Magdeburger Startup Vesputi revolutioniert den ÖPNV

Die Vesputi-Gründer Tabea Menhorn und Rene Meyer. Foto: Tom Schulze

Gastbeitrag von Laura Kühl, univations GmbH. Bea Menhorn und René Meye haben Informatik und Computervisualistik an der Otto-von-Guericke-Universität in Magdeburg studiert. Anschließend haben die beiden Vesputi gegründet – eine Software für interaktive Lagepläne und Fahrgastinformationssysteme. Schnelle und einfache Navigation von der Haustür bis zum Ziel. Mittlerweile sitzt das Vesputi-Team als im Office des SpinLabs und wird die nächsten sechs Monate intensiv an seinem Konzept feilen.

Vom Studentenleben zur Geschäftsführung – wie war das für euch?

Unsere Vorgründungszeit haben wir an der Uni in Magdeburg verbracht. Ein Freund von mir hat mich auf das Seminar ‚Startup-Engineering‘ aufmerksam gemacht. Damit war es möglich, die eigene Bachelorarbeit in Form einer Webentwicklung zu realisieren. Mein Dozent Graham Horton kam nach dem zugehörigen Praktikum zur Produktentwicklung auf mich zu und meinte, ich solle doch bei so viel Begeisterung mein Projekt tatsächlich in die Tat umsetzen. Er hat mich dabei gemeinsam mit seinem Team betreut. So hat mich eigentlich ein glücklicher Zufall in die Startup-Welt gebracht. Seit unserer Gründung von Vesputi werden wir vom Investforum Startup-Service betreut und beraten.

Wie ist eure Idee entstanden?

Im Laufe unseres Studiums haben wir uns so viel mit Digitalisierung beschäftigt und es ist aufgefallen, dass Karten und Lagepläne online immer noch wie auf Papier dargestellt werden. Ein Beispiel: ich suche einen Spezialisten auf einem großen Krankenhaus-Campus. Erstmal erhalte ich vor Ort ein PDF-Dokument, das zwar die genaue Lage des Untersuchungszimmers anzeigt, aber keine Navigation zu meinem Ziel bietet. Zuvor muss ich mit Google Maps den genauen Standtort der Klinik ausfindig machen und außerdem noch herausfinden, wo sich die erforderliche Bushaltestelle befindet. Durch etliche Medienbrüche gestaltet sich die Suche also sehr umständlich und wir hatten Lust darauf, das zu ändern.

Was war eure Lösung für dieses Problem?

Wir haben daraufhin MyCampusMap entwickelt. Damit können Hochschulen und Kliniken ihren Campus im Internet präsentieren und die Suche nach speziellen Räumlichkeiten wird so erleichtert. Dieses Programm nutzt jetzt das Universitätsklinikum Magdeburg. Wir haben jedoch erkannt, dass es ungemein schwierig ist, unsere Zielgruppe zu erreichen, da dies meist öffentliche Institutionen sind. Aufgrund der langen bürokratischen Entscheidungswege mussten wir auf eine fundierte Rückmeldung teilweise bis zu neun Monate warten.

Was hat euch dann geholfen?

Eine Matching-Veranstaltung des Investforum Startup-Services  in Halle hat unseren Werdegang dann entscheidend verändert. Zu diesem Zeitpunkt haben die Stadtwerke Halle und ihre Tochterunternehmen nach Innovationen gesucht, von denen sie profitieren können. Gleichzeitig hatten wir schon die Idee, unsere Software auch in größerem Rahmen für den Öffentlichen Personennahverkehr anzuwenden. Dabei geht es um die Verbindung des ÖPNV mit der konkreten Verortung von Haltestellen, Fahrkartenautomaten, Park & Ride-Plätzen oder Bike & Ride-Spots, sowie den Bahnen und Bussen selbst.

Was haben die Stadtwerke zu eurer Idee gesagt?

Unsere Idee ist bei der Halleschen Verkehrs-AG auf offene Ohren gestoßen und wir sind nach der Vorstellung unseres Vorschlags direkt in die Gespräche gegangen, denn auch bei der HAVAG wusste man um die Probleme der Kunden in Navigationsangelegenheiten. Im ÖPVN ergeben interaktive Lagepläne einfach Sinn, da hier alles in Bewegung ist. Veränderungen aufgrund aktueller Verzögerung oder Baustellen kommen häufig vor. Daraufhin haben wir beschlossen, mit Netz:Map aus dem geographischen Stadtplan eine Mobilitätsplattform zu machen. Seit Ende April können die Hallenser jetzt dieses interaktive Navigationssystem nutzen. Die Bahnen und Busse werden alle 20 Sekunden geortet und können so in Echtzeit verfolgt werden. So können die Fahrgäste genau erkennen, welche Bahnen gleich an der Haltestelle ankommen werden, oder ob sie ihre Verbindung noch erreichen können. Außerdem zeigt die Karte neben Informationen zum halleschen Nahverkehr und Baustellen auch die Standorte von E-Ladesäulen, Taxiständen, sowie Bike+Ride- und Park+Ride-Plätzen an.

Können auch andere Unternehmen Vesputi nutzen?

Da sich unser Konzept von MyCampusMap zu Netz:Map nochmal grundlegend geändert hat, haben wir momentan kein abgeschlossenes Geschäftsmodell. Unser aktuelles Projekt hat mit der HAVAG den bisher einzigen Kunden und wir werden mit der Zeit sehen, wie sich unser Konzept pauschalisieren lässt. Da es in der Branche des ÖPNV zum Glück wenig Konkurrenzdenken gibt, sind die verschiedenen Betriebe untereinander gut vernetzt, und auch hier stehen uns die Stadtwerke als Partner beim Networking und der Neukundengewinnung zur Seite.

Wer zahlt für die Dienstleistungen?

Unser derzeitiges Konzept ist in enger Zusammenarbeit mit den Stadtwerken entstanden, das heißt, dass wir das Programm genau auf die Bedürfnisse der HAVAG angepasst und entwickelt haben. So könnte das auch für zukünftige Kunden aussehen – es gibt einen Initialpreis, der für die Anpassung an das jeweilige Unternehmen veranschlagt wird. Anschließend bezahlt der Verkehrsbetrieb Nutzungsgebühren für unsere Software. Ob das eine realistische Finanzierungsmethode für uns ist, werden wir wohl erst in der Praxis herausfinden, wenn wir mit weiteren Kunden zusammengearbeitet haben. Mittlerweile haben wir über das SpinLab-Mentorenprogramm auch Kontakt zur Leipziger L-Group aufgenommen.

Was steht als Nächstes an?

Wir arbeiten seit eineinhalb Jahren Vollzeit an Vesputi und der Plan ist, dieses Projekt weiterhin hauptberuflich zu betreiben. Wir haben uns jetzt eine Frist von einem halben Jahr gesetzt, um den nächsten Kunden zu finden. Wenn das funktioniert, dann können wir eigenfinanziert weitermachen, das würde uns natürlich freuen. Für den Fall, dass die Kundengewinnung noch länger dauern sollte, suchen wir Investoren für die Weiterfinanzierung. Um Kundenakquise und Produktoptimierung für ein weiteres Jahr zu sichern, bräuchten wir dann eine Kapitalsumme von 250.000 Euro. Auch Expertenwissen ist für uns überaus wertvoll – wir sind noch nicht lange Unternehmer und haben wenig Erfahrung damit, wie Prozesse in großen Konzernen ablaufen und wie man potentielle Kunden findet und anspricht. Auch in Hinsicht auf Personal freuen wir uns über Unterstützung – Entwickler und Webdeveloper sind bei uns herzlich willkommen.

Steht eine Revolution des öffentlichen Personennahverkehrs bevor?

Einige Städte sind schon recht fortschrittlich und erkennen, dass sich eine Verkehrswende anbahnt. Die Fahrgäste wollen ihre Ressourcen kennen und ihre Transportwege effektiv planen. Wir sehen unsere Aufgabe deshalb darin, die Verkehrsbetriebe über die sich anbahnenden Neuerungen im Transportwesen aufzuklären und sie mit unserem Programm an diesem Prozess teilhaben zu lassen. Einige Verkehrsbetriebe nutzen schon Apps wie Easy Go zum Fahrkartenverkauf oder Öffi für die Routenplanung. Unser Ziel ist es, so viele Dienste wie möglich intermodal in einer App zu vereinen, das heißt uns mit anderen Anbietern zu verbinden und die Planung von Reiseketten für die Kunden so nutzerfreundlich wie möglich zu gestalten.

Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg!

Dieser Artikel erschien zuerst auf investforum.de.