Fünf Dinge, die ihr über Coaching wissen müsst – Ein Experteninterview mit Frank Lemloh

Frank Lemloh ist agiler Coach und systemischer Berater in Leipzig und hat uns einen Einblick in seine Arbeitsweise gegeben. (Foto: Linda Schäffler)

Wer sich mit dem Thema Startups beschäftigt, der kommt um einen Begriff kaum herum: Coaching. Wir haben uns näher mit dem Thema auseinandergesetzt und mit einem Experten gesprochen. Frank Lemloh ist Gründer und Inhaber von Fink & Zeisig und als agiler Coach und systemischer Berater aktiv. Sein Ansatz stellt die Personen, die hinter einer Unternehmung stehen, in den Vordergrund. Uns hat er erklärt, warum das wichtig ist und wie genau dieser Ansatz zum Erfolg verhelfen kann. Wir haben die fünf wichtigsten Erkenntnisse aus diesem Gespräch für euch zusammengefasst.

Wer sich für ein Coaching entscheidet, kann dies aus ganz verschiedenen Motivationen heraus tun. Es gibt Coaches, die dabei helfen, Lösungen für Probleme im privaten Bereich zu finden. Andere unterstützen wiederum bei beruflichen Hürden oder gleich ganze Teams oder Unternehmen. Natürlich gibt es wie so oft auch beim Coaching zahlreiche verschiedene Ansätze. In diesem Guide wollen wir uns aber auf systemisches Coaching konzentrieren.

Was ist systemisches Coaching?

Bei systemischem Coaching handelt es sich laut des Deutsche Gesellschaft für Systemische Therapie, Beratung und Familientherapie e. V. (DGSF) um eine Form der individuellen Prozessbegleitung im beruflichen Umfeld. Ziel dieses Ansatzes ist es, die individuellen Vorhaben und die persönlichen Kompetenzen von KlientInnen und die Anforderungen der Organisation an diese als FunktionsträgerInnen zu reflektieren und zu einer Integration zu führen.

Den richtigen Coach für das eigene Anliegen zu finden stellt einen dann vor die Qual der Wahl, was uns auch schon zu unserer ersten Erkenntnis führt:

1. Coach ist nicht gleich Coach

Coaches gibt es mittlerweile vor allem in der Startup-Szene viele. Wer einen geeigneten Coach sucht, kann als Erstes auf die Ausbildung achten. Frank Lemloh ist u.a. systemischer Berater. Er hat eine zweijährige Ausbildung beim ptz Corman Institut absolviert und ist DGSF-zertifiziert. Ein weiterer Faktor ist der Erfahrungsschatz des Coaches. Mit über 2.000 Orientierungs- und Gründungsberatungen und über 300 Begleitprozessen von Unternehmen bringt Frank Lemloh jede Menge Erfahrungen mit.

Ursprünglich absolvierte der gebürtige Münsteraner in Hamburg eine klassische Berufsausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann, bevor er Angewandte Kulturwissenschaften an der Leuphana Universität in Lüneburg studierte. Nebenbei arbeitete er für die Titanic Ausstellung, dem Fußballclub FC St. Pauli und auch für den Musikmarktführer Universal Music. 

Er gründete u.a. mit Kollegen aus der Plattenfirma die Medienagentur Artist Team und betreute und produzierte die Webseiten namhafter Musikgrößen von Helge Schneider, über James Last, Take That bis hin zu Rammstein. Mit seiner zweiten Gründung Creative Quartiere und Marketing entwickelte er Kreativimmobilien und Quartiere. Zwischenzeitlich war er Geschäftsführer der Interessengemeinschaft Hamburger Musikwirtschaft, in Basel Geschäftsführer des ersten Gründerzentrums für Kreativwirtschaft der Schweiz und Projektleiter für junge Gründungen bei Social Impact in Leipzig.

Heute begleitet er mit seiner Unternehmensberatung Fink & Zeisig u.a. GründerInnen, Startups und Unternehmen mit Coaching- und Beratungsbedarf im Bereich Gründungsbegleitung, nachhaltiger Geschäftsentwicklung, sowie Transformation und New Work.

2. Hinter KPI’s stehen immer Menschen

Wenn Startups oder bestehende Unternehmen auf einen Coach zurückgreifen, dann meistens, um Veränderungen hervorzurufen oder ihre KPI’s zu verbessern. In diesem Kontext fallen dann oft Worte wie Rationalisierung und Effizienz. Das ist gut und wichtig – für Frank Lemloh ist es vor allem aber wichtig, nicht zu vergessen, dass am Ende immer noch Menschen hinter diesen Zahlen stehen.

Die Vielschichtigkeit, die zum Erfolg des Unternehmens beitragen, schließen menschliche Faktoren nämlich entscheidend mit ein, weiß der systemische Coach aus Erfahrung nur zu gut. Deutlich wird das zum Beispiel am Faktor der Motivation.

„Wenn es einzelnen TeammitgliederInnen an Motivation fehlt, dann geht es nicht voran, und das kann ganz verschiedene Gründe haben. Diese müssen identifiziert und dann behoben werden, damit es mit der Leistung wieder bergauf geht“, erklärt Frank Lemloh.

Coaching - Lemloh
In seiner Tätigkeit als agiler Coach hat Frank Lemloh schon vielen Menschen bei der bewältigen von beruflichen Hürden geholfen. Seine langjährige Erfahrung hat er mit uns geteilt. (Foto: Linda Schäffler)

Gerade jetzt im Home-Office, aber auch im Alltag von GründerInnen verschwimmen die Grenzen zwischen der beruflichen und der privaten Welt zunehmend. Es ist nur logisch, dass dabei die Welt außerhalb des Jobs immer auch Einfluss auf diesen hat, deshalb muss auch ein gewisses Gleichgewicht herrschen. Systemische Beratung setzt genau hier an und kann so dabei helfen, mit unternehmerischen Herausforderungen, deren Wurzeln möglicherweise ganz woanders liegen, umzugehen.

3. Coaching macht Ressourcen und Kreativität sichtbar

Frank Lemloh gibt seinen KlientInnen viel Raum für  ihre individuellen Probleme oder die im Team. Die meisten Menschen neigen dazu, schnell eine Lösung zu finden, ohne dabei zu hinterfragen, warum es eigentlich ein Problem gibt. In der systemischen Arbeit muss der Coach kein branchenspezifisches Fachwissen haben, dieses liegt ganz allein bei den KlientInnen selbst. Als systemischer Berater hilft Frank Lemloh Unternehmen dabei, Problemstellungen und Herausforderungen in ihrem beruflichen Alltag selbst zu identifizieren und diese auch selbst zu lösen, indem er ihnen neue Sichtweisen und Optionen auf diese Herausforderungen vermittelt.

Zu seinen Methoden gehören,  Aufstellungen mit Stühlen, die den Ist-Zustand eines Problems darstellt. Darauf basierend erarbeitet er seinen Klienten neue Konstellationen auf dem Weg zu einem positiven Zielzustand, die häufig zu der Erkenntnis führen: Es geht auch anders! 

Im Gegensatz zu der klassischen Beratung, die oftmals für ein Unternehmen an Lösungen arbeitet, nehmen Coaches also eine prozessbegleitende Rolle ein. Sie sorgen dafür, dass der Prozess gut begleitet ist und wissen, wie so eine „Reise“ als Ziel verlaufen kann.

4. Wer sich coachen lassen möchte, muss bereit sein, etwas ändern zu wollen

Damit das gelingt, bedarf es vor allem eins: Die Bereitschaft an sich selbst zu arbeiten. Oft haben Unternehmen keine Vorstellung davon, wie sie wachsen sollen, nicht nur in Bezug auf ihre Zahlen, sondern auch inhaltlich. Wie kann man Kompetenzen in Unternehmen weiterentwickeln, die auf jede(n) Einzelne(n) abzielen? Oft wird nicht beachtet, wer welche Kompetenzen und Kapazitäten hat, so kann Agilität gar nicht erst entstehen und Methoden wie Scrum oder Design Thinking werden nicht von allen TeammitgliederInnen angenommen. Mit solchen unternehmerischen Herausforderungen umzugehen ist nicht leicht, vor allem ohne den Blick von außen.

Eine wichtige Rolle in diesem Prozess spielt deshalb die Bereitschaft, sich selbst ändern zu wollen. Denn nur, wenn sich im System der/des Einzelnen etwas ändert, kann Coaching in Unternehmen richtig funktionieren und Veränderung auch nachhaltig in der gesamten Organisation stattfinden. Die Integration des gesamten Teams ist also wichtig. Falls einzelne MitarbeiterInnen nicht mitziehen, gilt es, die Potenziale dieser Teammitglieder zu erkennen, sie sichtbar zu machen und sie zu unterstützen, so Frank Lemloh.

5. Kreativität braucht Freiräume

Wenn es also darum geht, Hürden zu überwinden und komplexe Prozesse zum Laufen zu bringen, braucht es den Mut, auch mal „outside the box“ zu denken. Dies setzt voraus, dass Freiräume geschaffen werden und die Bereitschaft vorliegt, im Team daran zu arbeiten. Ist dir schon mal morgens beim Duschen eine richtig gute Idee gekommen? Das geht vielen Leuten so. Oft fallen uns die besten Ideen oder gute Lösungen außerhalb des Arbeitsplatzes ein, beim Radfahren, unter der Dusche oder im Zug zwischen zwei Meetings. Lemlohs Tipp hier ist, sich auch mal von den Inhalten des Arbeitsalltags zu lösen und buchstäblich Raum für Kreativität zu schaffen. Auch solche Prozesse können erlernt werden, systemisches Coaching kann bei der Verinnerlichung solcher bewussten Denkprozesse helfen.

Das waren die fünf wichtigsten Erkenntnisse aus unserem Gespräch mit Frank Lemloh. Welche Erfahrungen habt ihr schon mit Coaching gemacht? Wir freuen uns auf eure Kommentare!

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