Peeriot: Neue Technologie befähigt Maschinen wie Menschen zu kommunizieren

Kommunikation ist alles – auch unter Geräten. Das Startup Peeriot entwickelt eine Technologie, die Maschinen hilft, einander zu verstehen. Eine Idee mit dem Potenzial zur Sprunginnovation. 

Ein Gastbeitrag von Anne Breitsprecher, Univations GmbH

Eine Glaskugel braucht es nicht, um zu wissen: Die Zukunft wird digital und vernetzt. Schon jetzt erleichtern smarte Geräte den Alltag. Intelligente Waschmaschinen wählen das passende Programm zur Wäsche. Smarte Geschirrspüler melden ihren Füllstand per App. Schlaue Kühlschränke erinnern daran, dass die Milch leer ist.

Intelligenz und Konnektivität für Smarte Maschinen

Doch da geht noch mehr, sind sich Ben de Waal, Olaf Wiedfeldt und Roy Kaiser von der Peeriot AG sicher. Das Startup-Team aus Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt entwickelt eine Technologie, die es ermöglicht, dass Geräte mit anderen Geräten menschenähnlich kommunizieren und interagieren können. Die Kühlschränke der Zukunft könnten dank der Software von Peeriot nicht nur feststellen, dass keine Milch mehr da ist, sondern auch etwas dagegen unternehmen. Sie könnten die besten Angebote erfragen, die Supermarkt-Preise vergleichen und neue Milch bestellen – komplett eigenständig. 

Die Geräte der Zukunft werden uns immens Arbeit abnehmen. Das ist sicher“, sagt Roy Kaiser. Dazu brauchen Maschinen jedoch zwei Dinge: Intelligenz und Konnektivität. „Was die künstliche Intelligenz angeht, ist man schon recht weit. Darauf konzentriert sich der Großteil der Forschung und das ist super. Aber hinsichtlich der Verbindungsfähigkeit stehen wir noch recht am Anfang“, so der Finanzvorstand der Peeriot AG. Für die notwendigen nächsten Schritte hat die junge Tech-Firma eine Lösung entwickelt. 

Eine Software, die Geräte befähigt, Daten direkt miteinander auszutauschen und zu verstehen. „Gerätehersteller stehen aktuell vor einem Problem“, sagt Roy. „Sie wissen, dass ihre Geräte intelligent werden und smart agieren müssen. Im Moment würde das jedoch noch bedeuten, dass man für jedes Gerätsystem alle möglichen Verbindungen einzeln einrichten muss. Das schafft niemand.“ Die Software von Peeriot implementiert man in die Systemarchitektur des Geräts und ab da kann das Gerät sich direkt mit anderen Geräten austauschen.

Eine Technologie die Kommunikation zwischen Maschinen möglich macht

Die Idee dazu kam Ben de Waal, einem Technologieexperten aus Neuseeland, als er sich mit der Frage beschäftigte, ob und wie Maschinen autonom mit der virtuellen Währung Bitcoin bezahlen können. „Er kam schnell an den Punkt, dass das mit aktuellen Technologien schlecht umsetzbar ist, solange Maschinen sich nicht direkt miteinander verständigen können“, sagt Roy. „Er konzipierte eine Technologie, die eine Art allgemeinen Maschinenkommunikation ermöglichte. Dies löste nicht nur das ursprüngliche Bitcoin-Problem, sondern ging noch viel weiter.“ Nicht nur Geräteinteraktionen alle Art sind dadurch einfacher realisierbar, der direkte Datenaustausch führt auch zu mehr Sicherheit und größerer Datenautonomie. 

Warum das momentan noch nicht gegeben ist, erklärt Roy an einfachen Beispielen: „Stell dir vor, du läufst zur Bushaltestelle und die Anzeigentafel zeigt, dass der Bus in fünf Minuten kommt, dabei ist er dir gerade vor der Nase weggefahren. Der Bus schickt seine Informationen nicht direkt an die Anzeige, sondern über das Rechenzentrum. Dabei kann es Verzögerungen geben“, erklärt der Thüringer. „Oder nehmen wir WhatsApp. Jede Nachricht, die du mit deinem Handy verschickst, geht erst an den Server von WhatsApp und wird dort gespeichert. Dieser leitet die Nachricht dann weiter.“ Praktisch alle Geräte kommunizieren auf diese Art und Weise – über einen Zwischenschritt. 

Ohne Zwischenschritt zur Sprunginnovation

Die Peeriot-Technologie setzt genau hier zur Sprunginnovation an. Mit ihr gibt es keinen Zwischenschritt. Industrie sowie kleine und mittelständische Unternehmen soll die Software in die Lage versetzen, ihre Geräte besser zu vernetzen und gleichzeitig unabhängiger von Internetgiganten zu agieren. Mögliche Folgen: eine größere Machtverteilung im Markt und eine beschleunigte Weiterentwicklung in Richtung Netzwerkgesellschaft. 

Das Peeriot-Geschäftsmodell basiert auf einer Open-Source-Community, mit der das Startup gemeinsam die Technologie weiterentwickelt, optimiert und verbreitet. Peeriot baut daraus eine industriekonforme Software für Technologieunternehmen und vertreibt entsprechende Lizenzen. Als Zielgruppe haben die Gründer für den Start vor allem die Bereiche Produktion und Logistik im Automotive-Sektor sowie die intermodalen Mobilitätsnetzwerke im Blick. „Hier müssen zahlreiche Akteure perfekt zusammenspielen. Genau richtig für unsere Technologie“, sagt Roy. Langfristig soll die Technologie aber für alle Gerätehersteller oder -betreiber nutzbar sein. 

Innovative Technologie sucht InvestorIn

Im Moment im Peeriot-Fokus: der Abschluss einer Investmentrunde. „Im vergangenen Jahr haben wir mit einem Prototyp die technische Machbarkeit aufgezeigt. Auf Basis dessen entwickelten wir einen Demonstrator, mit dem Geräte Daten direkt, also peer-to-peer, miteinander austauschen können. Aktuell testen wir diesen bei Technologie-Partnern und entwickeln die vollständige Software. Dies wollen wir gern beschleunigen und suchen daher nach einem Investment“, so der Manager.

Dass die drei Gründer und deren Team nicht an einem Ort arbeiten, sei dabei kein Problem. „Ebenso wie unsere Technologie, sind und arbeiten wir dezentral. Wir bauen Software und müssen dafür nicht an einem Ort sitzen. Wichtig ist, dass die gemeinsame Vision passt.“ 

Die klassische Startup Story mit ungewöhnlicher Rechtsform

Dass das der Fall ist, war von Anfang an klar. Ben und Roy waren damals bei einem Blockchain-Startup beschäftigt. Ben als Entwicklungsleiter, Roy als Betriebsleiter. „Eines Abends philosophierten wir lang über die ferne Zukunft und deren Probleme und diskutierten unsere Lösungsansätze“, sagt Roy. „Wir stellten fest, dass unsere Ideen nicht nur sehr gut zusammenpassen, sondern dass wir auch in der Lage sind, sie gemeinsam zu realisieren.“ Sie kündigten ihre Jobs, entwickelten ein Konzept sowie einen Prototyp und bauten das Team auf. So ging es los. 

Mit der AG fanden sie schließlich auch die passende Rechtsform für ihr Vorhaben. „So eine AG schafft bessere Optionen, um Dinge mit vielen Leuten voranzutreiben – vor allem, wenn es um Beteiligungen geht.“ Außerdem sei es ein gutes Modell für schnelles Wachstum. Der Vorstand könne eigenständiger handeln und: „Man fällt als AG in der Startup-Szene auch deutlich mehr auf.

Roy ist überzeugt: das Peeriot-Team leistet mit seiner Arbeit einen wichtigen Beitrag zur Gesellschaft. „Ein branchenübergreifender Innovationsschub, deutlich bessere Produkte und Datenhoheit für alle – egal ob Unternehmen oder Bürger. Es gibt mit unserer Technologie eigentlich nur Gewinner. Außer vielleicht einige bekannte Internetkonzerne, von denen man unabhängiger wird.“ 

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen