qCoat – Patentierte Membrantechnologie aus Leipzig

Das qCoat-Gründungsteam v.l.n.r. Alexander Braun, Agnes Schulze und Karsten Otte (Foto: SpinLab / Eric Kemnitz).

Das Wasserfilter-Startup qCoat sitzt seit der achten Klasse im SpinLab und hat sich in den letzten Monaten ziemlich weiterentwickelt. Als unsere Reporterin im Januar 2019 mit den GründerInnen Agnes Schulze, Alexander Braun und Karsten Otte sprach, besaßen diese nur einen Arbeitstitel als Namen – Mittlerweile sind sie auf dem besten Weg, qCoat in alle Munde der Industrie zu bringen. 

Wie würdet ihr die Unternehmensvision von qCoat in einem Satz beschreiben?

Unsere Filter-Membranen sind preiswert, sie arbeiten energiesparend und wartungsarm und und mit ihnen sinken die Barrieren zu sauberem Trink- und Abwasser weltweit.

Und wie wollt ihr das erreichen?

qCoat beschäftigt sich mit der Entwicklung und Herstellung von veredelten polymeren Hochleistungsmembranen. Diese reduzieren das Problem der Verstopfung, auch Membrane Fouling genannt, in der Fest-Flüssigfiltration auf ein Minimum. Dem Endanwender ermöglichen sie eine preiswertere Abwasserbehandlung bzw. Trinkwasser-Aufbereitung mit bis zu 50% geringeren operativen Kosten. Die besondere Produkteigenschaft – eine langzeitstabile Anti-Fouling Funktion – wird durch ein funktionelles Nano-Coating erreicht, welches mittels einer umweltfreundlichen Technologie auf die Membran-Oberfläche aufgebracht wird.

Wie genau funktioniert eure Technologie?

Unser Performance Coating entsteht durch eine Elektronenstrahl-unterstützte Tauchbeschichtung mit ultra-hydrophilen Funktionsmolekülen. Die hydrophile Membran-Oberfläche wirkt dem Fouling entgegen – die Membran bleibt hoch-permeabel und arbeitet energieeffizient.

Hier sieht man die veredelte Hochleistungsmembran gewickelt in einem Filtermodul (Picture Credits at qCoat GmbH).

Habt ihr dieses Verfahren selbst entwickelt?

Wir sind ein dreiköpfiges Forscherteam, bestehend aus Alexander Braun, Karsten Otte und Agnes Schulze. Wir ergänzen uns perfekt. Agnes hat die Technologie zur Veredelung von Membranfiltern am Leibniz-Institut für Oberflächenmodifizierung hier in Leipzigentwickelt und patentiert.

Gibt es Konkurrenten in diesem Feld?

Natürlich gibt es verschiedene Bestrebungen in der Branche, die Eigenschaften von Membran-Filtern zu verbessern. Das geschieht meist über angepasste, aber teure Misch-Polymere in Membranherstellung, oder eine meist kurzlebige Membran-Beschichtung. Wir von qCoat bieten unseren Kunden eine dauerhafte, nachhaltige und irreversible Funktionalisierung der Membran-Oberfläche – Das macht uns  einzigartig.

Welche Anwendungsgebiete gibt es für eure Membran?

Nicht nur Trink- und Abwasser wird gefiltert. Auch in der Lebensmittel- und Getränkeproduktion wird in vielen Prozess-Schritten ein Filter benötigt. Ebenso sind viele industrielle Trennprozesse und Anwendungen in Biotech/Pharma-Produktion heute ohne Membran-Filtration nicht mehr vorstellbar.

Die Behandlung von kommunalem und industriellem Abwasser ist ein besonders großes Thema. Nicht nur beim Rückhalt von Hormon und Medikamentenrückstände – Stichwort 4. Reinigungsstufe. Heute gelangen immer noch 70% aller globalen Abwässer ungeklärt zurück in die Weltmeere. Wartungsarme, preiswerte Filter-Membranen mit gesenkten Betriebskosten gestatten hier einen Zugang zu einem riesigen Markt.

Wie ist eure Strategie?

Wir konzentrieren uns auf den Membran-Veredelungsprozess. Dieser wird mit unserem Know-How, nach unserer Rezeptur auf einer eigenen Produktionslinie im Rolle-zu-Rolle-Verfahren laufen. Die veredelte Filter-Membran verkaufen wir dann als Vorprodukt an etablierte Filtermodul-Hersteller. Basierend auf bereits existierenden Kundenbeziehungen erfolgt der Direktvertrieb an selektierte Industriekunden mit Endanwendungen zur Trink- und Abwasser-Behandlung. Eine Produktdiversifikation in verwandte Zielmärkte, siehe Antwort zuvor, wird später in der Wachstumsphase erfolgen, in welcher auch die Produktionskapazität weiter ausgebaut wird.

Wie lange forscht ihr schon an dieser Technologie?

Die Entwicklung hat bereits vor 7 Jahren als Forschungsprojekt begonnen. Zu Beginn floss noch viel Zeit ins vertiefte akademische Verständnis der chemischen Prozesse, zunehmend aber auch in die Produktivität und Match der Zulieferer und ins Prozess-Tuning. Vor 3 Jahren wurde eine Rolle-zu-Rolle-Pilotanlage erfolgreich in Betrieb genommen. Nun kommt es „nur noch“ auf die weitere Aufskalierung und erfolgreiche Kommerzialisierung an. Hierzu erweitern wir momentan unser Patentportfolio.

Dabei wünschen wir euch viel Erfolg und danken für das Interview.

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