Im Interview spricht Benedikt Nitsche, Abteilungsleiter Förderkredite bei der Thüringer Aufbaubank, über die Chancen von Förderkrediten. Er gibt einen Einblick, wie Unternehmen, aber auch Start-ups, von solchen Darlehensprogrammen profitieren und wie die Antragstellung funktioniert.
Warum sind Förderkredite aktuell so wichtig?
Förderkredite sind gerade deshalb so relevant, weil sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in den letzten Jahren stark verändert haben. Die Zinsen sind in den letzten Jahren deutlich gestiegen, viele Betriebe kämpfen zudem mit höheren Kosten und gleichzeitig stehen große Investitionen an – in Digitalisierung, Nachhaltigkeit, Energieeffizienz oder auch klassisch in Ersatzinvestitionen und Produktionserweiterungen. Und genau hier setzen Förderkredite an.
Was unterscheidet Förderkredite von klassischen Bankdarlehen?
Förderkredite bieten in der Regel bessere Konditionen als normale Bankdarlehen - also günstigere Zinsen, Haftungsfreistellungen – das ist eine Übernahme des Ausfallrisikos durch die Förderbank – oder auch in manchen Konstellationen Tilgungszuschüsse. Das verschafft Unternehmen finanziellen Spielraum, um wichtige Projekte umzusetzen.
Welche Institutionen vergeben solche Kredite?
Hinter solchen Krediten stehen Förderbanken, wie die KfW oder die Thüringer Aufbaubank (TAB). Ein Förderkredit ist im Grunde ein ganz normales Darlehen – aber die Idee dahinter ist, bestimmte wirtschaftspolitische oder gesellschaftliche Ziele zu fördern - etwa Unternehmensgründungen und Unternehmensnachfolgen sowie Wachstum bestehender Unternehmen. Daher enthalten diese Förderkredite im Regelfall EU-Gelder oder Zinszuschussmittel des Bundes oder des Bundeslandes, den Eigentümern von KfW bzw. TAB. Diese stellen ggf. auch noch eine Bürgschaft bereit, übernehmen also in Teilen das Kreditausfallrisiko. Die Förderkredite werden daher mit Steuergeldern attraktiver gestaltet um die gewünschten Ziele zu unterstützen.
Welche Zielgruppe profitieren besonders von Förderkrediten?
Von Förderkrediten profitieren im Grunde ganz unterschiedliche Zielgruppen – aber besonders diejenigen, die investieren wollen und dabei auf planbare Finanzierungskonditionen angewiesen sind.
Besonders Gründerinnen, Gründer oder Unternehmensnachfolger können profitieren, da es für sie spezialisierte Förderkredite gibt. Andere Bankkredite sind für diese Zielgruppe oft schwer erhältlich, weil sie in der Regel noch keine lange Kredithistorie haben. Für sie ist der Zugang zu Kapital oft die größte Hürde, weil noch keine Sicherheiten oder Umsätze da sind. Somit können Förderkredite in der Anfangszeit eine sehr wichtige Finanzierungsquelle sein. Zum Beispiel das Mikrodarlehen hilft, diese Startphase zu überbrücken.
Dann gibt es die etablierten kleinen und mittleren Unternehmen, die modernisieren oder wachsen wollen. Ob neue Maschinen, Digitalisierung oder Energieeffizienz – genau solche Zukunftsinvestitionen werden gezielt gefördert, je nach Vorhaben durch Thüringen-Dynamik oder den ThüringenKredit
Und eine Zielgruppe, die in den nächsten Jahren noch stärker in den Fokus rückt, sind die Unternehmensnachfolgerinnen und -nachfolger. Wenn also jemand einen bestehenden Betrieb übernimmt, kann ein Förderkredit helfen, die Kaufpreisfinanzierung und die anschließenden Investitionen zu stemmen. Dafür können alle 3 genannten Förderkredite – also Mikrodarlehen, Thüringen-Dynamik oder ThüringenKredit – eingesetzt werden. Welcher Förderkredit dabei der passende ist, kommt u.a. auf die Investitionshöhe an.
Trotzdem muss ein Kredit zurückgezahlt werden. Profitieren Unternehmen nicht vielmehr von Zuschussprogrammen?
Ein Darlehensförderprogramm kann auf den ersten Blick unattraktiver wirken, weil man es zurückzahlen muss - aber es hat im Vergleich zu einem Zuschussprogramm tatsächlich einige klare Vorteile. So wird die Höhe eines Zuschusses meistens anteilig zu den förderfähigen Kosten berechnet, während die Förderdarlehen deutlich höher sein können. Das ist ideal für größere Investitionen, wie etwa die Erweiterung oder Digitalisierung der Produktion.
Letztlich geht es aber nicht um ein "entweder oder". Förderdarlehen können mit anderen Förderprodukten kombiniert werden, unter Beachtung von sogenannten Beihilfe-Limiten, das sind Obergrenzen in Bezug auf Subventionen aus Wettbewerbsgründen. Die Kombination sollte immer geprüft und nach Möglichkeit genutzt werden, um die optimale Finanzierung für das Vorhaben zu erreichen. Wichtig ist, dass sich Unternehmer vorab gut informieren - hierfür unterstützen wir gerne mit einer Beratung.
Beratung ist das Stichwort. Was sind die ersten Schritte?
Wer über einen Förderkredit nachdenkt, sollte ein paar grundlegende Dinge im Blick behalten und sich frühzeitig informieren! Viele Förderprogramme müssen beantragt werden, bevor das eigentliche Projekt startet. Wenn man also schon den Vertrag unterschrieben oder die Maschine bestellt hat, ist es oft zu spät. Wer eine Projektidee hat, sollte eine qualifizierte Beratung in Anspruch nehmen. Es gibt in Thüringen - etwa mit ThEx, IHKs, HWKs oder der Thüringer Aufbaubank - viele Beratungsangebote. So prüft unsere TAB-Kundenbetreuung vorab, ob verschiedene Programme für das Vorhaben kombiniert werden können und berät auch zu weiteren Förderprogrammen des Bundes. Im Fall von Förderdarlehen ist wichtig zu wissen, dass die Antragstellung i.d.R. direkt über die Hausbank läuft. Das bedeutet, dass der Antrag zu Beginn des Vorhabens über die Hausbank gestellt wird und nicht direkt an die Thüringer Aufbaubank. Im nächsten Schritt sollten Interessierte also ein Finanzierungsgespräch mit der Bank vereinbaren und die notwendigen Unterlagen bereitlegen. Im Falle des Mikrodarlehens ist erster Ansprechpartner ThEx Enterprise, sowohl für Beratung als auch Begleitung der Antragstellung.
Welche Unterlagen und Nachweise braucht man typischerweise?
In der Regel werden Angaben zum Vorhaben, aber auch zur finanziellen Situation des Unternehmens benötigt, etwa Jahresabschlüsse, betriebswirtschaftliche Auswertungen und Planzahlen sowie Konzepte
Bei Förderkrediten über die Hausbank prüft diese das Vorhaben, beurteilt Bonität sowie Sicherheit und stimmt die Konditionen ab. Nach der Entscheidung über die Kreditvergabe leitet die Hausbank den Antrag an die Thüringer Aufbaubank weiter. Wir prüfen dann, ob die Fördervoraussetzungen erfüllt sind. Ist alles in Ordnung, erhält die Hausbank eine Zusage und schließt den Kreditvertrag mit dem Antragsteller ab.
Wie lange dauert der Prozess von Antrag bis Auszahlung?
Das kommt auf das Vorhaben an - grundsätzlich kann das aber auch ziemlich schnell gehen. Ich kann jetzt nur für unsere Bearbeitungszeiten sprechen, dazu kommen noch die Bearbeitungszeiten der Hausbank oder ThEx Enterprise. Als konkretes Beispiel: Unseren ersten Antrag im Programm "ThüringenKredit" haben wir im August zugeleitet bekommen und vier Tage später genehmigt. So kann es manchmal auch gehen.
Die Auszahlung hängt wiederum ganz erheblich von dem Vorhaben ab, wann die Mittel dafür benötigt werden. Auszahlungen leisten wir wenige Tage nach Eingang des Abrufs.
Sie haben den ThüringenKredit bereits mehrfach angesprochen. Welche neuen Programme sind derzeit besonders interessant?
Wenn ich an die Thüringer Förderlandschaft denke, existieren mit den beiden Förderkrediten "ThüringenKredit" und "Thüringen Dynamik" zwei spannende Produkte. Der ThüringenKredit ist sozusagen der Allrounder. Die Verwendung ist vielfältig möglich, von allgemeinen Investitionen –zum Beispiel dem Kauf von Maschinen - über Betriebsausstattung und auch Betriebsübernahmen bis hin zur Finanzierung von Betriebsmitteln. Damit bildet der "ThüringenKredit" ein solides Fundament. Hier geht’s um Flexibilität, günstige Zinsen und Planungssicherheit, damit Unternehmen loslegen können.
"Thüringen Dynamik" bringt sozusagen Geschwindigkeit ins Spiel. Dieser Förderkredit zielt auf Investitionen für Wachstum, Innovation und Zukunftsprojekte ab. Bei besonders innovativen Vorhaben gibt es Thüringen-Dynamik übrigens mit nochmals attraktiveren Konditionen. Beide Programme – ThüringenKredit und Thüringen-Dynamik - können übrigens auch miteinander kombiniert werden und bilden ein starkes Duo.
Gibt es Fördermöglichkeiten - speziell für Unternehmensnachfolgen oder Gründer:innen - die mit Förderkrediten kombiniert werden können?
Klar, für Unternehmensgründungen gibt es im Freistaat eine Vielzahl an Fördermöglichkeiten. Ich denke an die Instrumente der Gründungsrichtlinie - die Gründungsprämie unterstützt zur Existenzsicherung in der Vorgründungsphase. Mithilfe des Existenzgründungspasses lassen sich Beratungen und Weiterbildungen im Rahmen von Gründungen oder Nachfolgen fördern..
Darüber hinaus bietet unsere Tochtergesellschaft bm|t - beteiligungsmanagement thüringen GmbH - verschiedene Modelle für die Finanzierung innovativer Start-ups.
Was ist Ihr wichtigster Tipp für Unternehmer:innen, die über einen Förderkredit nachdenken?
Frühzeitig informieren und sich beraten lassen - und dann gezielt das Programm wählen, das zum eigenen Vorhaben passt.
