Mit Coman Software zur Digitalisierung auf dem Bau

Die Hauptentwickler der Coman Software, Timur Ripke (l.) und Sven Kägebein steckten mehr als sechs Jahre Entwicklungsarbeit in ihre Software. Fotos: Coman GmbH)

Für ihre Ausgründung investierte bmp Ventures 1,2 Millionen Euro in die Coman Software GmbH aus Stendal. Mittlerweile ist ihre Technologie auf über 430 Baustellen im Einsatz.

Ein Gastbeitrag von Melanie Friedrichs, Univations GmbH / Investforum Startup-Service

Auch in der Anlagen- und Maschinenbranche hält die Digitalisierung Einzug. Sie kann wie der folgende Fall zeigt, viel Arbeit, Zeit und Geld sparen. Während große Anlagen-Bauprojekte in der heutigen Zeit digital geplant und meist auch simuliert werden, fehlte es dem Projektmanagement in der Umsetzung bisher an smartem Technologie-Einsatz. Stattdessen werden die digitalisierten Daten durch ausgedruckte Baupläne in Poster-Größe, handschriftliche Notizen, Tabellen und Terminvermerke im Kalender wieder analogisiert. Inmitten dieser Zettelwirtschaft als Projektkoordinator den Überblick zu behalten ist dabei keine leichte Aufgabe. Bereits 2009 wurde deshalb im Sektor des Automotive-Anlagenbaus der Wunsch nach einer intelligenten Lösung geäußert. Die beiden Hauptentwickler der Coman Software, Sven Kägebein und Timur Ripke, nahmen sich der Herausforderung an.

Echt-Zeit-Status mit einem Klick

Durch ihre Projekt- und Prozessmanagement-Software findet das Durcheinander ein Ende. „Alle Daten der digitalen Planung werden in der Daten-Hub gespeichert und vereinheitlicht“, erklärt Marketing-Leiter der Coman Software GmbH, Mats-Milan Müller im Gespräch mit startup-mitteldeutschland.de.

Durch Schnittstellen zu anderen Programmen lassen sich Tabellen, Checklisten und co., die beispielsweise durch Zulieferer übermittelt werden, leicht in das System einpflegen. Doch diese Menge an Daten ist fast unmöglich zu überblicken. Die Lösung für das Problem nennt Müller eine „neue Art der Visualisierung“. Durch mit den Meta-Daten verknüpfte „Smart Objects“, also spezifische Farb- und Formkodierung, gelingt es, komplexe Sachverhalte optisch schnell zu erfassen. Alle Komponenten werden dann auf der CAD-Vorlage übersichtlich dargestellt. Jeder Nutzer kann somit – sofern er dafür autorisiert ist – auf den Status einzelner Komponenten der Baustelle zugreifen und ihn aktualisieren.

Über die Coman Software können alle Beteiligten flexibel auf die Planungsunterlagen zugreifen – ob direkt auf der Baustelle oder im Büro.

„Nicht nur der Projektkoordinator, sondern Beteiligte auf der ganzen Welt ist es möglich, in Echt-Zeit den Status der Baustelle zu verfolgen“, beschreibt er.

Gründung mit 1,2 Millionen Euro Wagniskapital

Die Coman Software GmbH wurde im altmärkischen Stendal gegründet. Sie geht als Spin-off der Innovationsgesellschaft für fortgeschrittene Produktionssysteme in der Fahrzeugindustrie mbH (inpro) hervor. Das Unternehmen forscht als Joint Venture von Großkonzernen wie Volkswagen, Siemens, Daimler und Thyssenkrupp besonders im Automotive-Bereich. Bis zur Vorstellung des Coman-Prototypens im Jahr 2015 steckten bereits sechs Jahre Entwicklungsarbeit. Hinzu kam die Erfahrung aus über 30 Pilotprojekte in der durch die Geschäftsführer Timur Ripke und Sven Kägebein entwickelten Software. Von ihren Vorzügen ließ sich auch bmp Ventures AG überzeugen und investierten für die Ausgründung des Unternehmens im Februar 2018 Wagniskapital in Höhe von 1,2 Millionen Euro. Mittlerweile beschäftigt das ständig wachsende Unternehmen zwölf Mitarbeiter.

„Wir konnten ein erfolgreich getestetes und innovatives Produkt vorweisen, das durch die Joint Venture Partner bereits namhafte Kunden hat“, nennt Müller überzeugende Gründe für das Investment.

Als Verwalter der Risikokapitalfonds des Landes Sachsen-Anhalt spielte natürlich auch der Gründungsstandort in Stendal eine entscheidende Rolle. Sven Kägebein ist gebürtiger Altmärker und wollte zurück in die Heimat, weshalb die Wahl auf den Gründungstandort im Norden Sachsen-Anhalts fiel. In der Mitte zwischen Berlin und Wolfsburg geht man das Prinzip der kurzen Wege und hofft so auch für Pendler interessant zu sein. So handhabt es bereits der Berliner Timur Ripke und profitiert von der unkomplizierten Zugverbindung zwischen Stendal und der Hauptstadt.

Weitere Branchen erreichen

Eine mit Coman Software vergleichbare Lösung existiert derzeit nicht. Deshalb ist das altmärkische Startup zuversichtlich, sein gestecktes Ziel zu erreichen und bald alle großen Automotive-Konzerne im Bereich Projektmanagement abzudecken. Seit der Gründung kam die Software in über 430 realisierten Projekten zum Einsatz. Obwohl sie für die Bedürfnisse der inpro-Gesellschaftskonzerne konzipiert ist, will das Startup auch für den Maschinen- und Sondermaschinenbau sowie die Luftfahrt in den Fokus rücken, erklärt der Marketing-Chef Müller. Pilotprojekte mit Airbus beim Aufbau von Flugzeugen und Achenbach Buschhütten GmbH & Co. KG, Marktführer für Aluminiumfolienwalzwerke, zeigen bereits, dass die Software überall dort zur Anwendung kommen kann, wo viele Komponenten aufeinandertreffen und koordiniert werden müssen – ganz unabhängig von der Branche.