Gibt es „die“ Erfolgsformel zum Gründen? Deutschland und die USA im Vergleich

Gründen „made in Germany“ kann heutzutage mit seinen Vorbildern aus dem kalifornischen Silicon Valley mithalten – zumindest, wenn es um die Ideen geht. Nicht zuletzt hat das Berliner Banking-Startup „N26“ diese Behauptung unter Beweis gestellt, nachdem das Fintech-Unternehmen als erstes deutsches Start-up zum sogenannten „Unicorn“ aufgestiegen ist. Dies spornt nicht nur andere Unternehmen an, sich weiterzuentwickeln, sondern prägt auch eine ganze neue Generation an neuen, hungrigen GründerInnen, die ihr Glück versuchen wollen. Doch was braucht es eigentlich, um erfolgreich zu gründen? Die Interpretation folgender Daten gibt nähere Einblicke in die Welt der Entrepreneure. Ein  Gastbeitrag von Aleksandar Kovacevic für RS Components.

Was macht einen erfolgreichen Gründer aus?

In einer interaktiven Grafik von RS Components wurden die erfolgreichsten Gründer aus dem deutschsprachigen Raum sowie ihre Pendants aus dem Silicon Valley gründlich analysiert, um Schlüsse darüber ziehen zu können, was einen erfolgreichen Unternehmer ausmacht. Dabei geht die sogenannte „Gründerformel“ auf verschiedene demografische Daten wie Geschlecht oder das Alter bei der Gründung ein. Aber auch die Bildungsabschlüsse der GründerInnen wurden aufgenommen und ausgewertet. So kam die Analyse zu folgendem Schluss:

Der/die „typisch deutsche GründerIn“ hat neben einem Master-Abschluss von einer Universität in Süddeutschland, ein Gründungsalter zwischen 25 und 31 Jahren und legt den Fokus auf die Gründung nur eines Unternehmens. Auffällig ist außerdem: Ein Großteil der Gründer ist männlich. Sowohl im Silicon Valley als auch hierzulande stehen Frauen mit Gründungsabsichten vor zusätzlichen strukturellen Herausforderungen, die sich insgesamt negativ auf ihre Partizipation am Unternehmertum auswirken.

Wie Claudia Große-Leege, Geschäftsführerin des Verbands deutscher Unternehmerinnen (VdU), in einem Interview erklärt:

„Zum einen ist es so, dass in den sogenannten Mint-Berufen Frauen weniger präsent sind. Zudem höre ich immer wieder von Gründerinnen, dass die Startup-Szene von einer Macho-Kultur geprägt ist, in der alte Mechanismen eine Rolle spielen“.

Gründer aus den USA in den meisten Fällen älter und studieren kürzer

Einer der größten Unterschiede, die festzustellen sind, ist der Gründungszeitpunkt. Während viele der untersuchten US-amerikanischen Gründer erst mit Ende 30 ihre erste erfolgreiche Firma aufbauen, starten viele aus dem deutschsprachigen Raum schon mit Ende 20. Diese sind heutzutage im Schnitt 35,2 Jahre alt.  Im Vergleich dazu sind die US-AmerikanerInnen mit 42 bis 45 Jahren schon ein wenig lebenserfahrenere Gründer.

Beim Vergleich der Bildungsniveaus wird außerdem deutlich, dass viele US-amerikanische GründerInnen ein Bachelor-Studium absolvierten, wobei allerdings nur die wenigsten von ihnen eine Eliteuniversität besuchten. Im Vergleich weisen deutschsprachige Entrepreneure häufiger höhere Bildungsabschlüsse auf, wie beispielsweise einen Doktortitel oder einen Masterabschluss.

War for Talents in den meisten deutschen Startups

Diese Analyse lässt jedoch die Frage offen, wie sich die Startup und Gründerszene in Deutschland in Zukunft entwickeln wird. Es gestaltet sich nach wie vorschwierig für viele junge Unternehmen geeignete Mitarbeiter zu finden, wie eine Befragung von HV Holtzbrinck Ventures und der FAZ berichtet. 105 Startups wurden hierzu befragt, wobei jedes zweite befragte Unternehmen (62,9%) angibt, Schwierigkeiten zu haben, qualifiziertes Personal zu finden. Christian Saller, General Partner bei HV sagt hierzu:

„Die aktuell gute wirtschaftliche Situation in Deutschland führt zum Wettbewerb um die besten Köpfe, das merken auch die Startups“.

Eine weitere Studie, die sich Suchanfragen potenzieller Top-Kandidaten näher angesehen hat, bietet ebenfalls interessante Einblicke in diesen „War for Talents“. Für Arbeitnehmer spielen laut der Studie Geld und Sicherheit nach wie vor eine wichtige Rolle: Das Suchvolumen zu diesen Begriffen verdoppelte sich seit 2014. Zusätzlich steigt das Interesse an gesundheitsfördernden Angeboten, flexiblen Arbeitsmodellen während das Interesse an Volontariaten und Praktika abnimmt.

Es bleibt zu beobachten, wie sich die deutsche Startup Szene weiter entwickeln wird, welche Bundesländer und Städte darum buhlen, kommende GründerInnen ein neues zu Hause zu vermitteln, um ein ernstzunehmendes deutsches Silicon Valley zu etablieren.

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