Ilmsens GmbH – Deep-Tech aus Thüringen

Gründer der Ilmsens GmbH – von links: Ralf Herrmann, Hans-Christian Fritsch, Kai Schilling, Martin Kmec und Jürgen Sachs.

Vor vier Jahren hat Hans-Christian Fritsch gemeinsam mit seinen Mitgründern die Ilmsens GmbH gegründet. Mittlerweile hat sich das Startup gut etabliert und wächst. Die Innovation, mit der sich das Team aus Ilmenau beschäftigt, nennt sich Ultrabreitband Sensorik. Wir haben Hans-Christian Fritsch und Angelika Stern interviewt. 

Hans-Christian Fritsch, Mitgründer und Geschäftsführer von Ilmsens.

Stellt euch und das Team vom Ilmsens zu Beginn doch kurz vor. 

Hallo, wir sind Hans-Christian Fritsch, Geschäftsführer von Ilmsens, und Angelika Stern (Projektcontrolling und Marketing). Unser Team besteht aus derzeit 22 MitarbeiterInnen, wovon fünf die Ilmsens GmbH im April 2016 gegründet haben. Der fachliche Hintergrund ist dabei sehr breit gefächert. Er reicht von BWL über Mathematik, Elektrotechnik, Maschinenbau bis zu Medien und Kommunikation. Damit sind wir gut aufgestellt. Da wir stetig wachsen, freuen wir uns über Bewerbungen auf unsere Stellenausschreibungen sowie über Initiativbewerbungen. 

In welchen Bereichen kommt eure Innovation, die Ultrabreitband-Sensorik zum Einsatz?

Wir haben uns mit der Ultrabreitband-Technologie in zwei Richtungen entwickelt. Das ist zum einen die Impedanzspektroskopie, einfacher gesagt die Flüssigkeitsanalyse und zum anderen der hochauflösende Nahbereich. Beide Anwendungsbereiche kommen in vielen verschiedenen Bereichen zum Tragen. 

Die Flüssigkeitsanalyse kommt beispielsweise in der Industriereinigung, der Lebensmittelindustrie, der Qualitätskontrolle oder auch der vorausschauenden Wartung vor. Dabei können wir Fragen beantworten wie „Wie hoch ist die Konzentration des Reinigungsmittels in einem Reinigungsbecken?“, „Wie hoch ist der Eiweißgehalt der Milch?“, „Enthält die abgegebene Flüssigkeit unerwünschte Zusätze?“, oder „Ist es möglich, eine Verschleppung, z.B. aus einem Kühlschmiermittel, in nachfolgende Prozessschritte zu erkennen und die Quelle zu identifizieren?“. Die Analyse von Flüssigkeiten erfolgt dabei kontaktlos, also ohne dass wir Proben entnehmen müssen und in Echtzeit. Das Messergebnis liegt direkt vor. 

Mittels der Nahbereichssensorik machen wir Radarmessungen mit höchster Präzision zur Erkennung, Ortung und Bestimmung von Objekten im Bereich bis zu 10 Metern. Dabei ist unsere Technologie so empfindlich, dass wir beispielsweise den Herzschlag eines Menschen anhand der Bewegung der Haut bestimmen können (Stichwort Vitaldatenerfassung). Das ist berührungslos und durch Kleidung möglich. Überdies kommt die Nahbereichssensorik bei der Bewegungserkennung, der Feuchtigkeitsbestimmung, der Defekterkennung (z.B. in Salzbergwerken, Abwasserkanälen, Tunneln), der Erkennung von Objekten (z.B. Gemüse im Boden, Karzinomgewebe) oder bei Fahrer-Assistenzsystemen zum Einsatz.

Für wen ist die Lösung bestimmt? 

Eine einfache Antwort auf diese Frage ist nicht möglich, da unsere Plattform-Technologie extrem vielseitig ist. Wir arbeiten mit Partnern, die mit unseren Sensoren ihre Produkte weiterentwickeln. Dabei kommen wir selbst selten in Kontakt mit den Endanwendern. Vielmehr bringen unsere Kooperationspartner das Markt- und Domainwissen mit.

Wie ist die Innovation entstanden? 

Ilmsens ist eine Ausgründung aus der TU Ilmenau. Bereits seit 2000 arbeiten unsere IngenieurInnen an unserer Plattform-Technologie, die stets weiterentwickelt wird. Ergebnisse aus der Universität sind allerdings immer ein Forschungsergebnis und noch kein marktfähiges Produkt. Daher haben wir 2016 die Ilmsens GmbH gegründet, um genau daran – dem marktreifen Produkt – zu arbeiten. 

Wie verlief der Ausgründungsprozess aus der TU Ilmenau für euch, und was ist seitdem passiert? 

Nach unserem Einzug ins Technologie- und Gründerzentrum in Ilmenau im Februar 2016 haben wir zwei Monate später die Ilmsens GmbH gegründet. Die Universität hat uns sehr unterstützt und gefördert. So wurden wir beispielsweise in der Vorgründungsphase durch erfahrene Berater begleitet.

In den letzten zwei Jahren konnten wir 12 neue Mitarbeiter gewinnen und in Košice in der Slowakei einen zweiten Standort aufbauen. Dazu haben wir an Kooperationspartnern gewonnen. Das alles trägt dazu bei, dass die Personalzahlen weiter steigen und unser Umsatz wächst.

Wer hat euch bei der Finanzierung geholfen? 

Gestartet sind wir mit dem EXIST-Forschungstransferprojekt. Dieser Förderung war genau das richtige Instrument für uns, um den Schritt aus der Universität heraus hin zu einem Startup zu gehen. Gerade als Deep-Tech-Startup mit eigenen Halbleiterlayouts haben wir langfristige Herstellungsprozesse. Für das Wachstum und die Entwicklung der Firma und der Technologie haben wir dann Investoren in die Firma geholt.

Wie nehmt ihr Thüringen und speziell Ilmenau als Gründungsstandort wahr? 

Es war definitiv die richtige Entscheidung, in Ilmenau zu gründen. Durch die Nähe zur Universität arbeiten immer wieder Studierende als wissenschaftliche Hilfskraft oder WerkstudentIn bei uns. Einige von ihnen übernehmen wir nach ihrem Studienabschluss. Dazu ist es für uns als Startup opportun, dass wir Räumlichkeiten im Technologie- und Gründerzentrum flexibel mieten und bei Bedarf weitere Räume hinzumieten können.

Historisch gesehen ist Ilmenau stark im Bereich Sensorik, sodass ein entsprechendes Umfeld an Arbeitnehmern und Kooperationsfirmen vor Ort sind. 

Diesen Sommer hat die Stadt Ilmenau außerdem den zweiten Platz (hinter Passau) als familienfreundlichste Stadt in Deutschland belegt. Es ist für uns und unser Team natürlich beruhigend, unsere Kinder gleich um die Ecke in guten Händen zu wissen. Denn in Ilmenau ist es selbstverständlich, dass jedes Kind einen Krippenplatz erhält. So können wir uns voll und ganz auf unsere Arbeit konzentrieren. 

Welches Ziel steht momentan ganz oben auf eurer Agenda?

Derzeit arbeiten wir an der Weiterentwicklung unseres Produkts bzw. unserer Technologie. Da steht als Nächstes die Miniaturisierung an. Die erste Generation des Evaluationskits vermarkten wir aktuell schon. Ferner benötigen wir neue MitarbeiterInnen, damit wir all unsere Projekte erfolgreich und fristgerecht bearbeiten können.

Welche Tipps würdest du dir und deinem Team mit auf den Weg geben, wenn ihr nochmal gründen würdet? 

Bleibt dran, ihr seid auf einem guten Weg! 

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