Rückblick: Die Investor Days Thüringen 2018

Startups Thüringen

Am 19. Und 20. Juni fanden die Investor Days Thüringen in der Messe Erfurt statt. An Tag 1 pitchten 21 Startups ihre Ideen vor potentiellen Investoren und vielen Gästen, darunter die Botschafterin der Republik Indien Mukta Dutta Tomar und Thüringens Minister für Wirtschaft, Wissenschaft und digitale Gesellschaft Wolfgang Tiefensee. Beide hielten auch eine Willkommensrede. Aus allen Elevator Pitches wählte eine Jury 4 Gewinner und das auch das Publikum durfte einen Gewinner wählen. Startup Mitteldeutschland war als Medienpartner natürlich mit dabei und hat den Tag mit Spannung und Freude verfolgt. Ein großes Lob und Dankeschön gilt den Veranstaltern: den Teams der STIFT, ThEx innovativ und dem bm-t.

Begrüßung durch Wolfgang Tiefensee und Exzellenz Frau Mukta Dutta Tomar

Thüringens Minister für Wirtschaft, Wissenschaft und digitale Gesellschaft Wolfgang Tiefensee begrüßte alle Anwesenden. Ihm war es wichtig darauf hinzuweisen, dass wir in Deutschland schneller werden müssen, um mit Ländern wie China noch mithalten zu können. Der Appell ging an Politik, Wirtschaft und Investoren: wie müssen mehr nach dem Trail and Error Prinzip agieren! Das ewige Prüfen von Businessplänen etc. sollte schnelleren Geldauszahlungen weichen. Es müssten mehr die in den Mittelpunkt gestellt werden, die innovative Ideen voranbringen wollen. Nachdem Herr Tiefensee seine Grußworte an alle Teilnehmer und Gäste gerichtet hat, begrüßte auch die Botschafterin der Republik Indien die Anwesenden. Mukta Dutta Tomar ermutigte Deutschland den Blick auf Indien und auch dessen wachsendes Startup Ökosystem zu richten.

Impulsvortrag von André Münnich

Daran schloss sich ein Impulsvortrag von André Münnich an. Er war ehemaliger CEO der Feyteq AG, die an Facebook verkauft wurde. Er sprach über die Höhen und Tiefen, die er erlebte und gab wichtige Ratschläge. Zum einen erinnerte er daran, dass es mehr unternehmerischen Mut in Thüringen bzw. ganz Deutschland brauche. Dass Feyteq an Facebook verkauft werden konnte war kein Zufall, stellte er fest. „Sowas passiert nicht zufällig, sondern ist eine logische Konsequenz aus unternehmerischem Mut und vielen Entscheidungen,“ sagte er. Zum anderen wies er darauf hin, dass ein gutes Produkt allein nichts bringt, sondern dass es eine Wahrnehmung am Markt braucht. „Verdoppelt, noch besser verdreifacht euer Marketing Budget. Investoren kürzen dies meist wieder also verzehnfacht es, damit ihr am Ende bei einem ordentlichen Budget rauskommt,“ riet er allen Gründern.

Auch zu glauben, dass man in einer anderen Sprache verhandeln könne, wäre unrealistisch. Feyteq engagierte einen Investment Banker. Dieser kümmert sich jeden Tag um den Verkauf von Firmen, hat Kontakte und die sprachlichen Skills. „Das kostet viel Geld, das ist es er aber auch wert,“ weiß André Münnich heute. Nach vielen Monaten in Amerika, vielen Entscheidungen, in der er auch sein komplettes Team mit einbezog, konnte er Feyteq an den Facebook-Konzern verkaufen. Doch danach schließt sich noch einiges an Organisation an. Ein Unternehmen zu verkaufen ist anstrengend und stressig, stellt André Münnich fest. Doch natürlich kann man auf so einen Exit auch mit stolz blicken, der für den Stress (nach einigen Monaten Ruhe und Entspannung) dann entschädigt. Sein Fazit: Habt Mut und glaubt nicht, dass euch etwas geschenkt wird.

Elevator Pitchblock 1

Unter den 21 Pitches waren die unterschiedlichsten Ideen dabei. Jedes Startup hatte 3 Minuten Zeit, seine Idee und das Unternehmen vorzustellen. In 3 Pitch-Blöcken gingen die Teilnehmer an den Start. Den Start machte whyapply,  eine App, die die Art, wie wir uns bewerbe, verändern soll. Daran schlossen sich zwei Elevator Pitches von Healthcare Startups an, sowie das online-Tool Ahwoo, welches Inhalte nur ausgewählten Personen zur Verfügung stellt, damit Familien- und Kindergeschichten als eine Art Tagebuch für die Familie festgehalten werden können. CAALA ermöglicht es Architekten schon bei der Planung Rücksicht auf Energie-Vorgaben zu nehmen, sodass Entwürfe von vornherein nachhaltiger und schneller umsetzbar sind. Anschließend stellte sich MotionsCloud vor: eine intelligente Lösung für Ansprüche aus Versicherungen.

Mit Backup Exoskelett ging der erste Pitch-Block zu Ende. Backup Exoskelett geht mit einer Rückenstabilisierenden Schutzausrüstung das Problem von Rückenerkrankungen an. Eine große Anzahl von Berufsgruppen muss täglich schwere Lasten tragen und hat häufig Krankheitsausfälle aufgrund von Beschwerden. Das fordert hohe Kosten auf Seiten der Unternehmen und Krankenkassen. Außerdem bekommen die Betroffenen früh Probleme, ihren Alltag noch allein meistern zu können.

Elevator Pitchblock 2

Im Pitch-Block zwei präsentierte Telescrop eine Lösung, wie mit Hilfe von Geodaten Bauern ihr Land nachhaltiger und effektiver bewirtschaften können. Neben E-Skateboars für die letzten Meter zur Arbeit (soflow) und einer digitalen Lösung, um Kleidung schon vor dem Kauf mit Teilen aus dem Schrank daheim zu kombinieren (Vriction), präsentierte sich auch Dongguo. Diese Social Gaming App versucht auf spielerische Weise einen kulturellen Austausch zwischen China und Deutschland (zukünftig Europa) zu fördern. Scoolio ist eine Schüler App, über die Arbeitgeber schon zu Schulzeiten direkt eine potenzielle Zielgruppe für Jobangebote ansprechen können. Mit SM Learning Skills Academy for Special Needs stellte ein indischer Repräsentant seine Idee vor, Beeinträchtigungen in der Entwicklung von Kindern zu erkennen, um diese dann gezielt zu fördern. Der Block wurde abgeschlossen von Valuta Change, die digitale Währung besser anbinden und nutzbar machen wollen.

Elevator Pitchblock 3

Nach einer weiteren Pausen pitchten Smartplatz, Achim Bettine, Ucandoo und Belongcare Meditech, ein weiterer indischer Repräsentant. Außerdem stellte Pflegeplatzmanager seine Vision vor, das Warten auf Pflegeplätze und die Vernetzung von Krankenhäusern, Rehakliniken und Weiterversorger zu verbessern. Die Prozesse sollen vereinfacht werden und dadurch wertvolle Zeit (und damit auch Geld) eingespart werden. Infrasolid stellte seine Mikrolichtquelle vor, die durch einen „Infrarot-Fingerabdruck“ Stoffe und ihre Beschaffenheit, wie Inhaltsstoffe von Lebensmitteln oder CO2 Gehalt in der Luft, wichtige Informationen liefern. Den Abschluss bildete rooom, ein Startup welches 3D, VR und AR in einer Plattform für jeden anwendbar macht. In unserer digitalen Welt wissen wir häufig nicht, wie die Dinge von allen Seiten aussehen. Rooom ermöglicht es Produkte und Räume in 3D zu zeigen und mit einem spielerischen Charakter zusätzliche Informationen einzubauen.

Preisverleihung

Infrasolid gewann den Preis von Ernst & Young GmbH Wirtschaftsprüfgesellschaft. Backup Exoskelett gewann den Preis von GRUENDELPARTNER Rechtsanwälte Steuerberater Wirtschaftsprüfer. Pflegeplatzmanager gewann den Preis von APROPRO HAARBECK PROJEKTMANAGEMENT. Rooom ging als Doppelsieger mit dem Publikumspreis sowie dem gemeinsamen Preis von der Stiftung für Technologie, Innovation und Forschung Thüringen und dem bm-t Beteiligungsmanagment thüringen gmbh nach Hause.

Nach der sehr gelungenen Veranstaltung und den vielen Inspirationen und vorgestellten Innovationen ging es zum ungezwungenen Dinner und der Möglichkeit zum Networking über. So konnte der rundum spannende Tag abgerundet werden.