: Kann das Unternehmen das notwendige Know-how für das Geschäftsmodell abbilden: Ist der Proof of Concept erbracht, ist das Produkt innovativ und besitzt ausreichende Alleinstellungsmerkmale und  ist das Geschäftsmodell skalierbar. Darüber hinaus gibt es einen Katalog an vielen weiteren Kriterien und Prüfschritten. Schlussendlich schaffen es ca. 10 Prozent der Bewerber durch dieses Prozess und damit auf die Plattform. Alle diese Maßnahmen sollen potenzielle Stolpersteine für die Entwicklung eines Unternehmens, welches eine Kampagne über unsere Plattform platzieren möchte, von vornherein ausschließen. Leider lässt sich trotzdem keine Garantie für den Geschäftserfolg ableiten.

5. Wie seht ihr die Zukunftsperspektiven im Crowdinvesting?

Crowdinvesting funktioniert nicht alleine und völlig autark in einer Blase. Wie sich Crowdinvesting entwickeln wird, ist von einer Vielzahl unterschiedlicher Faktoren abhängig. Beispielsweise wird der Gesetzgeber strenger und exklusiver mit dem Kleinanlegerschutzgesetz regulieren, wie entwickeln sich die Zinsen, wie risikofreudig werden die Banken bei ihrer Kreditvergabe und bleibt Gründen noch eine realistische Option für Vordenker, Kreative und Visionäre sowie vieles mehr. Es bleibt also spannend. Wir glauben, dass Crowdinvesting aufgrund der Vielzahl seiner Vorzüge weiterhin bestehen wird und sich weiterentwickelt – in welche Richtung aber, das werden die daran Beteiligten im wechselseitigen Prozess beeinflussen.

6. Wie steht ihr zu Blockchain-basierten Crowd-Investment-Möglichkeiten, z.B. durch Initial Coin Offerings?

Grundsätzlich freuen wir uns über neue, innovative Entwicklungen und stehen diesen offen gegenüber. Insbesondere das Thema Blockchain sowie auch dessen Teilaspekt ICO beobachten wir ganz genau. Durch Initial Coin Offerings bietet sich den Investoren die Möglichkeit, frühzeitig in Crowdsales über eine Kryptowährung zu investieren. Doch noch gibt es dafür keine Regulierung oder Kontrollinstrumente. Möchte der Investor seine Tokens wieder abstoßen, kann der Gewinn oder besser die Rendite durch Kursschwankungen der verschiedenen (Krypto- )Währungen auch bei positivem Geschäftsverlauf negativ ausfallen. Zudem gilt hier, wie bei anderen Crowdinvestments auch, sich das Unternehmen und den Businessplan genau anzuschauen und anhand dessen zu entscheiden, ob das Geschäftsmodell solide ist und funktionieren kann. Hier ist das konventionelle Crowdinvesting durch die vielstufigen Prüfprozesse und die gesetzliche Regulierung dem ICO überlegen. Bei einem Initial Coin Offering kann jeder beliebige Anbieter mit Mockups, einem Whitepaper und etwas Marketing binnen Minuten Millionenbeträge einsammeln. Ob die Gelder anschließend auch tatsächlich in die Entwicklung des Geschäftsmodells fließen, ist durch die fehlende Regulierung bisher nicht garantiert. Die größte Herausforderung für Erwerber der Token ist jedoch, dass heute die rechtssichere Verknüpfung der Token mit den Assets der Emittenten bislang nicht gewährleistet ist. Es mutet etwas nach Wilden Westen an. Durch diesen Hype und die “schwarzen Schafe” droht irgendwann eine Überkorrektur durch die internationale Gesetzgebung. Damit würden wichtige Chancen in der Blockchain-Sphäre für seriöse Unternehmer und Startups verbaut.

7. Würdet ihr persönlich als Crowdinvestor eher in Startups oder Immobilien investieren?

Sowohl bei einem Startup als auch bei einer Immobilie kann ich als Investor, neben den rationalen Überlegungen zu einer Kapitalanlage, dabei helfen, etwas Neues entstehen zu lassen und bei Fortschritten teilhaben. Das ist toll, wenn die Investoren-Kommunikation optimal funktioniert. Bei einer Immobilie ist der Bauprozess – mit Ausnahme von BER – nach einigen Monaten abgeschlossen und das Projekt fertig. Bei einem Startup hört der Entwicklungsprozess aber idealerweise nie auf. Wie toll wäre es doch, in einigen Jahren sagen zu können, man war bei der Geburtsstunde von Größen à la Amazon, Tesla oder Apple dabei und wurde durch das Investment Teil und auch ein Stück Initiator der Erfolgsgeschichte. Um ein Bild zu zeichnen: Immobilieninvestments sind eher eine Kurzgeschichte und Startup-Investments ein Roman. Beides gehört zu einem guten Kanon, wobei wir auch bedingt durch unser Geschäftsmodell natürlich eine Präferenz haben. 2013 starteten beispielsweise erdbär – Freche Freunde ihre Crowdfunding-Kampagne über unsere Plattform, um Kapital für weiteres Wachstum zu akquirieren. Die Geschäftsidee, mit gesunden Kindersnacks eine Marktnische aufzubauen und zu erobern, mündete in einen internationalen Erfolg. In vielen Supermärkten, Drogerien und sogar im Bistro der Deutschen Bahn können Eltern die Snacks und Quetschies mit den lustigen Wackelaugen kaufen. Und es gibt sie mittlerweile in 18 Ländern, beispielsweise in Ungarn, China und Südkorea. Die Investoren freuen sich nicht nur über die Rendite, es war und ist immer noch eine fesselnde Geschichte, die ich praktisch alltäglich und live in meinem Supermarkt und auf meinen Urlaubsreisen verfolgen kann.

8. Welche Ratschläge und Tipps könnt ihr als junges Unternehmen anderen Gründern mit auf den Weg geben?

Unternehmen sollten eine starke Identität besitzen und diese kommunizieren können. Von ihrer Vision lassen sich so leicht verständlich und authentisch Unternehmensprioritäten und ganz konkrete Unternehmensziele ableiten, die jedem verständlich und einleuchtend sind. Das ist ein gutes Fundament, sich auch in Krisenzeiten auf seine Wurzeln zu besinnen – und Rückschläge gehören bei jedem jungen Unternehmen dazu. Zudem sollten Startups branchenrelevante und patente Kooperationspartner suchen. So können sie von der bereits bestehenden Expertise und Infrastruktur profitieren sowie durch exklusive Verträge Nachahmern den Markteintritt erschweren.

 

Vielen lieben Dank an Seedmatch für das aufschlussreiche Interview!