Wie drei Unternehmer eine traditionelle Business Nische revolutionieren – TEIL 1

Impact Hub Dresden

Interview von Natalia Krakowiak

Das eigene Business zu starten ist kein Spaziergang — schon gar nicht mit drei Kindern. Felix, Geche und René wollen nicht nur zeigen, dass es möglich ist, sondern auch, dass es in einer sehr unkonventionellen Business Nische möglich ist; nämlich mit Industrie Containern. Die Idee der drei Unternehmer ist simpel, wie elegant: Eine Plattform zu gründen, welche Unternehmen vernetzt, die gebrauchte Container an jene verkaufen, die diese weiterverwenden. Dabei handelt es sich meistens um Fässer aus Metall oder Plastik und Intermediate Bulk Containers (—werden oft für den Transport und die Lagerung flüssiger Stoffe verwendet).

Wie seid ihr auf die Idee von Packwise gekommen?

Felix: Ich hatte eine rudimentäre Version dieser Idee während meiner Zeit als UK General Manager für eine internationale Verpackungsfirma. Das Unternehmen und vor allem die Abteilung in der ich arbeitete, suchte nach Wegen die eigene Rentabilität zu verbessern. Das Unternehmen produzierte neue Teile, die an Chemiekonzerne verkauft wurden, die diese später mit ihren eigenen Produkten füllten und zu ihren Kunden verschifften. Ich suchte nach Verbesserungen in der Kostenstruktur, während ich nebenbei herauszufinden versuchte, wie man neue Business Modelle schaffen und effektiver verkaufen könnte. Während ich in der Lage war diese Idee in den UK zu implementieren, hatte das Unternehmen Schwierigkeiten diese Idee Europaweit umzusetzen.

Was war deine Idee, um diese Business Nische zu ändern?

Felix: Wir, das Packwise Team, entwickelten diese Grundidee nochmal weiter indem wir nach neuen Wegen suchten, allen Wert abzubilden, der durch die Zuwendung an die ganze Lieferkette zu erreichen wäre. Wir fanden heraus, dass nachdem der Inhalt der IBC benutzt wurde, diese leeren und dreckigen Container einfach nur gelagert und so verschwendet wurden. Es gibt eine Industrie, die dafür verantwortlich ist diese Container einzusammeln und zu säubern, damit diese wieder bereit zum Nutzen sind, aber das ist eher ineffizient. Als Ergebnis wird die Verpackung leer herumgeschickt für einen unnötig lange Distanzen oder ist nicht ausreichen erneuert. Wir wollten das ändern. Das war der Moment als uns klar wurde, dass wir unser eigenes Startup gründen müssen.

Warum handelt es sich um eine große Innovation?

Felix: Wir wenden neue digitale Kommunikations-Tools auf die Welt der Verpackungsindustrie an. Dieses Projekt steigert massiv die Effizienz und vermeidet dadurch den Ressourcen Verbrauch. Packwise ist sehr wertvoll für unsere Kunden, weil unser optimierter Prozess ihren Arbeitspensum reduziert. Ohne Packwise kann Verpackungen zu verkaufen sehr langwierig sein und lange Wartezeiten unterstützen noch die Ineffektivität des Prozesses. Mit unserer Plattform brauchen die Kunden signifikant weniger Zeit mit der Entsorgung ihren leeren Verpackungen. Einfacher Marktzugang, Gesamtmanagement für Bestände und Logistik und einfacher Zugang zu relevanten Dokumenten sind Packwise’s Schlüssel USPs. Durch das Erschaffen eines transparenten Marktes finden unsere Kunden eine perfekte Kombination zu einem fairen Preis.

Packwise bietet zwei gegensätzliche Produkte, die dieselbe Industrie beliefern. Erstens ist Packwise eine Plattform, die sich am besten als Ebay für benutzte Industrie Verpackungen. Million von Metall- und Plastiktonnen, sowie IBC werden als Einmal-Verpackungen verwendet, um Flüssigkeiten zwischen Unternehmen zu transportieren. Die Packwise Plattform ist eine Digitaler Marketplace, der sicherstellt, dass diese benutzen Verpackungsformen den industriellen Nutzer erreichen, der den größten Nutzen davon hat.

Zum Glück müssen wir das Rad nicht neu erfinden. Jede genutzte industrielle Verpackung ist bereits eingesammelt und wiederaufbereitet von einem kompetenten Unternehmen. Aufgrund von fehlender Transparenz und Marktineffizienz werden die Verpackungen leider leer über unnötig lange Strecken versendet und/oder nicht effizient wiederaufbereitet. Als eine digitale Plattform ist Packewise perfekt geeignet, um Unternehmen miteinander zu verbinden und den Prozess effizienter zu gestalten.

Startup Packwise
Packwise Kreislauf

Das zweite Busniness Modell nennt sich Packwise Loopz und möchte die Art wie industrielle Verpackungen eingesetzt werden fundamental ändern. Anstatt Tonnen und IBC als Einmal-Verpackungen zu verwenden, ermöglicht es Packwise Loopz den Unternehmen, die die Verpackungen befüllen, ihre Verpackungen in Lebenszyklen oder Kreisen zu organisieren. Als Web Applikation ist Packwise Loopz so verantwortungsvoll erstellt und automatisiert so viele Prozesse, dass dieser komplexe Markt einfach gehandhabt und von nur einer Person überprüft werden kann. So ermöglicht es Packwise sogar SME’s in diesem nachhaltigen und kosteneffizienten System teilzunehmen. Die Kombination von Packwise Plattform und Loopz wird es Kunden ermöglichen, automatisch zu überprüfen, wie sie ihre benutzten Verpackungen am besten managen können, ob das nun heißt die Verpackungen an ein Unternehmen in der Nähe zu verkaufen oder es zurück zum Sender zu schicken.

Was ist eure Mission bei Packwise?

Felix: Mission scheint ein zu starkes Wort zu sein, aber die Mitglieder des Packwise Teams mögen es all diese powervollen Tools zu kombinieren — wie Cloud Computing Big Data Analytics und Mobile Devices — um einem Netzwerk an Nutzern zu helfen, eine optimale Lösung für ein komplexes Thema zu finden. Wir lieben die Tatsache, dass man neben Geldeinsparungen für die Kunden, wir es ihnen auch ermöglichen, die Umweltbelastung durch Verpackungen zu reduzieren. Das fühlt sich einfach richtig an!

Ich kann mir vorstellen, dass es keine leichte Entscheidung war ein Business zu gründen?

Gesche: wir haben das Unternehmen gegründet, da waren unsere Zwillinge fast ein Jahr alt. Natürlich war Kinderbetreuung ein wichtiges Thema am Anfang, aber wir haben einen sehr guten Kindergarten für unseren älteren Sohn gefunden und entschieden dass die Mädchen dort auch hingehen werden. Das gute war, dass ich meinen Job nicht kündigen musste oder alles auf einmal aufgeben, weil ich im Mutterschaftsurlaub war. Es fühlte sich eher nach einer guten Gelegenheit an, als etwas aufgeben zu müssen. Kein stetiges Gehalt zu haben, führt natürlich dazu, dass man sich fragt wie man seinen Lebensunterhalt bestreiten soll, aber wir hatten beschlossen unser Gespartes zu nutzen und es zu probieren. Wir hatten entschieden, dass wir ein Jahr haben unser Bestes zu geben und versuchen etwas zu erreichen.

René: ich war immer schon Selbstständig, also war es keine schwierige Entscheidung für mich. Ich war von der Idee überzeugt, also war es eine einfache Entscheidung für mich.

Felix: Mir hat das Arbeiten für meine beiden vorherigen Arbeitgeber gut gefallen. Ich habe viel gelernt, ich habe Erfahrung sammeln können und habe solide Fähigkeiten entwickelt. Doch ich fühlte auch, dass es vielversprechende Möglichkeiten gab, von denen ich meinen Arbeitgeber nicht überzeugen konnte sie zu nutzen. Als Geche und ich darüber nachdachten unser eigenes Unternehmen zu gründen, haben wir unseren Sohn und unsere Neugeborenen Zwillinge aufgezogen. Wir hatten das lange diskutiert und haben uns von Industrie Experten beraten lassen. Die dachten unsere Idee wäre vielversprechend und wir haben seine sehr unterstützende Familie in der Nähe, also haben wir entschieden dass es die richtige Zeit für Packwise wäre. Wir hatten sehr viel Glück, dass wir René gefunden haben, der bereit war mitzumachen und es schaffte, die Idee in eine funktionierende Applikation umzusetzen.

Was sind eure persönlichen Risiken? Was sind die Hauptherausforderungen für Packwise’s Erfolg?

Felix: Wir haben das im Team diskutiert und waren uns einig, wenn wir es nicht schaffen die Idee umzusetzen wird es ein anderer tun. Um deutlich zu sein, wir alle haben einen Plan B falls Packwise nicht erfolgreich wird. Mit Kindern daheim muss man das Risiko schon vor Augen haben. Bezüglich unsere Business Modells wussten wir, dass wir uns auf die Bedürfnisse unserer Kunden fokussieren müssen und gleichzeitig Packwise entwickeln. Ich war überrascht als ich erfuhr, dass die meisten Startups scheitern, weil sie es nicht schaffen ein Produkt zu entwickeln, welches die Bedürfnisse des Marktes adressiert. Das ist der Grund warum wir von Beginn an verschiedene Nutzer für unsere zukünftigen Produkte mit involviert haben. Aber neben positivem Feedback, weißt du trotzdem nicht ob du Erfolg haben wirst mit deiner Lösung, bis du es schaffst Geld damit zu verdienen. Wir versuchen manche der „unkown unkowns“ zu identifizieren, die ein Risiko für jedes Startuo früher oder später werden.

René: Ich stimme Felix zu. Als ein Vater von drei Kindern kann man nicht Kamikaze-mäßig ins Abenteuer springen. Aber die aktuelle Menge an Nachfragen für Entwickler gibt mir die Sicherheit, dass ich weitere Projekte finde, wenn das nötig sein sollte.

Wann seid ihr dem Impact Hub Dresden beigetreten?

Gesche: I kam 2012 in Kontakt mit dem Impact Hub Zürich, aber nur als Zuschauer bei Konferenzen und Talks. Ich erinnere mich noch gut daran, wie aufgeregt alle waren wegen dem neu eröffenten Hub in Zürich und ich liebte die Atmosphäre dort. Ich hatte wirklich Glück eine der ersten Mitglieder des Impact Hub Dresdens zu sein. Das Timing war einfach perfekt für uns.

René: da meine Freelancertätigkeiten remote Tätigkeiten für deutsche Unternehmen hauptsächlich aus Westdeutschland waren, habe ich viel in Coworking Spaces gearbeitet. Anfang 2017habe ich von der bevorstehenden Eröffnung des Impact Hub Dresden gehört. Ich kannte Julian (einen der Co Founder des Hub) von Events seines vorherigen Coworking Office. Er hat mich herum geführt und ich war gleich überzeugt hier her zu kommen. Ich arbeite hier seit April. Verglichen mit anderen Coworking Spaces gibt es hier eine viel lebendigere Community im Hub.

Felix: Ich bin dem Impact Hub schon ganz am Anfang beigetreten, als es hier nur wenige Stühle und Tische, aber Internet Anschluss gab. Ich musste den Kaffee zwar im Café um die Ecke kaufen, aber es war eine lustige Erfahrung und ich hatte alles was ich brauchte. Es war das erste Mal für mich, dass ich in einem Coworking Space arbeitete, aber das Impact Hub Team hat diesen Übergang für mich leicht gemacht und ich fühlte mich seit Tag eins wie daheim.

Inwieweit hat sich ihr Unternehmen seitdem verändert?

Felix: Als wir Impact Hub beigetreten sind war unsere Idee nicht mehr als ein paar Zeichnungen auf Papier. Seitdem hat sich einiges verändert. Wir haben es geschafft einen soliden Businessplan zu schreiben und fanden einen rundum perfekten Entwickler mit René gefunden. Seit René dem Team der Gründer beigetreten ist hat er einen Prototypen programmiert, der uns geholfen hat sehr wertvolles Kundenfeedback und viele LOIs zu bekommen. Wir haben es auch geschafft ein Funding aufzubringen, unsere Markenpositionierung und unser Corporate Design mit Hilfe des The Makers Club zu entwickeln. Eine sehr unterstützende Agentur, die auch im Impact Hub sitzt. Wir trafen die Makers Club Mitglieder und wir haben sehr von ihren Erfahrungen zur Gründung ihres Unternehmens Stadt.Land.Netz profitiert, neben der Nutzung ihrer Designs und ihrem Marketing Service. Insgesamt haben wir ein sehr hilfreiches Netzwerk innerhalb der Dresdner Startup Community gefunden und wir sind sehr glücklich mit den Fortschritten die wir bisher gemacht haben.