Der HHL SpinLab Investors Day 2020 Vol. 2

Willkommen zurück! Der zweite HHL SpinLab Investors Day des Jahres fand unter entsprechenden Corona-Auflagen in einem hybriden Format im Hyperion Hotel Leipzig statt. (Foto: Daniel Reiche)

Ein bisschen hat es sich nach Normalität angefühlt. Gemeinsam haben das SpinLab – The HHL Accelerator und die HHL Leipzig Graduate Shool of Management die Herausforderung gewagt und den zweiten HHL SpinLab Investors Day 2020 in einem hybriden Veranstaltungsformat umgesetzt.

Mit genug Abstand und vielen bunten Masken sind vermutlich zum ersten Mal seit dem Ausbruch des Coronavirus wieder Startups und InvestorInnen aus der Region “in Echt” aufeinander getroffen. Zusätzlich wurde das Event aus dem Hyperion Hotel Leipzig live gestreamt und Speaker sowie GründerInnen aus dem Homeoffice dazu geschaltet. Thematisch hat sich dieses Mal alles um Nachhaltigkeit in Investments gedreht.

Fotos: Daniel Reiche

Startups und nachhaltiges Investment – So verlief der zweite HHL SpinLab Investors Day 2020

Man sah es trotz der Masken in den Gesichtern der rund 140 TeilnehmerInnen (On- & offline) des zweiten HHL SpinLab Investors Day: Es tat gut wieder unter Menschen zu sein. Gekommen waren sie natürlich wegen der Startups, 14 an der Zahl – davon 8 aus der aktuellen Klasse des SpinLab Programms – pitchten zwischen Panel Talks und KeyNotes zum Thema nachhaltiges Investment ihre innovativen Geschäftsmodelle. Sie alle sind auf der Suche nach Kapital, aber auch nach wertvollen Kontakten und nach langer Zeit in Corona-Isolation sicherlich auch einfach mal wieder nach echtem Austausch untereinander.

Eric Weber (CEO SpinLab) und Stephan Stubner (Direktor HHL) hießen alle TeilnehmerInnen zum ersten hybriden HHL SpinLab Investors Day willkommen und betonten vor allem die Vorteile des neuen Event-Formates. Die “Kombination der Vorteile der Online- und Offline-Welt“ garantierte den Erfolg der Veranstaltung, sie ermöglichte sowohl Einzelgespräche über eine spezielle Event-App als auch vorbereitete Sitzplätze mit der erforderlichen Entfernung. Für die meisten RednerInnen und TeilnehmerInnen war es die erste persönliche Veranstaltung seit des letzten Investors Day im Februar. In Anbetracht der Umstände wurde die Veranstaltung für TeilnehmerInnen, die nicht anreisen konnten online übertragen und Speaker live zugeschaltet.

Sechs Minuten, ab… jetzt!

Wie es sich für den HHL SpinLab Investors Day gehört, bekamen die Startups der aktuellen SpinLab Klasse jeweils sechs Minuten Zeit, ihre innovative Geschäftsidee vor potenziellen InvestorInnen zu pitchen. Mit dabei waren:

Zusätzlich präsentierten drei angehende Startups aus Mitteldeutschland (KRONOSMeshmerize und Winstate) sowie drei Startups aus ganz Europa aus dem DMS Accelerator (Advanced InfrastructureBuiltrix und VAY.AI ) ihre Ideen vor der Jury und den TeilnehmerInnen.

Am Ende wurden Breeze Technologies mit dem „Best Pitch Award“ , gesponsert von der Stadt Leipzig, und Meshmerize aus Dresden mit dem „Best of Mitteldeutschland Award“, gesponsert von der KARL-KOLLE-Stiftung, ausgezeichnet. Hier geht’s zur Zusammenfassung der Siegerehrung.

Wie nachhaltig ist die deutsche VC-Welt?

Zwischen den Pitches diskutierten VertreterInnen der Finanzwelt über Nachhaltigkeit in Investments, ein Thema das angesichts des steigenden Bewusstseins zu Aspekten wie Diversity, Klimawandel und Unternehmensverantwortung immer mehr an Bedeutung gewinnt. Eine Einführung in die Thematik gab Alexander Theese von KfW Capital unter dem KeyNote Titel „Why we require ESG and what we require“.

Angesichts der steigenden Popularität der Thematik sind schon eine ganze Menge Veränderungen in der Wirtschaft zu beobachten. Immer mehr Startups und Unternehmen verschreiben sich dem Thema Nachhaltigkeit und stellen den Impact die ihre Unternehmung hat in den Mittelpunkt und die Gewinnmaximierung somit in den Schatten. Dieser Trend macht auch vor der Finanzwelt keinen Halt.

5 Takeaways zum Thema nachhaltiges Investment

1. Ohne Fokus auf ESG Kriterien wird es in Zukunft auch in der VC-Branche nicht gehen

Bernhard Mohr (Evonik Venture Capital) gab in der ersten Panel-Diskussion einen Einblick in die Arbeitsweise seines Unternehmens. Laut ihm stünden ESG Kriterien bei Evonik VC nicht zur Diskussion, sondern seien ein Muss bei jeder Bewerbung. Maren Eckloff-Boehme (Brightpoint Group) verwies in Ergänzung hierzu auf die strengen Richtlinien, die selbst viele große Fonds mittlerweile vorweisen und macht damit zusätzlich auf die Notwendigkeit der Thematik aufmerksam.

Insgesamt schienen sich alle Panel-TeilnehmerInnen der Dringlichkeit der Thematik bewusst zu sein und waren sich darüber hinaus einig, dass zukünftig kein Weg an der Einbindung von ESG Kriterien in die Due Dilligence Prozesse von VCs vorbeiführe.

2. Unternehmen die ESG Kriterien erfüllen, performen besser

Ein weiteres gutes Argument das sich nicht von der Hand zu weisen lassen schien, war die Tatsache, dass Unternehmen die ESG Kriterien erfüllen häufig besser performen als ihre Portfolio-Kollegen. Der Credit Rating Riese Morningstar beispielsweise bietet seit einiger Zeit auch ESG Rankings an und analysierte zuletzt das eigene Portfolio. Das Ergebnis: In sieben von zehn Fällen performten ESG konforme Unternehmen besser als der Rest.

Die Panel-TeilnehmerInnen haben ähnliche Erfahrungen gemacht, jedoch war es für die meisten noch zu früh um echte Prognosen zu ziehen. Dass ESG konforme Unternehmen gut performen, überraschte jedoch niemanden der Teilnehmerinnen.

3. Vorgaben und Regularien sind nicht die Lösung, aber ohne geht es auch nicht

Ein zentrales Problem dem sich InvestorInnen immer wieder Gegenüber sehen ist die Messbarkeit von Impact aufgrund eines Mangels an Einheitlichkeit und Transparenz bei der Bewertung von ESG Kriterien. Das machte Alexander Thees schon in seiner Einstiegs KeyNote deutlich, und auch die Panel-TeilnehmerInnen diskutierten eifrig über diese Problematik. Auch wenn der externe Druck auf Unternehmen und InvestorInnen in Form von Regulierungen wächst, appellierten alle Speaker, dass es viel wichtiger sei ESG Kriterien aus intrinsischer Motivation und Überzeugung sowohl in das Geschäftsmodell als auch in die Due Dilligence Prozesse einzubinden.

Maren Eckloff-Boehme betonte beispielsweise, dass es keinen einheitlichen Weg für den Bewertungsprozess gebe. Bernhard Mohr fand diese Thematik ebenfalls schwierig, die nötigen Werkzeuge müssten erst entwickelt werden und insgesamt sei der ganze Prozess für ihn auch stark von dem Faktor Erfahrung abhängig. Für Dr. Robert Günther (Henkel Ventures) vertrat hingegen den Standpunkt, dass es grundsätzlich einheitliche Kriterien brauche, um die Problematik zu umgehen. Jedoch sah auch er die Thematik als viel diverser an.

4. Es kommt oft auf das Bauchgefühl an

Denn wo Regularien zum Einsatz kommen, da finden sich auch immer Schlupflöcher. Schließlich ist es nicht schwer, ein paar Häkchen auf einem Fragebogen so zu setzen, dass alles als ESG konform gilt. Deshalb komme es laut der Panel-TeilnehmerInnen auch auf das Bauchgefühl bei der Bewertung an, und dies lässt sich nun mal nicht messen. Es ginge darum, durch Gespräche auf einem viel persönlicherem Level zu bewerten, ob ein Unternehmen sich wirklich eingehend mit ESG Kriterien auseinandersetzt.

Während sich “environmental” und “governance” Kriterien beispielsweise grundsätzlich ganz gut bewerten ließen, sehe das beim “social” Faktor schon wieder anders aus. Das “S” in ESG versucht zu beantworten, wie Unternehmen ihre Beziehungen zu den MitarbeiterInnen, den involvierten Gesellschaften, und dem politischen Umfeld gestalten können. Die Individualität und Komplexität jeder Unternehmung machen besonders diesen Part nicht leicht.

5. Nicht überall wo ESG drauf steht, ist auch ESG drinn

Das heißt allerdings nicht, dass die Thematik immer nur an der Definition zu scheitern hat. Das wurde besonders deutlich, als Stephan Stubner die Panel-TeilnehmerInnen nach Erfahrungen mit Investment Cases fragte, die aufgrund von fehlenden ESG Kriterien abgelehnt worden waren und Dr. Robert Günther von so einem Fall erzählte. Dabei sei erst in Gesprächen wirklich deutlich geworden, dass bestimmte ESG Faktoren in der Realität dann doch nicht so eine große Rolle gespielt hätten. Auch Maren Eckloff-Boehme berichtete von einer ähnlichen Erfahrung, allerdings von Investoren Seite.

Unser Fazit

Das Thema Nachhaltigkeit auf ESG Ebene scheint noch nicht ganz in der VC-Welt Fuß gefasst zu haben. Schon bei der Frage nach Mindestanforderungen der InvestorInnen gegenüber der Unternehmen in Bezug auf ESG Kriterien wurde das deutlich. Dr. Robert Müller machte beispielsweise seine Zweifel in Bezug auf den Einfluss den LP’s auf große Fonds haben deutlich während Maren Eckloff-Boehme dieser Ansicht widersprach. Luis Hanemann (e.ventures) verdeutlichte in einer weiteren KeyNote noch einmal die Dringlichkeit der Thematik, und forderte die VC-Szene zum Handeln auf.

Auch wir hatten das Gefühl, dass im Finanz-Sektor bisher mehr über das Thema Nachhaltigkeit gesprochen wird, als gehandelt. Aus demselben Grund ist Luis Hanemann seit einiger Zeit Mitglied bei Leaders for Climate Action. Die gemeinnützige Organisation unterstützt Unternehmen dabei, systematisch Maßnahmen zu ergreifen und will der Politik ein Signal senden, dass die „Digitalindustrie“ stärkere politische Klimaschutzmaßnahmen begrüßt.

Für Startups und InvestorInnen war der erste hybride HHL SpinLab Investors Day 2020 ein Erfolg. Zwischen Masken und Mindestabstand kamen gute Gespräche zustande und sicherlich auch der ein oder andere erste Kontakt zu potenziellen InvestorInnen. Hier gibt es noch ein paar Impressionen von der Veranstaltung.

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