FYLTURA: Gründerin Anne-Cathrin erklärt, wie man die besten MitarbeiterInnen findet

Christoph Becker (Gründer & CEO), Anne-Cathrin Becker (Gründerin & COO ) und Michelle Heinrich (Psychological Consultant) bilden das Team hinter FYLTURA. Sie helfen Unternehmen mit innovativen Testverfahren bei der Auswahl passender MitarbeiterInnen. (Foto: Christian Hüller, Quelle: FYLTURA)

Anne-Cathrin und Christoph Becker haben gemeinsam FYLTURA gegründet. Das Startup aus Markkleeberg beschäftigt sich mit den modernen Herausforderungen des Recruitings und hilft Unternehmen mit Programmieraufgaben und Big Five Persönlichkeitstest herauszufinden, ob die BewerberInnen fachlich und persönlich zum Unternehmen passen. Wir haben mit Gründerin Anne-Cathrin über ihr Startup, modernes Recruiting und ihr Lieblings-Interview gesprochen.

FYLTURA Gründerin - Anne Cathrin Becker
Anne-Cathrin Becker ist Gründerin und COO von FYLTURA.

Hey ihr beiden, schön euch zu treffen. Stellt euch als Team doch kurz vor! 

Anne-Cathrin: Als Human Resources Managerin im Konzernumfeld als auch in mehreren Startups greife ich auf Erfahrung im Personalmanagement mit den Schwerpunkten Personalbeschaffung und -entwicklung zurück. 2017 habe ich die Personaldienstleistungsagentur „get a MINT” mitgegründet. Seit 2020 bin ich Geschäftsführerin bei FYLTURA.

Christoph: Nach meinem Studium des Wirtschaftsingenieurwesens und der Informationstechnik an der Uni Rostock habe ich als Berater im Unternehmens- und Projektmanagement sowie in der Softwareentwicklung gearbeitet. In den letzten Jahren hatte ich verschiedene Führungspositionen in deutschen Technologieunternehmen inne, bei denen ich erfolgreich Produkte entwickelt und in den Markt eingeführt, agile Methoden umgesetzt und Projekterfolge sichergestellt habe.

Wann und wo habt ihr gegründet? 

2018 wurde Expert Sieve, das Unternehmen hinter FYLTURA, von Christoph in Markkleeberg gegründet, um Bewerbungsprozesse in IT-Unternehmen datengetrieben zu beschleunigen. Gegründet hat Christoph mit eigenem Geld. Aktuell wachsen wir aus dem Cashflow heraus – also ohne Fremdkapital.

Unsere KundInnen sind kleine und mittelständische Technologieunternehmen, die offen für neue Tools und Prozesse sind. Heute sagt man vielleicht “digital affin”.

Welches Problem löst ihr mit eurem Startup?

Einge! Wir lösen Probleme unserer KundInnen auf die Fragen: Wie erkennt man geeignete KandidatInnen möglichst früh im Bewerbungsprozess? Wie bekomme ich mit wenig Aufwand heraus, ob jemand gut oder gar nicht ins Unternehmen passt? Wie gut ist denn die SoftwareentwicklerIn fachlich für eine bestimmte Position geeignet? 

FYLTURA bietet branchenunabhängige Persönlichkeitstests und fachliche Eignungstests für Softwareentwickler an, um frühzeitig auf Basis der Ergebnisse Entscheidungen in der Personalauswahl treffen zu können. HR benötigt  somit keine Hilfestellung der Fachabteilung mehr, um die Kompetenz von SoftwareentwicklerInnen festzustellen.

Ebenso sind Einblicke in die Persönlichkeit der BewerberInnen nun in knapp 20 Minuten ohne umfängliches Interview oder Psychologiestudium möglich. Weiterhin sind unsere Verfahren objektiv, schnell und unvoreingenommen und sorgen somit für einen konsistenten und nachvollziehbaren Prozess. Die BewerberInnen finden es super und sie profitieren von einem beschleunigten Auswahlprozess.

Wie ist die Idee für FYLTURA entstanden? 

In unseren vorhergehenden Jobs als CTO und Personalverantwortliche in IT-Unternehmen haben Christoph und ich bereits gemeinsam Hunderte von Bewerber*innen gesehen, gesprochen, evaluiert und eingestellt. Eine herausfordernde Aufgabe im Hinblick auf den gravierenden Fachkräftemangel.

Dabei war HR immer auf die Einschätzung der Fachabteilung angewiesen, um die KandiatInnen zu beurteilen. Viele Termine mussten koordiniert werden und jede TeamleiterIn hatte eigene Vorstellungen vom idealen Kandidaten. Dieser langwierige, kostspielige und ressourcenbindende Recruitingprozess kam weder inhouse noch bei den Bewerber*innen wirklich gut an. Und objektiv war da natürlich auch nichts, da es auch keine objektiven Maßstäbe gab.

Das mussten wir einfach ändern! Somit war die Idee zu FYLTURA geboren.

Worauf kommt es besonders an, wenn man im HR Bereich gründet? 

Ich glaube, dass Erfahrungen im Personalbereich hilfreich sind – und auch Durchhaltevermögen. Es gibt noch immer Unternehmen, in denen Personalgewinnung noch läuft wie vor 30 Jahren.

Was macht die MitarbeiterInnen-Suche denn so schwierig? 

Viele Unternehmen haben Schwierigkeiten, sich selbst darzustellen. Das dann noch so hinzubekommen, dass dies für die Zielgruppe der potenziellen MitarbeiterInnen interessant ist, ist schon eine Herausforderung. 

Wir haben seit langem und trotz Corona einen Arbeitnehmermarkt. Dadurch wissen die meisten Unternehmen sehr gut, was “war for talents” bedeutet.

Aber es gibt auch Chancen. Dort wo im Home-Office gearbeitet werden kann, entfallen örtliche Beschränkungen. Somit können MitarbeiterInnen nun auch am anderen Ende der Republik, in Europa oder gar in Übersee gefunden werden.

Worauf sollten besonders Startups bei der MitarbeiterInnen Suche achten? 

Startups müssen, wie alle anderen Unternehmen auch, sichtbar sein und klar den eigenen Zweck vermitteln. Junge, kleine Unternehmen sollten nicht vergessen, dass sie durchaus einen entscheidenden Vorteil haben – sie sind flexibler und agiler. Dieser Vorteil sollte genutzt werden! Ganz praktisch kommen die ersten zehn MitarbeiterInnen oft aus dem eigenen Netzwerk – dort würde ich als GründerIn immer zuerst suchen.

Was unterscheidet denn zum Beispiel gute von “schlechten” EntwicklerInnen?

Es gibt leider nicht das ultimative Unterscheidungsmerkmal. Zunächst kommt es darauf an, was überhaupt gesucht wird. Unserer Erfahrung nach fängt dort bereits das Problem an. Viele Unternehmen machen sich zu wenig Gedanken über die eigenen Anforderungen an eine Vakanz. Diese sind oft unkonkret. Wenn ich keine klare Vorstellung davon habe, wie will ich denn überhaupt jemand passendes für meine Vakanz finden? 

Ob jemand technisch fit ist und passt, kann man leicht herausfinden. Dafür sind wir ja da! Und wer nur die Besten einstellen will, kommt an uns nicht vorbei.

Welcher ist der nächste Schritt für euer Startup, und wie lautet eure Vision für die Zukunft? 

Den Persönlichkeitstest für die KandidatInnen bieten wir bislang auf Deutsch und Englisch an. Zeitnah soll der Persönlichkeitstest um weitere 20 Sprachen erweitert werden. Wir arbeiten zudem kontinuierlich daran, die Auswahl an Job-Anforderungsprofilen zu vergrößern. Ebenso fügen wir weitere Programmiertests hinzu. Aktuell geht es in Richtung Data Science und Machine Learning. Unser FYLTURA Ziel ist es, unseren KundInnen bis zum Ende von Q1 eine Team-Fit-Analyse anbieten zu können.

Wir glauben daran, dass die MitarbeiterInnen das Unternehmen formen und es zu dem machen, was es ist. Wir wollen, dass KandidatInnen und Unternehmen optimal zusammenpassen und der Recruitingprozess für beide Seiten ein Gewinn ist.

Unser Ziel ist es, erstklassige Produkte zu bieten, die sowohl das Image des Unternehmens als auch dessen Recruitingprozess aufwerten.

Viele Firmen setzen im Auswahlprozess auf spezielle Testverfahren. Unsere Leidenschaft zu diesem Thema wollen wir mit unseren Kund*innen und deren KandidatInnen teilen, indem wir diesen datengestützte Handlungsempfehlungen bei der Personalauswahl geben.

Was würdet ihr anders machen, wenn ihr nochmal gründen könntet? 

Früher gründen! Wir waren beide bereits in den späten Dreißigern, hatten Kinder und ein relativ komplexes Leben. Mit Anfang zwanzig waren wir ungebundener und flexibler – wiederum fehlte uns da die Erfahrung. 

Hast du zum Abschluss noch einen persönlichen Content-Tipp für junge GründerInnen?  

Ich empfehle gern das Interview mit Vinod Khosla “Vinod Khosla on how to build the future”. Vinod Khosla ist Mitgründer von Sun Microsystems und hat als VC viele Unternehmen begleitet, beraten und auch erfolgreich verkauft. Wir sind, wie er, der Meinung, dass die Leute das Unternehmen (aus)machen. Wenn der Wille und der Anspruch auf ein erfolgreiches Unternehmen nicht in den Mitarbeitern steckt, wird das nichts. Deshalb ist gute Personalauswahl entscheidend. 

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