Öffentliche Förderungen für Startups in Mitteldeutschland

öffentliche Förderungen
Öffentliche Förderungen sind für viele Startups essenziell. Wir geben einen kleinen Überblick über die wichtigsten aus der Region.

Ein Startup braucht Geld. Dies ist erstmal eine anerkannte und einfache Aussage, richtig? Aber woher kommt das Geld? Nun, neben organischem Wachstum (bootstrapping) – also der Firmengründung ohne externe Finanzierung, spielen gerade in späteren Phasen externe Finanzierungsmöglichkeiten eine wichtige Rolle. Für die Seed-Phase und alles was sich in den späteren Phasen (Serie A, B usw.) befindet, kann eine Risikokapitalgesellschaft ein großer Gewinn sein. Aber für ganz junge Unternehmen gibt es eine Methode der externen Finanzierung, die stark unterschätzt wird – öffentliche Förderungen.

Co-Autor: Lennart Mehl

Bis zu 2.000 verschiedene öffentliche Förderungen in Deutschland

Es gibt rund 2.000 verschiedene öffentliche Förderungen für GründerInnen, die von der deutschen Regierung, der EU und regionalen Regierungen bereitgestellt werden. Diese hohe Zahl hat den Nachteil, dass sich GründerInnen von der großen Vielfalt der Förderungen oft überfordert fühlen. Doch insbesondere die mitteldeutschen Bundesländer bieten im Rahmen ihrer jeweiligen Landespolitik und der Innovationsorientierung attraktive Förderprogramme für ExistenzgründerInnen an. Wir haben die wichtigsten auf einen Blick für euch zusammengefasst:

  1. EXIST-Stipendium (Überregional)
  2. Technologiegründerstipendium  (Sachsen)
  3. EGO.-START & EGO.-Gründungstransfer  (Sachsen-Anhalt)
  4. Thüringer Gründerprämie & Existenzgründerpass (Thüringen)

Die aktuelle Förderperiode läuft in diesem Jahr aus, weshalb es sinnvoll ist, sich jetzt mit dem Thema auseinander zu setzen, um im nächsten Jahr top informiert zu sein. Dieser Artikel soll euch die Suche nach der richtigen Förderung für euch und euer Startup erleichtern.

1. EXIST-Stipendium (BMWi, Deutschlandweit)

Das EXIST-Programm ist eine berühmte und bekannte Initiative des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi). Das Programm hilft Studierenden und/oder wissenschaftlichen MitarbeiterInnen dabei, eine wissenschaftliche Idee zu verwirklichen. Über einen Zeitraum von 12 Monaten erhalten die GründerInnen jeweils zwischen 1.000€ – 3.000€ pro Monat (je nach Ausbildungsstand; Master, PhD) und bis zu 30.000€ für Sachkosten.

Voraussetzungen für die Antragstellung:

  • AntragstellerInnen sollten sich in der zweiten Hälfte des Studiums befinden oder der Abschluss einer/s wissenschaftlichen MitarbeiterIn sollte nicht länger als fünf Jahre zurückliegen.
  • Das GründerInnen-Team sollte nicht mehr als drei Leute umfassen.
  • Das Startup-Projekt muss innovativ und in irgendeiner Form technologiebezogen sein.
  • Die Idee braucht einen starken USP.
  • Die Universität muss Teil des Gründernetzwerks sein und dem/der GründerIn eine/n MentorIn und einen Arbeitsplatz mit der Verpflichtung zur kostenlosen Nutzung der Infrastruktur zur Verfügung stellen.
  • Normalerweise bewirbt sich die Universität im Namen der Gründer um das EXIST-Stipendium. An der Antragstellung sind die Universität und die GründerInnen gleichberechtigt beteiligt.

Die folgenden 6 Schritte müssen für die Bewerbung durchgeführt werden:

  • die Stifter übergeben der Universität ihr Konzeptpapier,
  • die GründerInnen benennen eine/n MentorIn aus der Universität,
  • das zuständige Startup Netzwerk vermittelt geeignete Coaches, welche die GründerInnen unterstützt,
  • die Universität muss nachweisen, dass sie Teil des Gründungsnetzwerks ist,
  • die GründerInnen mussten an einem Beratungstermin mit der Gründungsinitiative der Universität teilnehmen,
  • und die Universität leitet den Antrag an den Lead-Partner „Jülich PTJ“ weiter.

Das PTJ Jülich ist mit der gesamten Bewertung der Anträge für das EXIST-Programm beauftragt. Wenn eure Bewerbung erfolgreich ist, erhält eure Hochschule das Geld und leitet es an euch weiter.

Was passiert, nachdem man die Förderung erhalten hat?

Während EXIST müsst ihr mehrere Pflichtseminare besuchen, um einen Entwurf des Businessplans vorzulegen. Der endgültige Businessplan muss am Ende der zwölf Monate fertig sein. Zusätzlich ist es möglich, aber nicht obligatorisch, das Unternehmen innerhalb dieser 12 Monate zu gründen.

Wichtige Anmerkungen zu EXIST:

Einige Elemente müssen bei der Bewerbung berücksichtigt werden, zum Beispiel

  • sollte der Teil „Innovation“ sehr sorgfältig hervorgehoben werden.
  • Die Idee und/oder das Produkt sollte einen wissenschaftlichen Bezug haben. Gewerbliche Schutzrechte sind vorteilhaft, aber keine Voraussetzung. Es schadet nicht, die Patentierung zu planen.
  • Für eine Genehmigung ist ein homogenes Team, das eindeutig aus Know-how-Eigentümern besteht und das für die Einführung des Projekts geeignet ist, unbedingt erforderlich.
  • Oftmals ist der entscheidende Faktor für eine spätere Verbesserung ein externer Auftrag, z.B. zur Softwareentwicklung. Hier kann ein geplanter, bezahlter Einsatz eines Know-how-Eigentümers zu einem späteren Zeitpunkt vorteilhaft sein.
  • Ein Projekt kann wirtschaftlich sinnvoll sein, wenn es sich durch einen durchdachten Business Case mit ausreichend evaluierten Markt und Wettbewerb sowie einer nachvollziehbaren Finanzplanung auszeichnet. Übertriebene Excel-Tabellen sind ein Nachteil. Es lohnt sich, die Sache auf den Punkt zu bringen. Letztlich muss die Innovation ein bestehendes Problem lösen und einen echten Mehrwert für einen ausreichend großen Markt bieten.

weiter zum Technologiegründerstipendium (SAB, Sachsen)

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