ICO-LUX macht Versicherungsbetrug schwerer

ICO-LUX
(Foto: Jonas Friedrich) Das Gründerteam von ICO-LUX

Versicherungsbetrug durch gefälschte Belege besser entlarven zu können hat sich das frisch gebackene Gründerteam der ICO-LUX GmbH zum Ziel gesetzt. Das Startup aus Jena wurde im Juli 2018 gegründet und ist darauf spezialisiert, Fotos von Rechnungen und anderen Belegen auf Betrugshinweise zu überprüfen.

Das Gründerteam

Lars Winterfeld hat in Ilmenau Physik und IT studiert und promovierte im Bereich Computational Physics. Dort lernte er auch Dr. Stefan Brechtken kennen, der Mathematik studierte und in dem Bereich auch promovierte. Die TU Ilmenau hat gute Kontakte zu verschiedenen Versicherungen. In einem Gespräch wurde deutlich, dass Versicherungen immer wieder vor dem Problem gefälschter Dokumente und Belege stehen. Dieses Problem durch eine bildbasierte Betrugserkennung zu lösen setzen sich die beiden zum Ziel und holten sich dafür Jan Franke ins Team. Franke studierte Volkswirtschaft in Jena und arbeitete bereits drei Jahre bei der KPMG im Transaction Support.

Das Problem des Versicherungsbetrugs

Die Digitalisierung macht vieles leichter, manches aber auch komplizierter. Belege in Form von Fotos/Scans per App oder Mail einzusenden, ist für viele unkompliziert, für die Versicherungen ist es allerdings schwierig dabei zu erkennen, ob die Belege echt sind. Private Krankenkassen bekommen beispielsweise um die 200.000 Belege am Tag. Es gibt keine Sachbearbeiter, die die Zeit haben jeden eingereichten Beleg genau zu prüfen. Eine Überprüfung jedes Dokuments durch Sachbearbeiter wäre auch schlicht zu teuer. Deshalb werden die Belege automatisch eingelesen und in der Regel einfach ausgezahlt. Studien (PWC, BearingPoint, GdV) haben gezeigt, dass rund 1% der eingereichten Belege allerdings gefälscht sind. Bei einer großen Versicherung kann es sich dabei um Millionenbeträge handeln. Die Versicherungen haben also großes Interesse daran, dass dieses Problem irgendwie gelöst wird.

Und hier setzt der Algorithmus von ICO-LUX an. Ihre Software prüft automatisiert Bildmerkmale von eingeschickten Rechnungen, Arztrezepten etc. und das sogar, wenn diese per Smartphone-Foto oder Email-Anhang in niedriger Qualität eingereicht wurden. Die ICO-LUX-Software lässt sich selbstverständlich datenschutzkonform in die IT-Struktur von Versicherungen einbinden. Für jede Versicherung müssen individuelle Anpassungen an der Software vorgenommen werden. Momentan arbeiten sie eng mit einer PKV zusammen, weshalb das Produkt derzeit speziell auf die Bedürfnisse Privater Krankenkassen und dort häufig auftretende Betrugsmuster angepasst ist. Das Besondere an ICO-LUx ist, dass die Software sich die Bilder der Belege anschaut, also eine optische Belegprüfung durchführt. Das ist, als ob ein Sachbearbeiter das tun würde, nur eben voll automatisch und deutlich genauer. Das ist so bisher einzigartig.

Finanzierung, Stolpersteine und Rat für ICO-LUX

Die ICO-LUX GmbH hat eine EXIST-Finanzierung von EU und Bund bekommen. Damit konnten die Gründer ihre Idee ausreifen und ihre Software programmieren. Inzwischen gibt es zwei Versicherungen, die in das Unternehmen investieren wollen. Mit dem Investment wollen die Gründer das Team ausbauen und so suchen sie nun nach passenden Entwicklern.

Als Herausforderungen bei der Gründung benennen die Gründer die Suche nach Mitarbeitern und den passenden Räumlichkeiten. Allerdings hat sich die Zusammenarbeit mit einer Marketing-Agentur als größter Stolperstein herausgestellt. Die Gründer wussten, man sollte sich die Namens- und Logorechte sichern. Was sie nicht wussten: man sollte sich auch besser die Website-Domain sichern. Nachdem die Gründer eine Marketing-Agentur beauftragt hatten die Gestaltung des Logos und der Website zu übernehmen, kam der Schock: Die Marketing-Agentur sicherte sich die Domain-Rechte und das Startup sah hohe Kosten auf sich zukommen. Es blieb den Gründern nichts anderes übrig, als schnell zu handeln und sich alle Rechte rund um einen neuen Namen herum zu sichern. Schnell nachgedacht und ihre Latein-Kenntnisse genutzt kamen sie auf ICO-LUX. Ico steht für Icon (also Bild) und Lux für Licht. Man könnte also sagen, das Startup wirft ein neues Licht auf digitale Bilder.

Auf dem Weg ihrer Gründung erhielt das Team aber auch viel Hilfe. Zum einen half ihnen der K1 Gründerservice der Universität Jena und das auftakt. Gründerforum Ilmenau. Außerdem unterstützte sie die studentische Unternehmensberatung JenVision e.V. bei der Marktrecherche. Ein guter Rat, den die Gründer erhalten haben und den sie gerne auch mit anderen teilen, ist: Stellt ein heterogenes Team auf die Beine!