Lab-on-Fiber

Chirurgische Fasersonden. Foto: Lab-on-Fiber GmbH

Die Lab-on-Fiber GmbH ist ein Startup aus Halle, das Lösungen für minimalinvasive Laserchirurgie entwickelt. Stephan Kufner, Gründer und CEO der Lab-on-Fiber GmbH hat uns ein paar Fragen beantwortet.

Hallo, bitte stelle dich und dein Unternehmen doch einmal kurz vor…

Ich heiße Stephan Kufner und bin Mitgründer und CEO der Lab-on-Fiber GmbH. Mein Diplom habe ich in Informatik und meine Promotion in Physik mit Schwerpunkt Mikrooptik und Mikrosystemtechnik gemacht. Nach mehreren Jahren Forschungsaufenthalt in Frankreich, Belgien und Deutschland an renommierten Universitäten und Instituten, habe ich mich aber dann mehr der industriellen Forschung, u.a. bei Motorola und Leoni, zugewandt. Zuletzt war ich Leiter R&D für die Leoni-FiberOptics GmbH. In 2017 habe ich dann zusammen mit Frau Dr. Ruzin Ağanoğlu, ebenfalls promovierte Physikerin und ehemalige Leiterin Entwicklung medizinischer Lasersonden bei Leoni-Fiber-Optics GmbH, die Lab-on-Fiber GmbH gegründet. Unsere Firma ist spezialisiert auf die Entwicklung und Produktion von smarten Lasersystemen für die minimal invasive Chirurgie. Momentan liegt unser Fokus auf Tumortherapien mit Hilfe von Laserbestrahlung.

Welchen Vorteil haben die von Lab-on-Fiber entwickelten Laser bei Operationen und auf dem Markt?

Unsere Lasersonden, mit deren Hilfe therapeutisches Licht minimal-invasiv in ein Gewebe eingestrahlt werden kann, können Temperatur und/oder Druckentwicklung während der Therapie in Echtzeit und ortsgenau messen. Darüber hinaus kommunizieren Laser und Lasersonden gemeinsam über eine aktive Rückkopplung, die es erlaubt, das benötigte therapeutische Licht reguliert nach gemessenen Temperatur- und/oder Druckwerten zu steuern. Damit ist eine sehr hohe Therapiesicherheit und -wirksamkeit garantiert und darüber hinaus wird eine nicht toxische Tumorbehandlung ermöglicht (im Gegensatz zur Chemotherapie). Diese Eigenschaften sind bisher im medizinischen Markt so noch nicht gegeben.

Wann und wie entstand die Idee ein Unternehmen zu gründen?

Die Gründung der Lab-on-Fiber GmbH war die Konsequenz aus vielen Gesprächen, die wir im Vorfeld mit Ärzten und medizinischen Laserherstellern geführt haben. Wir haben die Frage gestellt, was fehlt noch, was könnte verbessert werden, welche Herausforderungen gibt es? Die Antworten kreisten oft um die Themen‚ mangelhafte Kontrollierbarkeit und Wirksamkeit bei der Laserbehandlung. Dies führte in der Vergangenheit häufig dazu, dass Laser als ungeeignet, vor allem in der Onkologie und Krebsbehandlung, betrachtet wurden. Durch effektive Umsetzung unserer Expertise in der Faseroptik und unsere langjährigen Erfahrungen in medizinischen Anwendungen und im medizinischen Markt konnten wir diese Probleme beheben helfen. Als uns das klar war, ging die eigentliche Gründung sehr schnell und innerhalb eines halben Jahres entstand die Lab-on-Fiber GmbH.

Was war bisher die größte Herausforderung?

Die größte Herausforderung lag sicher darin, eine gute Karriere und sichere Jobs als Angestellte eines großen Konzerns hinter uns zu lassen und neu anzufangen. Aber die Lust auf die Herausforderung und die Überzeugung, dass unsere Idee funktionieren würde, haben uns unsere Bedenken als nicht so wichtig erscheinen lassen.

Bei der Produktentwicklung im medizinischen Bereich müssen viele Studien und Stadien durchlaufen werden. Ist das manchmal schwierig? Würdet ihr euch manchmal mehr Unterstützung wünschen? Wenn ja, welche?

Man kann das so oder so sehen. Eine gute Design-Studie, erstellt mit Fachexperten, ist der Eckstein für eine neue Zulassung. Während der Studie bekommt man zwangsläufig neue und interessante Einsichten, die man wiederum für den Markt umsetzen kann. Heutzutage gibt es viel mehr Bedarf für die Erschließung neuer Anwendungsgebiete des Lasers als für neue Laserentwicklungen. Deswegen muss man über den Tellerrand gucken. Natürlich würde hier mehr Unterstützung helfen, z.B. wenn die verantwortlichen Behörden die Prüfstellen öfter und besser kontrollieren würden, wenn Produktzertifizierungsverfahren besser organisiert wären, oder wenn generell kompetenteres Fachpersonal in Prüfstellen und Behörden während der Festlegung eines Zertifizierungsverfahrens zur Verfügung stünden.

Wo steht ihr gerade mit eurem Laser und was sind die zukünftigen Pläne?

Momentan haben wir erste Prototypen, die für eine klinische Verifizierung zur Verfügung stehen. Dafür arbeiten wir mit mehreren Kliniken auf der ganzen Welt zusammen. Bis 2020 erwarten wir erste Produkte im Markt.

Wie sieht eure Finanzierung aus? (vergangen, aktuell, zukünftig)

Wir haben darauf geachtet, die Kosten zu Beginn so gering wie möglich zu halten. Seit April 2018 sind wir ein Portfoliounternehmen der IBG Beteiligungsgesellschaft. Die bmp Ventures hat aus dem durch sie verwalteten IBG RKF III in uns investiert und wir sind momentan in der Planung für eine neue Finanzierungsrunde.

Was ist der beste Rat, den ihr in eurer Gründung bekommen oder selbst gelernt habt?

Nicht aufgeben, an die eigenen Stärken glauben und diese auch nutzen.