Gründer und die Herausforderung Personalführung: Tipps für den richtigen Umgang mit den Mitarbeitern

Talentierte und motivierte Mitarbeiter sind nicht leicht zu finden. Vor allem ist nicht jeder dazu bereit bzw. dazu geeignet, in einem kleinen, innovativen Startup zu arbeiten. Aber sind die Talente erstmal Teil des Teams, vergessen leider viele Gründer, dass sie sich auch kontinuierlich um ihr Personal kümmern müssen. Ein aktueller Fall in der SpinLab-Startup Community hat uns nochmal gezeigt, dass ein wertschätzender und fördernder Umgang mit den Mitarbeitern leider nicht selbstverständlich ist. In diesem Artikel zeigen wir euch, wie sich Gründer im Umgang mit ihren Mitarbeitern verhalten sollten. Denn nicht ist wichtiger, als sein Personal langfristig zu motivieren und an das Unternehmen zu binden.

Bei der Gründung eines Unternehmens müssen sich die Gründer in der Regel in viele Aufgabengebiete neu einarbeiten. Spätestens wenn ein Startup wächst und neue Mitarbeiter eingestellt werden, kommt die Aufgabe der Personalführung dazu. Viele Gründer haben darin keine Erfahrung und sind überfordert. Und nicht wenige schaffen es nicht, ihre Mitarbeiter langfristig im Unternehmen zu halten. Im Vergleich zu großen Firmen haben kleine Unternehmen eine tendenziell deutlich höhere Personalfluktuation.
Aber was wünschen sich die Mitarbeiter? Wie sollten Personalverantwortliche ihre Mitarbeiter behandeln?

#1 Beziehe deine Mitarbeiter in wichtige Entscheidungen ein.

Steht ein Standortwechsel an, soll die Unternehmensstrategie grundlegend verändert werden, ist ein wichtiger Personalwechsel geplant? Bei solchen grundlegenden Entscheidungen sollten die Mitarbeiter im Idealfall Mitspracherecht haben. Zumindest sollten sie aber frühestmöglich über gefällte Entscheidungen informiert werden. Außerdem sollten die Gründe umfassend erläutert werden. Andernfalls können sich Mitarbeiter schnell hintergangen fühlen und verlieren langfristig die Motivation.
Wenn es um Entscheidungen geht, welche die Aufgabengebiete der Mitarbeiter direkt betreffen, sollten diese ohnehin miteinbezogen werden. Gerade in ihren Spezialgebieten haben die Mitarbeiter mitunter sogar mehr Expertise als ihre Vorgesetzten. Ihr Wissen und ihre Erfahrung sollten durch eine Teilhabe an relevanten Entscheidungen wertgeschätzt werden. Die Gefahr ist groß, dass sie andernfalls bald nur noch Dienst nach Vorschrift machen.

#2 Bringe deinen Mitarbeitern ausreichend Wertschätzung entgegen.

Wertschätzung ist einer der wichtigsten Aspekte in der Personalführung.  Gute Leistungen sollten anerkannt und gelobt werden. Das klingt völlig lapidar, aber Gründer junger Unternehmen sind häufig auf so vielen Baustellen beschäftigt, dass sie die notwendige Anerkennung ihrer Mitarbeiter vergessen. Aber wieso sollten Mitarbeiter weiterhin motiviert sein, Bestleistungen zu erbringen, wenn es scheinbar niemanden interessiert? Vorgesetzte sollten Interesse daran zeigen, woran ihre Mitarbeiter gerade arbeiten und welche Erfolge sie dabei erzielen – nicht um sie zu kontrollieren, sondern vielmehr, um sie zu motivieren!

#3 Behandle deine Mitarbeiter möglichst gleich.

Wird der Liebling des Chefs ständig besser behandelt, kann das zu Missgunst und Neid der anderen Mitarbeiter führen und dem Teamklima langfristig schaden. Personalverantwortliche sollten deshalb versuchen, ihre Mitarbeiter möglichst gleich zu behandeln und niemanden explizit zu bevorzugen. Natürlich sollten gute Leistungen, wie gerade erwähnt, belohnt werden. Die Gründe für Lob oder bestimmte Benefits sollten dabei aber immer objektiv ersichtlich sein. Kein Mitarbeiter sollte auf Grund persönlicher Sympathie oder sonstigen sehr subjektiven Gründen bevorzugt werden. So sollten Mitarbeiter zum Einen auf einem möglichst ähnlichen Wissensstand bezüglich wichtiger Entscheidungen und Prozesse des Unternehmens sein. Auch die Einteilung der bei Startups meist knappen Ressourcen unter den Mitarbeitern sollte möglichst gleich bzw. nach objektiv ersichtlichen Gründen erfolgen. Gleiches gilt für die klare und möglichst faire Abgrenzung von Aufgaben und Tätigkeitsbereichen.

#4 Dein Führungsstil muss zu den flachen Hierarchien eines Startups passen.

Ohne Zweifel stellt die Führung von Personal bei jungen Unternehmen häufig eine besondere Herausforderung dar. Die Hierarchien verlaufen tendenziell flacher als bei etablierten Unternehmen oder großen Konzernen. Hier die richtige Balance zwischen einem familiären, freundschaftlichen Umgang und der notwendigen Autorität einer Führungsperson zu finden, ist nicht einfach. Auch wenn die Mitarbeiterzahl in kurzer Zeit stark ansteigt, stehen die Gründer junger Unternehmen vor der schwierigen Aufgaben, die Führungsstruktur entsprechend anzupassen. 

#5 Stehe zu deinen Fehlern.

Es ist noch kein perfekter Chef vom Himmel gefallen und gerade in der Anfangsphase wird sicherlich nicht alles perfekt laufen. Umso wichtiger ist es, gerade als Führungsverantwortlicher zu seinen Fehlern zu stehen und die Kritik der Mitarbeiter zuzulassen und ernst zu nehmen. Man büßt damit in der Regel keine Autorität ein, sondern gewinnt vielmehr den Respekt seiner Mitarbeiter. Außerdem geht man mit gutem Vorbild voran und etabliert eine Unternehmenskultur, in der Fehler, sofern man dazu steht und sie wieder ausbügelt, keine Schande sein sollten.

#6 Übertrage deinen Mitarbeitern Verantwortung.

Um Mitarbeiter zu guten Leistungen zu bewegen, muss man diesen auch entsprechend Verantwortung übertragen. Eigene Zuständigkeitsbereiche und Entscheidungsmacht können für Mitarbeiter sehr motivierend sein. Niemand möchte bei jeder kleinen Entscheidung den Chef um Erlaubnis bitten. Die Delegation von Aufgaben ist eine der wichtigsten Kompetenzen eines Vorgesetzten. Wichtige Aufgaben abzugeben erfordert aber ein hohes Maß an Vertrauen und viele Führungskräfte haben Schwierigkeiten, mit dem einhergehenden Kontrollverlust umzugehen.
Dennoch sollten Mitarbeiter mit ihren Aufgaben auch nicht völlig überfordert sein und bei Fragen und Bedenken immer einen eindeutigen Ansprechpartner haben.

#7 Sprich als neuer Chef zuerst mit deinen Mitarbeitern.

Wer als neuer Chef in einem Startup oder in einem sonstigen Unternehmen anfängt, sollte zunächst die Mitarbeiter fragen, wie die Unternehmensprozesse funktionieren. Es ist auch wichtig, sich die Potenziale und Fähigkeiten der Mitarbeiter genauer anzuschauen sowie deren Wünsche und Hoffnungen für die Zukunft. Erfahrenen Mitarbeitern einfach neue Strategien über zu stülpen ist riskant. Diese passen eventuell gar nicht zum Team und dem Unternehmen. Außerdem fördert das Nachfragen und der gezielte Austausch eine konstruktive Beziehung zwischen den Mitarbeitern und dem neuen Vorgesetzten.

Eine gekonnte Unternehmensführung und Bindung von Mitarbeitern wird zu Zeiten des demografischen Wandels und des zunehmenden Mangels an qualifizierten Fachkräften immer relevanter. Langfristig werden nur solche Unternehmen  überleben, die ihre Mitarbeiter besser binden als die Konkurrenz. Dafür müssen sich die Führungspersonen eines Startups intensiv mit ihren Mitarbeitern beschäftigen. Diese Aufgabe erfordert viel Zeit und Energie. Aber nur so ist eine emotionale Bindung der Mitarbeiter an das jeweilige Unternehmen dauerhaft möglich. Und diese ist neben einigen rationalen Aspekten eines der wichtigsten Argumente für Mitarbeiter, im jeweiligen Unternehmen zu bleiben und entscheidend für deren langfristige Leistungsbereitschaft.

(Quelle der Bilder: https://www.pexels.com/de/)