Herausforderung: Mitarbeitersuche. Wie mittelständische Unternehmen in Thüringen neue Mitarbeiter gewinnen

Mitarbeiter und Fachkräftemangel

Fachkräftemangel ist in den letzten Monaten immer wieder Thema gewesen. Die Firmen fordern von der Politik, sie müsse für das Problem des Fachkräftemangels Lösungen finden. Für einen Überblick, reißen wir das Thema des Fachkräftemangels kurz einmal an. Ein generelles Problem des Fachkräftemangels in Deutschland sind die konservativen Strukturen, so analysiert es die Süddeutsche Zeitung Anfang des Jahres. Abgesehen von der Debatte um eine Obergrenze der Zuwanderung und dem Fehlen von Gesetzen zu einer gezielten Anwerbung ausländischer Fachkräfte, lässt sich das Problem auch in unserem Bildungssystem, der Bezahlung und damit der Wertschätzung von Arbeit finden. So ist jeder achte Bürger ohne Abschluss, da wundert die Sorge vor einem drohenden Fachkräftemangel nicht. Weiter ermittelt die SZ, dass die Dienstleistungsbranche, die am meisten Geld verdient in Deutschland sich am wenigsten um andere Menschen kümmert – nämlich Banker und Versicherer. Es gäbe an sich genug Erzieher und Pfleger, wenn man ihnen nicht eine fast lächerliche Summe von durchschnittlich nur knapp 2000 Euro Brutto zahlen würde. Und auch das Ehegattensplitting begünstigt es nicht gerade, dass beide Partner Vollzeit arbeiten gehen.

Die Probleme sollten auf politischer wie wirtschaftlicher Seite angegangen werden. Es wird in Zukunft vermutlich immer mehr darum gehen, wie Unternehmen ihren Mitarbeitern einen Mehrwert bieten und sie nicht nur ausbeuten. Darauf sollten sich Geschäftsführer vorbereiten. Im Spiegel erschien ein Artikel zum Thema Strategien gegen Fachkräftemangel. Für Unternehmen stellt sich die Frage, wie können sie die qualifizierten Mitarbeiter für sich gewinnen? Wenn es weniger qualifizierte Arbeiter gibt, so reicht es nicht aus, die Arbeiter mit veralteten Mustern anzulocken. Dann müssen neue und kreativere Angebote gefunden werden, um die Arbeiter vom Unternehmen zu überzeugen. Der Autor des Artikels Florian Diekmann unternimmt mit den Lesern eine Reise durch den Süden Thüringens und stellt drei verschiedene, mittelständische Unternehmen und ihre erfolgreichen Bemühungen um Nachwuchs vor.

Vorteile für Mitarbeiter bieten

Die Produktionsfirma für Verpackungen Obeck aus Sonneberg ist auf spezielle Formen von PET Flaschen und Dosen spezialisiert. Das erfordert ein gewisses Know-How und das wiederum gut ausgebildete Leute, die dem präzisen Arbeiten und dem Qualitätsanspruch gerecht werden. Das ist für Auszubildende eine wichtige Voraussetzung, denn vielen geht es nicht um irgendeine Ausbildung, sondern um eine gute. Der Bürgermeister und die Stadt Sonneberg investieren viel, damit das Gewerbegebiet und die Wohnbedingungen für Arbeiter und deren Familien attraktiv werden. Nur so kann die Stadt langfristig Arbeitgeber herlocken. Pendler, die bisher in den Süden nach Bayern pendeln, sollen so auch wieder zurück die die Heimat geholt werden. Die Stadt bietet deshalb beispielsweise eine 24 Stunden Kita für Kinder von Schichtarbeitern.

Neben den Voraussetzungen der Stadt Sonneberg versucht auch Obeck seinen Mitarbeitern Anreize zu schaffen. So haben sie 30 Tage Urlaub und zusätzlichen Sonderurlaub. Die Gehälter orientieren sich an westlichen Löhnen. Außerdem gibt es Weihnachts- und Urlaubsgeld, Unfallversicherungen, Krankenzusatzversicherungen, die Übernahme von Kindergartenkosten und Zusatzprämien. Es gibt auch ein sogenanntes „Jobrad“, ein hochwertiges Bike auf Kosten des Unternehmens. Geplant sind zudem freie Tage an Weihnachten und Silvester.

Was wenn man sich Zusatzleistungen für seine Mitarbeiter nicht leisten kann?

Die Antwort lautet Loyalität und Gemeinschaft. Wegra ist ein sehr erfolgreiches, handwerkliches Unternehmen. Während in der Industrie die Gehälter gestiegen sind, werden Meister handwerklicher Berufe nur mit 14 Euro die Stunde bezahlt. Der Wettbewerb um Arbeitskräfte ist hart. Geschäftsführer Gregor Weidner setzt deshalb auf Expertise persönliche Bindung. Die Ausbildung soll besser als in der Industrie sein. Werte wie Bescheidenheit und Solidarität sind zentral bei Wegra. Die drei Inhaber fahren keine Luxus Autos oder wohnen in Villen, sie leben diese Werte ihren Mitarbeitern vor und begegnen ihnen auf Augenhöhe. Auf Loyalität können sich die Mitarbeiter verlassen, bei Wegra wird niemand entlassen, weil er durch Jahrelange körperliche Belastung Krankheitsausfälle hat. Doch auch Wegra lockt mit finanziellen Zuschüssen. Meisterkurse oder ein duales Studium übernimmt das Unternehmen und auch dürfen die Arbeiter im Winter ihre Überstunden abbauen. Häufig werden Handwerker über den Winter entlassen und bekommen von der Agentur für Arbeit dann nur Schlechtwettergeld.

Ein Startup aus alter Tradition

Harry’s ist ein Unternehmen, welches eine spezielle schleiftechnik für Rasierklingen nutzt, um diese langlebiger zu machen. Dabei sind die Rasierer mit schlichtem Design günstiger als die Konkurrenten Wilkinson und Gilette. Man kennt die Klingen als Eigenmarken von dm und Lidl, man kann sie aber auch online bestellen. In Amerika sind die Klingen nun auch in den Supermärkten angekommen und das Unternehmen sehr erfolgreich. Ein Startup wie man es kennt, nur dass dieses Startup eben auf fast 100 jähriger Tradition beruht. Angefangen als Händler der Feintechnik GmbH über den Versandhandel, kauften die beiden Harry’s Gründer 2015 ihren Lieferanten, die Feintechnik GmbH auf. Jetzt läuft die Produktion und der Handel über Harry’s. Die Herausforderung des Startups ist es nun, so schnell wie möglich genug Mitarbeiter zu finden, die das Wachstum der Firma mittrage.

Dafür ist die Personal-Managerin Maren Kroll zuständig. Sie arbeitete zuvor für Zalando. Um die Arbeitskräfte in die Region zu locken, orientieren sich auch hier die Gehälter am nicht weit entfernten Bayern. Eine private Unfallversicherung und Anteile am Unternehmen sind weitere Vorteile der Harry’s Mitarbeiter. In der Kantine gibt es Obst und Kaffee gratis, die Firma bezahlt Englisch Kurse und belohnt seine besten Azubis mit einem Trip nach New York. Doch ein Problem gibt es: es gilt die 40 Stunden Woche. Arbeitnehmer die mehr Zeit für sich und ihre Familien wollen, können nicht auf eine Teilzeitstelle hoffen. Es bleibt offen, ob ein anderes Unternehmen diesen Umstand für sich nutzt, und Arbeitnehmern genau diese Freiheit in der Region Suhl bietet.

Zum ganzen Artikel und weiteren Informationen geht es hier:

Spiegel Online, vom 28.01.2018.

Süddeutsche Zeitung, vom 02.01.2018.