Pocketcoach – Die präventive App gegen Stress und Ängste

Manuel Kraus und Philipp Omenitsch haben Pocketcoach gegründet, den ersten präventiven Chatbot für Mental Health Themen in Deutschland.

Mentale Gesundheit rückt immer mehr in das Bewusstsein der Menschen. Zuletzt hatte beispielsweise die US-Athletin Simone Biles bei den Olympischen Spielen in Tokyio international auf das Thema aufmerksam gemacht. Damit mehr Menschen, die unter psychischen Problemen leiden, schnelle Hilfe bekommen, hat Manuel Kraus gemeinsam mit seinem Mitgründer Philipp Omenitsch Pocketcoach entwickelt – den ersten psychologischen Chatbot Deutschlands. Aktuell ist das Startup aus Österreich teil des SpinLab Accelerators in Leipzig und ist dabei, auch in Deutschland Fuß zu fassen. Wir stellen euch das Unternehmen näher vor.  

Mit der App gegen Stress und Ängste im Alltag

Stress und Ängste gehören zu den am schnellsten wachsenden Gesundheitsproblemen unserer Zeit. Im deutschsprachigen Bereich sind etwa 15 Millionen Menschen von Angststörungen betroffen. Hinzu kommt, dass der Großteil der Bevölkerung von Stress betroffen ist. Wer dauerhaft unter solchen psychischen Problemen leidet und sich schonmal mit der Suche nach einem Therapieplatz beschäftigt hat, weiß wie schwer das sein kann.

Das ist auch Manuel Kraus aufgefallen. Er hat BWL und Psychologie studiert und gehörte zu den ersten Mitarbeiter:innen der 7Mind-App. Er hatte das Gefühl, dass viele Menschen mit dem Thema mentale Gesundheit alleine gelassen werden. Oft fehlt es schlicht an finanziellen Ressourcen und an Personal. Darüber hinaus ist auch die Hemmschwelle, sich Hilfe zu suchen, oft groß. Diese Probleme schienen mit aktuellen Ansätzen kaum lösbar, deshalb hat Manuel an einer eigenen Lösung gearbeitet. Auf einem Startup-Event in Wien lernte er Philipp kennen. Dieser half zunächst nebenbei, den Prototypen von Pocketcoach zu entwickeln. Nach einiger Zeit beschlossen beide dann, gemeinsam zu gründen. 

„Wir müssen Menschen früher erreichen – und das auf breiter Ebene“, erklärt der Gründer. „Genau dabei soll Pocketcoach helfen. Wir wollten einen digitalen Begleiter bauen, der ohne Hemmschwelle und ohne persönlichen Kontakt gute, kompetente Hilfe bieten kann. Ziel war dabei nicht, Therapeut:innen und andere professionelle Helfer:innen zu ersetzen. Im Gegenteil. Ziel war und ist, als Brücke zu dienen, indem man Menschen erreicht, bevor sie jemals daran denken würden, sich professionelle Unterstützung zu suchen.“ 

Pocketcoach ist der erste psychologische Chatbot Deutschlands und wurde gemeinsam mit mehreren Psycholog:innen und dem wissenschaftlichen Beirat des Startups entwickelt. Die App zeigt Menschen, wie sie mit Sorgen, innerer Unruhe und Stress besser umgehen können. Dabei nutzt Pocketcoach bewährte Methoden aus der Verhaltenstherapie und aus verwandten Ansätzen. Zielgruppe sind dabei all jene, die im Moment durch die Versorgungslücke fallen. Gegründet hat das Team Pocketcoach 2019 in Wien, aktuell sind sie Teil des SpinLab The HHL Accelerator Programms in Leipzig und wollen jetzt auch in Deutschland mit der App durchstarten.

Wer im Alltag häufig mit Stress und Ängsten konfrontiert ist, kann sich mit der App Pocketcoach mit dem Thema Mental Health auseinandersetzen.

Deutschland als wichtiger Markt

In Deutschland ist die App bereits als Präventiv-Maßnahme zertifiziert, das bedeutet, dass die Kosten von 99 € im Jahr zwischen 80 und 100 % von den gesetzlichen Krankenkassen zurückerstattet werden. Wie die Kostenübernahme der Krankenkassen funktioniert, hat das Startup hier zusammengefasst. Damit ist die erste wichtige Hürde für den deutschen Markt bereits genommen. Um vollends Fuß zu fassen hat sich das Team auch für das SpinLab Programm beworben, erklärt Manuel: 

„Deutschland ist für uns der wichtigste Markt, einerseits wegen seiner Größe aber auch aufgrund des regulatorischen Rahmens. Da ist Deutschland um einiges weiter als viele Länder, Stichwort DiGA. Und beim Start in den deutschen Markt ist das SpinLab einfach ein super Partner.“ 

Bei der Gründung in Österreich hatte das Startup Unterstützung vom Austria Wirtschaftsservice als Fördergeber und ist mittlerweile von Investoren Co-finanziert. Der Zugang zu Fördergeldern in Österreich für Startups sei sehr gut, das sei auch eines der größten Unterscheidungsmerkmale zu anderen Ländern, findet Manuel. Allerdings punktet Deutschland bei ihm mit dem Abbau einiger bürokratischer Hürden, wenn es um die Gründung geht. 

„Die UG als Gesellschaftsform gibt es in Österreich beispielsweise gar nicht“, erklärt Manuel. „Fast jedes Startup muss daher als GmbH gegründet werden. Man muss als Gründer also immer zumindest 10,000 EUR Stammkapital investieren, um sein Unternehmen zu gründen.“

Digital Health – Deutschland als Vorbild?

Aber vor allem aus dem Bereich Digital Health sticht Deutschland besonders hervor. Das liegt vor allem an dem „Digitale Versorgung Gesetz“ (DVG) und den daraus resultierenden „Digitalen Gesundheitsanwendungen“ (DiGA). Mit diesem Gesetz sind die nötigen Rahmenbedingungen für die „App auf Rezept“ geschaffen worden. Und auch wenn die bürokratischen Hürden für eine Zertifizierung noch immer sehr hoch sind, die Möglichkeiten für Startups seien ebenso groß, ist sich Manuel sicher. Österreich sei davon hingegen noch weit entfernt.   

Ganz aufwiegen lassen sich die beiden Standorte letztendlich aber doch nicht. Während Deutschland zwar mit niedrigen Lohnkosten punktet, kommen die Gründer in Wien trotz vergleichsweise wenig Förderung sehr gut zurecht und sind schon weit gekommen. In Zukunft wird allerdings die Recruiting-Frage eine immer wichtigere Rolle spielen. Und wenn es um Startup-Erfahrung geht, dann sei beispielsweise Berlin schon etwas besser aufgestellt als Wien, gibt Manuel zu. Aktuell werden die beiden Gründer von zwei Mitarbeitenden und einigen Freelancer:innen unterstützt.

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