Gründer Tino von Baby Sweets im Interview

Foto: Baby Sweets GmbH

Baby Sweets ist ein online Shop für ausgefallene Baby Kleidung und Accessoires. Begonnen hat alles mit einer wachsenden online Community für Eltern auf Social Media, die von den beiden Gründern Tom und Tino zu einem online Shop ausgebaut wurde. Welche Vor- und Nachteile die mitteldeutsche Region für das Startup mit sich bringt, welche Pläne sie verwirklichen wollen und welche Erfahrungen sie als Gründer gemacht haben, erzählt uns Gründer Tino im Interview.

Hallo Tino. Viele fragen sich sicher: Wie gelingt der Transfer von einer online Community zu einem Shop?

Im Grunde war ein solcher Transfer gar nicht direkt geplant. Wir sind in 2014 mit unserer Facebook Community gestartet und haben recht schnell gemerkt, dass wir durch die Präsentation ausgefallener und interessanter Produkte für Babys und Kleinkinder unsere Zielgruppe sehr gut erreichen und zum Kauf auf diversen Plattformen und Shops animieren konnten – im Grunde ein klassisches Affiliate Geschäft. Hierbei entstanden auch sehr gute Kontakte zu interessanten Händlern in dem Bereich, welche uns letztlich aufgrund ihrer Ansätze in der Produktpräsentation und der Auswahl der Produkte dazu animierten vom reinen Affiliate Modell wegzugehen und unsere Margensituation durch den direkten Vertrieb ausgewählter Babymode und -accessoires zu verbessern. So konnten wir bis Ende 2016 bereits 200.000 Follower auf Facebook aufbauen, die für unser Online-Shop-Geschäft natürlich Gold wert waren, da wir ja bereits über 2 Jahre lang Trends und angesagte Produkte verfolgen und analysieren konnten und darauf basierend auch unser Sortiment aufgebaut haben.

Welche Schwierigkeiten hattet ihr dabei vielleicht und was habt ihr daraus gelernt?

Jedes Wachstum bringt natürlich seine Schwierigkeiten mit, angefangen beim Produkteinkauf bis hin zur Logistik. Wir hatten im Grunde von Beginn an den Vorteil, dass wir nicht bei null starten mussten, sondern mit der Erfahrung und den laufenden Einnahmen aus unserem Affiliate Geschäft heraus Stück für Stück auch unser Sortiment aufbauen konnten. Natürlich kostet das entsprechend Geld und wir haben auch schnell gemerkt, dass wir unseren Lagerbestand sehr schnell gedreht haben, was logistisch natürlich einige Herausforderungen mit sich gebracht hat. Wir haben dadurch im Laufe der Zeit wichtige Learnings erzielt und unsere Prozesse stets angepasst. Im ersten Jahr haben wir zum Beispiel mit über 50 Lieferanten gearbeitet, um einerseits viele Produkte zu testen, aber auch zu schauen auf welche wir uns letztlich fokussieren müssen bzw. sollten. Heute arbeiten wir noch mit knapp 2 Händen voll Lieferanten zusammen.

Mit dem weiteren Wachstum haben wir uns auch flächenmäßig erweitern müssen und uns Mitte 2017 auch dazu entschieden eine erste Finanzierungsrunde mit einem lokalen Business Angel abzuschließen. Dies war wichtig, um weiterhin in das Marketing und den Produktbestandsaufbau investieren zu können.

Ihr habt euren Standort von Leipzig nach Zöschen in Sachsen-Anhalt verlegt. Welche Vorteile bietet euch der neue Standort?

Im Grunde hatten wir von Beginn an den großen Vorteil, dass wir räumlich so nah am DHL Hub Halle/Leipzig liegen, was sich merkbar in den Laufzeiten der Sendungen gezeigt hat. Fast 85% unserer Sendungen werden ohne Premium-Versandoption am nächsten Tag den Kunden zugestellt, das ist natürlich ein riesiger Vorteil und gemessen an den Erwartungen der Kunden auch umso wichtiger.

Aus diesem Grund war es auch wichtig bei der neuen Standortwahl, dass wir die räumliche Nähe beibehalten und infrastrukturell eine gute Anbindung haben – auch für unsere Mitarbeiter natürlich. Da ist die Lage zwischen Halle und Leipzig natürlich ideal, um Personal aus beiden Städten ansprechen zu können.

Ansonsten haben wir an unserem neuen Standort ein Objekt in der für uns optimalen Größe mit 330m² Büro- und 1.500m² Lagerfläche gefunden, was leider in der Region bei den Bestandsflächen nicht so einfach war. Große Bau- und Industriegebiete für Lagerhallen gibt es zwar zu Genüge, jedoch findet man sich da eher bei 5.000m² und größer wieder, was für unseren momentanen Bedarf völlig überdimensioniert wäre.

Wie nehmt ihr die Region Mitteldeutschland generell als Gründungsstandort wahr? Was ist gut, was könnte besser sein?

Aus unserer Sicht ist Mitteldeutschland als Gründungsstandort definitiv sehr interessant, nicht zuletzt aufgrund der guten Infrastruktur und den verhältnismäßig geringen Personal- und Raumkosten in der Region. Wir sehen gerade hier im Ballungsgebiet Halle/Leipzig natürlich sehr viel Potential für Logistik- und Dienstleistungsunternehmen, was vor allem auch die Neuansiedlung größerer Unternehmen in letzter Zeit zeigt.

Insbesondere in Sachsen-Anhalt haben wir auch schon zu Beginn die Förder- und Finanzierungsmöglichkeiten der hiesigen Banken und Institute zu schätzen gelernt und ich denke, dass Mitteldeutschland auch in der Hinsicht sehr gut aufgestellt ist.

Ein leider großes Manko ist jedoch im Vergleich zu den Hot-Spots Berlin, Hamburg und München das Fehlen größerer Venture Capital Unternehmen, die auch den Investitionsfokus mehr auf die Region lenken könnten. Vielleicht tut sich hier ja in den nächsten Jahren noch etwas…

Eine Gründung ist natürlich geprägt von Höhen und Tiefen. Von wem habt ihr Unterstützung bekommen? Wofür seid ihr dankbar?

Wir haben natürlich direkt zu Beginn unserer Unternehmung vor allem aus den privaten Umfeld eine sehr große Unterstützung bekommen, ohne die das Ganze Vorhaben gar nicht umzusetzen gewesen wäre – hier geht natürlich der größte Dank hin. Allein die Initialkosten für die Unternehmensgründung (Stammkapital, Notar etc.) muss man natürlich einkalkulieren, ehe man den Sprung in die Selbständigkeit wagt.

Aber auch in puncto Beratung konnten wir sehr positive Erfahrungen sammeln und haben hier zu Beginn zusammen mit der Univations GmbH in Halle unser Geschäftsmodell in einem Businessplan ausgebaut und Förderungs- und Finanzierungsmöglichkeiten ausgelotet. In diesen Themen kann man sich auch schnell verlaufen, von daher können wir jedem Gründer nur nahe legen sich hier die Möglichkeiten der Unterstützung anzuschauen.

Ansonsten ist es natürlich auch in Tiefphasen umso wichtiger, dass man sich als Team aufeinander verlassen und zusammen an einem Strang ziehen kann. Dahingehend ist es umso wichtiger offen miteinander zu sprechen, das ist sicherlich auch ein Vorteil an einer flachen Hierarchie wie bei uns.

Nun habt ihr im September 2018 ein 7-stelliges Investment bekommen. Welche Ziele wollt ihr kurz- und langfristig umsetzen?

Mit dem Abschluss des Investments stand natürlich in erster Linie der weitere Markenbekanntheits-Ausbau im Fokus, was wir in den vergangenen 3 Monaten auch durch die erhöhte Medienpräsenz und die Ausstrahlung unserer Werbespots bei unserem Mediapartner RTL2 sehr stark gespürt haben. Damit einhergehend mussten wir auch unsere Prozesse ein Stück weit anpassen, da wir mit einem verhältnismäßig kleinen Team das Bestell- und Umsatzwachstum sowie den Ausbau unseres Warenbestands erstmal abfedern mussten, was uns aber sehr gut gelungen ist.

Langfristig wollen wir Baby Sweets natürlich als Marke im Segment Babymode weiter platzieren und vor allem mit unseren Eigenkollektionen die Nachfrage bei unseren Kunden immer wieder aufs Neue wecken. Die größte Aufgabe wird dabei für uns sein, den großen und wertvollen Schatz an Informationen, die wir über unsere Social Media Kanäle, aber auch anhand des Kaufverhaltens erhalten, zu nutzen um unseren Kunden ein noch besseres mobiles Einkaufserlebnis zu bieten.

Was sind eure Vorsätze für das neue Jahr?

Dass wir alle gesund bleiben! Es ist natürlich bei einem schnellen Wachstum umso wichtiger, dass man auch privat eine gute Work-Life-Balance hinbekommt. Man muss versuchen auch den Kopf regelmäßig freizubekommen, um sich nicht in Aufgaben zu verlieren. Wir wollen und werden auf alle Fälle regelmäßig auch externes Feedback einholen, um einfach einen anderen unabhängigen Blick auf unsere Tätigkeit zu haben und Entscheidungen zu hinterfragen.

Ansonsten freuen wir uns natürlich darauf auch in 2019 ein hoffentlich gutes Wachstum hinlegen zu können und uns weiterhin als „Deutschlands süßesten Baby-Shop“ zu positionieren. 😉

 

Vielen Dank für Deine Zeit! Wir wünschen euch ein erfolgreiches Jahr, eine ausgeglichene Work-Life-Balance und dass ihr die Ziele umsetzten könnt, die ihr euch vorgenommen habt!