get a MINT – Neu gegründetes Frauen-Duo unterstützt Leipziger Startups in Personalfragen

Das neue Leipziger Startup get a MINT hat sich auf regionale Personal- und Marketingdienstleistungen spezialisiert. Nachdem Anne-Cathrin Burwitz und Romy Wuttke selbst im Personal- und Marketingbereich für junge, innovative Unternehmen tätig waren, unterstützen sie nun Startups und KMUs aus den MINT-Branchen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften & Technik) beim Aufbau ihres Personalmanagements, beim Networking und HR-Marketing sowie bei der Rekrutierung neuer Mitarbeiter – insbesondere der begehrten Berufsgruppe Software-Entwickler. Wir haben die zwei sympathischen Frauen interviewt.

Wie kamt ihr beiden auf die Idee, get a MINT zu gründen?

Anne: Während meiner früheren Tätigkeit als Personalerin habe ich viele Job-Profile von Agenturen oder Personalvermittlern gesehen. Es ging einfach nur darum, möglichst viele Bewerber vorzustellen. Die Profile hatten nichts mit dem Gesuch der Unternehmen zu tun, die erforderlichen Programmiersprachen wurden teilweise gar nicht angegeben.

Romy: Wir saßen bei unserer Zielgruppe lange auf der anderen Seite des Schreibtischs und haben selbst Hilfe in Anspruch genommen, um Fachkräfte zu rekrutieren und Personalstrukturen aufzubauen. Im Prinzip ist unsere Idee dann aus der Unzufriedenheit mit den bestehenden Angeboten entstanden: Eigentlich engagiert man einen Dienstleister, um Arbeit abzugeben. Wir hatten aber das Gefühl, dass der Aufwand trotzdem sehr hoch war bzw. durch die Zusammenarbeit mit Personalvermittlern sogar stieg, weil das Wissen auf Seiten der Dienstleister so gering war. Da haben wir eine Lücke entdeckt, die wir mit einem an Qualität ausgerichteten Angebot füllen wollten.

Was ist das Besondere an get a MINT?

Anne: Wir legen insbesondere ganz viel Wert auf die Personalauswahl. Wir setzen uns mit jedem Kandidaten persönlich zusammen und besprechen, welche persönliche Entwicklung er für sich anstrebt. Da wird nicht, wie bei anderen Vermittlern, nur ein Telefoninterview geführt. Wir kennen jedes unserer Partnerunternehmen und jeden Kandidaten und wir haben ein gutes Gespür für einen „Team-Fit“ entwickelt. Personalvermittlern hängt das Klischee an, sie würden Menschenhandel betreiben. Für uns ist es eine Herausforderung, dieses Vorurteil abzubauen, das Vertrauen der Unternehmen zu gewinnen und sie davon zu überzeugen, dass unser Ansatz eben ein völlig anderer ist.

Romy: Wir unterscheiden uns auch von anderen Unternehmen, weil wir Rekrutierung als ganzheitliches Thema begreifen und zwei Dienstleistungs-Stränge fokussieren. Das eine ist  die eigentliche Personalvermittlung von Kandidaten aus unserem direkten Netzwerk, das zweite ist der HR-Support in den Unternehmen, das heißt Unterstützung in operativen Bereichen. Wir verstehen uns nicht nur als Personalvermittler, sondern geben Startups auch Starthilfe beim Aufbau ihrer Personalstrukturen. Gerade kleine Unternehmen haben in der Regel keinen Vollzeit-Personaler und da helfen wir projektbezogen aus.

Welche Kanäle würdet ihr kleinen Unternehmen für die Rekrutierung neuer Mitarbeiter empfehlen? Wo können Startups Kandidaten finden?

Anne: Es muss immer eine Mischung aus verschiedenen Kanälen sein und insbesondere der Zielgruppenfokus ist sehr wichtig, das vergessen viele. Häufig werden viel zu breit und viel zu unspezifisch irgendwelche Maßnahmen eingesetzt.
Zum einen setzen wir hier auf eine regionale und persönliche Ausrichtung, beispielsweise über den Empfehlungsbund. Hier können Unternehmen Kandidaten, die sie leider nicht einstellen können, untereinander weiterempfehlen. Oder alternative Bewerbungsverfahren, abseits der üblichen Sichtung von CVs. Innovailably ist da eine gute Möglichkeit.
Auch das Thema E-Recruiting und Active Sourcing spielt gerade bei technikaffinen ITlern natürlich eine Rolle. Auf Plattformen wie Stackoverflow haben Unternehmen und Entwickler ganz gezielt Profile und es kann ein Matching stattfinden. Startups sollten sich außerdem auch untereinander stärker vernetzen und im Netzwerk unterwegs sein, Multiplikatorwirkungen sollten nicht unterschätzt werden. Konzepte wie das SpinLab beispielsweise sind da Gold wert, weil sie dafür sorgen, dass die Unternehmen, die dort dabei sind, eine unglaubliche Aufmerksamkeit bekommen. Man sollte auch als Arbeitgeber selbst – Stichwort „Employer Branding“ – nach außen hin auftreten. „Wie spreche ich Kandidaten an?“ oder „Welche Kanäle sind für mich die richtigen, um meine Stellen zu besetzen?“ sind dann Themen, zu denen wir Unternehmen beraten und mit ihnen zusammen und in ihrem Namen umsetzen.

Glaubt ihr, dass Startups es im Vergleich zu großen Unternehmen schwerer haben, ITler zu finden?

Romy: Wir merken schon, dass die guten Absolventen in Richtung der großen Unternehmen schielen. Und natürlich bieten große Unternehmen eine Art von Sicherheit, man kann große spannende Projekte umsetzen, es ist etwas Langfristiges. Oft ist auch das Gehaltslevel ein anderes. Ich glaube, Startups haben es schwerer, weil sie nicht die gleiche Sichtbarkeit unter den Bewerbern haben wie große Unternehmen. Gerade Absolventen und Young Professionals ist oft gar nicht bewusst, dass die Arbeit in einem Startup überhaupt eine Option für sie ist. Sie entscheiden sich nicht bewusst gegen die Arbeit in einem Startup, sie entscheiden sich eher bewusst für die Arbeit in einem Konzern, weil ihnen v.a. diese Option auch über die Unis geboten wird. Aber es gibt auch so viele kleine und spannende Ingenieur-Startups, die von Young Professionals leider übersehen werden.
Es kommt dabei natürlich auch auf den Kandidaten individuell an: Entweder man hat eher einen Hang zu festen, gewachsenen Strukturen, dann wird man sich nicht für ein Startup interessieren. Aber jemand, der auf spannende Technologien setzt, auf Gestaltungsspielraum, der wird sich im Startup-Umfeld sehr wohl fühlen.

Wie würdet ihr den Fachkräftemangel in Leipzig im Vergleich zum restlichen Deutschland einschätzen?

Anne: Uns wurde gesagt, dass der Markt in Leipzig noch relativ entspannt ist. Die Meinung kann ich nicht ganz teilen. Gute Nachwuchskräfte in Leipzig zu finden ist durchaus schwierig, v.a. im Front-End-Bereich. Und ich glaube gerade für Leipzig ist die Nähe zu Berlin gleichzeitig Fluch und Segen. Wir haben schon Mitarbeiter aus Berlin in Leipzig platziert, weil das Startup-Business in Berlin viel umkämpfter ist. Da wirst du ständig mit einem noch viel tolleren Angebot gelockt und die Fluktuation in den Unternehmen ist enorm hoch. In Leipzig ist die Situation aktuell noch ein bisschen entspannter. Auf der anderen Seite mussten wir auch in der Vergangenheit erfahren, dass tolle Mitarbeiter zu Startups nach Berlin gegangen sind und Leipzig den Rücken gekehrt haben. Eine Stunde mit dem Zug, das ist keine große Entfernung.

Werdet ihr als Frauen in der IT-Branche überhaupt richtig ernst genommen?

Romy: Oft begegnen uns ITler mit Skepsis, wenn sie uns nicht kennen. Ich glaube, die Leute unterschätzen uns ganz klar. Und das ist in dem Moment für uns von Vorteil, in dem sie dann doch merken, dass wir verstehen, wovon wir reden. Wir kennen die Technologien und Programmiersprachen, mit denen gearbeitet wird und sprechen die Sprache der Kandidaten Wir haben schon selbst in Startups gearbeitet, viel mit Entwicklern zusammen. Wir sind sehr empathisch und stellen uns auf jeden einzelnen Bewerber ein. Deswegen schaffen wir es auch, Entwickler davon zu überzeugen, mit uns zusammenzuarbeiten. Sie fühlen sich einfach gut beraten von uns.

Wo seht ihr die Zukunft von get a MINT?

Anne: Wir wollen ein kleines überschaubares Unternehmen bleiben und haben nicht vor, einen Konzern daraus zu entwickeln. Nur so können wir diese individuelle Beratung gewährleisten und das macht uns eben aus.

Romy: Was uns auszeichnet, ist die Kommunikation auf Augenhöhe – sowohl mit Kandidaten, als auch mit Unternehmen. Wir verstehen den Bedarf und die jeweiligen Probleme. Anne und ich sind das Gesicht von get a MINT und wir wollen das auf genau dieser persönlichen Ebene halten. Von den MINT-Branchen bedienen wir im Moment ganz klar das “I”, also den Informatik-Teil, wobei die Naturwissenschaften und der Technikbereich auch stark nachgefragt werden. Wir haben natürlich Ambitionen, auch in diese Branchen stärker hineinzuwachsen.

Wollt ihr auch weiterhin auf der regionalen Ebene bleiben?

Romy: Ja, wir wollen weiterhin vor allem regional aktiv sein. Wir haben insbesondere auch Kontakte nach Berlin und Dresden, unser Service wird sich aber auch zukünftig vor allem auf Leipzig und die Umgebung beschränken. Unsere Philosophie ist es, Unternehmen und Kandidaten so gut wie möglich zu kennen und das können wir nur so sicherstellen.

Wir danken Romy & Anne für ihre Zeit und das spannende Interview und wünschen ihnen weiterhin viel Erfolg mit get a MINT!


Zur Autorin:

Viola hat in Tübingen Kommunikationswissenschaften und Soziologie studiert. Aktuell studiert sie “General Management” im Master an der HTWK Leipzig. Seit fast eineinhalb Jahren unterstützt sie außerdem das SpinLab – The HHL Accelerator als Werkstudentin, insbesondere in den Bereichen Recruiting und Event Management.