Mega-Exit für Dresdner Startup: Lovoo für 65 Millionen Dollar verkauft

Lovoo für 65 Millionen verkauft
Lovoo für 65 Millionen Dollar verkauft. Quelle: Stephan Lohse

Die US-amerikanische Meet Group übernimmt den deutschen Konkurrenten Lovoo für 70 Millionen Dollar (rund 58 Mio Euro). Fünf Millionen mehr könnten fließen, wenn das Startup bis zum Jahresende einen bestimmten Umsatz erreicht. Das gab Meet am Mittwoch bekannt. Die Amerikaner betreiben bereits mehrere konkurrierende Plattformen wie Hi5 oder MeetMe. Mit rund fünf Millionen aktiven Nutzern im Monat werde Lovoo aber die populärste Marke sein, erklärte The Meet Group am Mittwoch.

Alle Mitarbeiter behalten Job

Lovoo beschäftigt derzeit knapp 100 Mitarbeiter in Dresden und Berlin. Alle sollen laut Meet-Chef Geoff Cook ihren Job behalten. Das sagte der CEO dem Portal Wiwo Gründer. Dabei bleiben soll zunächst auch der Lovoo-Geschäftsführer Florian Braunschweig. Der umstrittene Gründer Benjamin Bak hingegen wird Lovoo nur noch während einer sechsmonatigen Übergangsphase begleiten. „Nach aufregenden fünf Jahren halten wir den Zeitpunkt für einen Verkauf für genau richtig“, so Bak gegenüber dem Portal.

Glücksfall für Gründer nach Skandal

Für die acht Gründer des Dresdener Startups kommt das einem Jackpot gleich. Lovoo steckte bis zum Hals in einem Skandal. Im Juni 2016 stürmten das LKA und die Polizei in Berlin und Dresden Büros des Startups. Bak und sein Mitgeschäftsführer Alexander Friede wurden festgenommen. Sie standen unter Verdacht, in ihrer Dating-App mit Fake-Profilen Nutzer getäuscht und damit einen Schaden in Millionenhöhe verursacht zu haben. Beide wurden gegen eine Kaution von 300.000 Euro kurze Zeit später aus der Untersuchungshaft entlassen. Das Verfahren wurde schließlich Ende September eingestellt – gegen eine Zahlung von 1,2 Millionen Euro. Bak und Friede wollten diese Summe privat zahlen, hieß es damals.

Über Lovoo

Seit dem Start 2012 hat sich Lovoo zu einer der populärsten Dating-Apps in Deutschland, Österreich und der Schweiz gemausert. Auch in Frankreich, Spanien und Italien gehört die App zu den Marktführern. Das Unternehmen warb zuletzt stets mit 60 Millionen registrierten Nutzern. Unklar war, wie viele Karteileichen darunter sind. Im Zuge der Übernahme legt das Startup nun relevante Zahlen offen. Demnach nutzten 1,9 Millionen Menschen die Lovoo täglich, auf monatlicher Basis sind es fünf Millionen.

Eine Besonderheit von Lovoo: Die Gründer, die sich schon vor dem Start der Dating-App an verschiedenen Online-Diensten probiert haben, finanzierten ihr Startup aus eigenen Mitteln. Einen Finanzinvestor holte man 2015 für die US-Expansion an Bord. Nachdem das Vorhaben scheiterte, kauften die Gründer ihre Anteile zurück. Weil Lovoo rasch bezahlpflichtige Dienste und Werbung eingeführt hat, war das Unternehmen früh profitabel. Wie die Meet Group angibt, habe Lovoo in den zwölf Monaten vor dem Verkauf knapp 32 Millionen Dollar umgesetzt. Etwa die Hälfte des Umsatzes entstehe dabei aus Abos, ein Viertel aus In-App-Käufen und knapp 30 Prozent aus Werbung.