payactive sorgt für Impact: Wie online bezahlen nachhaltig werden soll

Mit payactive setzt das regenerative FinTech aus Dresden auf neue und nachhaltige Standards in der Finanzwelt. (Foto: payactive GmbH)

Wie oft bezahlt ihr beim Online-Shopping oder neuen Vertragsabschlüssen mit Payment-Diensten wie PayPal oder Klarna? Und habt ihr euch mal gefragt, was diese Unternehmen für Nachhaltigkeit tun? Eine Alternative tut sich mit payactive auf, einem Fintech aus Dresden. Wir stellen euch das Startup und ein ganz neues Geschäftsmodell vor – das Verantwortungseigentum. 

payactive Konkurrenz für PayPal & Co. 

Ob bei Vertragsabschlüssen mit eurem neuen Gym-Anbieter oder beim Online-Shopping – das E-Wallet wird zur neuen alltäglichen Geldbörse. 40 Prozent der Onlinekäufe werden bereits über einen digitalen Bezahlweg (PayPal, Giropay etc.) abgewickelt, Tendenz wachsend. Mit fast 20 Prozent folgt die Bezahlung per Lastschriftverfahren, 15 Prozent nutzten die Kreditkarte. Das geht aus einer aktuellen Erhebung des Bundesverbands für E-Commerce und Versandhandel (bevh) hervor. 

Als unangefochtener Platzhirsch sticht hier vor allem der Online-Bezahldienst PayPal hervor. Das Transaktionsvolumen von PayPal weltweit belief sich im vierten Quartal 2021 auf rund 339,5 Milliarden US-Dollar. Gewaltige Summen, die da zusammenkommen, oder?

Das wirft unweigerlich die Frage auf, wie nachhaltig eigentlich der Finanzsektor ist. Leider sind beim genannten Zahlungsanbieter bisher nicht wirklich Bemühungen zu erkennen, den eigenen ökologischen Fußabdruck möglichst klein zuhalten. Eine Lösung können regenerative Finanzprozesse wie der von payactive bieten. 

Das erste regenerative Fintech Deutschlands kommt aus Dresden

payactive bezeichnet sich selbst als einer der ersten regenerativen Fintechs Deutschlands. Unternehmen, die mit payactive arbeiten, können einen sogenannten „Social Cashback“ an regenerative Projekte abgeben. Ein Teil des Umsatzes des Dresdner Startups wird also an soziale oder ökologische Projekte gespendet. So hilft das FinTech Unternehmen dabei, Geld sicher zu transferieren und damit auch noch etwas Gutes zu tun.

Das betreffe vor allem diejenigen, die viel mit Überweisungen und Lastschriften zahlen oder Rechnungen beglichen bekommen. Beispiele dafür sind jungen Unternehmen, die Abo- oder Subscription Services nutzen. Das können Ökostromanbieter, Fitness-Ketten oder Non-Profit-Organisationen sein. 

Letztlich seien aber die Anwendungsfälle sehr flexibel auf die Kund:innen zugeschnitten und der ursprünglich geplante Produktumfang damit skalierbar. payactive ist damit eine Zahlungsplattform, die nach den Logiken des kapitalistischen Wirtschaftssystems arbeite, die Welt dabei aber ein bisschen besser hinterlassen soll als vorher. 

Die Brüder und payactive-Gründer Manu und Mathias Born sind sich sicher: Diese Werkzeuge sind sehr wirkungsmächtig, spielen aber eine noch viel zu kleine Rolle in der Nachhaltigkeitsdiskussion. Zahlungsverkehr und Nachhaltigkeit müssen ihrer Meinung nach gekoppelt werden:

„Weil wir glauben, dass eine hoffentlich nachhaltigere Zukunft nicht ohne regenerative Finanzprozesse gestaltbar ist. Das gilt für uns aber auch für andere Player auf dem Markt. Unsere Welt hat viele Herausforderungen aktuell. Es ist absolut wichtig, dass so zentrale Sektoren wie die Finanzwirtschaft Nachhaltigkeit nicht nur als “Auch-Thema” entdecken, sondern zum Mittelpunkt ihrer DNA machen. Der Finanzbereich sollte sich seiner Rolle im Wandel bewusst werden.“

Die Gründer von payactive, Mathias (CEO) und Manuel Born (COO) (v.l.n.r. / Foto: payactive GmbH)

Von der Piste in das Startup-Leben

Die Idee einer nachhaltigen Payment Plattform hatte Mathias. Als begeisterter Snowboarder kam dem Anwendungsentwickler zunächst die Idee eines Skipasses mit nachhaltiger Umweltabgabe. Als Idee zu klein für die Umsetzung, jedoch ideal als Startpunkt für payactive. Denn die Kernidee, die beiden Konzepten zugrunde liegt, ist dieselbe: Die Transaktionsgebühren aus dem Zahlungsverkehr werden an nachhaltige Abgaben gekoppelt. 

Das nötige Know-how sammelte Mathias als dualer Student bei der ING. Dort fand er heraus, wie mächtig die Welt der Zahlungstransaktionen ist. Da er sich für Nachhaltigkeit interessierte, war die Verbindung aus beiden Welten auch das Thema seiner Abschlussarbeit.

Co-Gründer Manu ist studierter Produktdesigner. Während seines Studiums in Helsinki begann er sich für die Rolle menschengemachter Systeme bei der nachhaltigen Entwicklung unserer Welt zu interessieren. Daraufhin machte er immer mehr Schritte in die nachhaltige IT-Entwicklung und beschäftigte sich damit, wie man nachhaltigere User Experience schaffen kann.

2020 gründeten die Brüder daraufhin payactive in Berlin, seinen Sitz hat das FinTech-Startup jedoch in Dresden. Dafür sprachen viele Gründe, erklären uns Manu und Mathias:

„Sachsen ist aus verschiedenen Gründen ein toller Standort. Erstens, weil man hier eine wunderbare Förderlandschaft und echten Support hat. Es gibt einen klaren Willen, junge Unternehmen, wie unseres, hier anzusiedeln, zu fördern und zu halten. Sachsen ist schon ein bisschen ein Gründungsgeheimtipp. Zweitens, weil man hier richtig tolle Mitarbeiter:innen finden kann. Alle haben richtig Lust und machen. So Menschen trifft man nicht überall.“

Verantwortungseigentum – Mehr Nachhaltigkeit dank innovativem Geschäftsmodell  

Als regeneratives Fintech ist payactive als Bezahldienstleister ein Exot im deutschen Finanzsektor. Dieser Status spiegelt sich auch in dem Geschäftsmodell des Startups wieder. payactive ist nämlich eine GmbH, die sich den Grundsätzen der Stiftung Verantwortungseigentum unterworfen hat, bzw. mit gebundenem Vermögen agiert. 

„Das Verantwortungseigentum ist eine Antwort auf die Rücksichtlosigkeit des Shareholder-Values“, erklärt Mathias. „Im Zuge eines größeren Wirtschaftsskandals haben wir uns gefragt, ob es auch bessere Arten des Wirtschaftens als Unternehmen gibt. Nach etwas Recherche sind wir auf das Modell Verantwortungseigentum gestoßen und haben uns sofort verliebt.“

Das Verantwortungseigentum kann man sich so ähnlich wie ein Familienunternehmen vorstellen, nur dass es die Verantwortung viel weiter definiert – quasi eine neue Version nachhaltiger Organisationen.  Im Verantwortungseigentum können Gewinne nicht einfach abgeschöpft werden. Ein Unternehmen kann auch nicht einfach gekauft und von woanders Stimmrechte ausgeübt werden. Aktuell will auch die neue Koalition diese neue Unternehmensform bekannter machen. 

Dieses Modell praktiziert das dezentral organisierte Startup nun bereits seit über zwei Jahren erfolgreich. Mittlerweile besteht das Startup aus 11 Personen. Darüber hinaus arbeiten noch einige Freelancer:innen an der gemeinsamen Mission, fast die Hälfte von ihnen im Development bzw. der Produktentwicklung. Speziell im Sales-Bereich sucht payactive aber noch nach guten Kolleg:innen. Wer im Team dabei ist, arbeitet in einem sehr agilen Umfeld, verspricht das Fintech.

„Wir sind aktuell ein selbstorganisierendes und dezentrales Unternehmen. Da wir zu Beginn von Corona gegründet wurden, haben wir uns auf Zusammenarbeit fast komplett ohne Büro konzentriert. Unser kleines Team sitzt zwischen Glasgow und Skopje verteilt und wir arbeiten in Video-Calls zusammen. Manchmal treffen wir uns. Aber wir haben uns sehr gut als rein virtuelles Team etabliert.“

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Nachhaltiges Wirtschaften für eine besser Zukunft 

Momentan verortet sich payactive irgendwo zwischen Seed- und Growth-Phase. Anfangs finanzierten die Gründerbrüder ihre Geschäftsidee komplett privat und über das Netzwerk. Später sorgte dann eine Beteiligung und eine Gruppe Business Angels für mehr Kapital und Unterstützung. Doch das Startup macht sich nichts vor:

„Finanzierung ist für Startups immer eine Herausforderung. Und insbesondere für regenerative Startups. Das Fintech-Umfeld ist sehr zahlengetrieben. Nachhaltiges Handeln klingt immer sehr gut und richtig. Aber wenn man dann kreativere, nachhaltigere Geschäftsmodelle kennenlernt, werden Investor:innen manchmal vorsichtig. Da arbeiten wir gerade dran, die Vorteile unseres Business Modells zu erklären.“

Die Gründer sind sich jedenfalls sicher, aktive Mitarbeiter:innen können das Unternehmen dank des Geschäftsmodells Verantwortungseigentum in die Zukunft führen, solange der Unternehmenszweck, mit dem Zahlungsverkehr einen nachhaltigen Impact zu schaffen, bestehen bleibe. Die Werte können somit in die Gemeinschaft rechtlich verankert werden. Für das Startup payactive sei diese Form des Wirtschaftens eine bessere für unsere Zukunft.


Habt ihr schon vom Verantwortungseigentum gehört, und was haltet ihr davon? Lasst es uns gerne in den Kommentaren wissen. Wir werden in Zukunft mehr über dieses Thema berichten. 

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