Frank Thelen beim OMR Festival in Hamburg: Tipps für Gründer

Frank Thelen

Jährlich findet das Online Marketing Rockstars Festival in Hamburg statt. Neben namenhaften Speakern auf der Konferenz, gibt es auch spannende Talks, Aussteller und Masterclasses auf der Messe. Eigentlich hätte Frank Thelen für diesen Talk Jens Spahn gegenüber gesessen, um darüber zu sprechen was die Politik für eine neue Gründerzeit machen muss. Doch der wurde in Berlin gebraucht, sodass der „Höhle der Löwen“-Juror sich einem Q&A stellte.

Mit der Freigeist Capital GmbH investiert Frank Thelen in Food und vor allem Technology Startups. Neben einem vergleichsweise kleinen Investment bietet Freigeist den Gründern vor allen Dingen Rat, Hilfe und ein umfangreiches Netzwerk in ihrer Entwicklungsphase. Dabei hält der Unternehmer wenig von fixen Terminen. Er ist der Meinung, dass sogenannte jour fixes zwar manchmal hilfreich sein können, aber ihm ist es wichtiger, dass die Startups mit konkreten Problemen und Fragen jederzeit an ihn heran treten können. Wenn es nichts zu besprechen gibt, macht ein Treffen wenig Sinn. Deshalb rät er allen Gründern: prüft, ob ihr wöchentliche Termine wie Stand-up Meetings oder jour fixes braucht.

Worauf achten VC’s?

Auf die Frage, wie sehr die Freigeist Capital GmbH auf Due Dilligence achtet, gab Thelen an, dass ihnen die Persönlichkeiten oft viel wichtiger sind: „Wir sind nicht wie andere VC’s. Wir richten den Blick auf die Persönlichkeiten der Gründer.“ Es muss vor allem auch passen zwischen den Gründern und der Investmentfirma. Thelen erinnert sich einen top Deal ausgeschlagen zu haben, weil er einfach persönlich nicht viel von dem Gründer hielt. Es kommt also nicht immer nur auf Zahlen an, sondern auch wie ihr als Gründer so drauf seid und ob ihr zu dem VC Unternehmen passt. Passt es nicht mit dem einen, passt es ja vielleicht auch mit einem anderen.

KPI’s auf die Thelen achtet, sind: was kostet der Kunde? Was kauft er? Und kommt er wieder zurück? Er investiert beispielsweise ungern in Unternehmen, die ein Produkt nur einmalig verkaufen. Kunden sollten über einen langen Zeitraum gewonnen werden können und nicht nur für einen einmaligen Einkauf. Die Kundenzahl kann dann nicht so steigen, weil der Markt irgendwann von dem Produkt gesättigt ist.

Marketing in Startups

Sollte man in der Anfangsphase das Produkt oder das Marketing in den Fokus stellen? Die Antwort von Frank Thelen lautet: „beides“. Ohne ein gutes Produkt, gibt es nichts zu vermarkten, aber ohne Marketing gibt kein Wachstum. Eigentlich liegt das ja auf der Hand beiden Bereichen gleich viel Aufmerksamkeit zu widmen, doch das ist häufig nicht der Fall! Also nochmal ein wichtiger Tipp für alle Startups in der Startphase: versucht möglichst keinen der Bereiche zu vernachlässigen!

Marketing kann aber auch keine Wunder schaffen. Gutes Marketing funktioniert nur mit einem guten Produkt. Testet also eure Produkte und schaut euch die Metriken an. Durch Marketing erreicht ihr ein breiteres Publikum, wodurch die Metriken schlechter werden können. Deshalb ist es sehr wichtig, das Produkt einmal an eurer „Fanbase“ (also dem Kernpublikum, das ganz heiß auf euer Produkt ist) zu präsentieren. Wenn ihr hier keine guten Ergebnisse erzielt, dann kann auch das Marketing die Ergebnisse nicht verbessern, wenn es das Produkt an ein größeres Publikum ausspielt. Sein Rat an dieser Stelle: „redet nichts schön!“

Die Macht von GAFA

Gegen Ende des Q&A’s wurde das Thema rund um die Plattformen der Big Player Google, Amazon, Facebook und Apple angeschnitten. Frank Thelen hat dazu eine eindeutige Meinung, nämlich dass Europa den Anschluss verschlafen hat. Was er damit meint erklärt er am Beispiel eines Restaurant-Parkplatzes in Deutschland auf dem nur asiatische Autos parken: die Deutschen würden buchstäblich Amok laufen. Nur im Bereich der Digitalisierung scheint es niemanden zu stören, dass Deutschland und Europa von den USA komplett abgehängt wurde. Als Unternehmen ist man darauf angewiesen, seine Produkte auf Amazon oder den App-Stores von Apple und Google anzubieten, doch die haben die volle Kontrolle darüber, was sie dort anbieten. Bist du raus, hast du keine Chance: es gibt keine Alternative. Deshalb hat Frank Thelen eine Mission: Gründer, die größer denken; Investoren, die sich mehr trauen; Rahmenbedingungen der Politik beides zu ermöglichen und gleichzeitig bessere Bildung zu schaffen. Er muss sich für diese Ansicht oft anhören, dass er ein Panikmacher sei. Doch mal ehrlich, so unrecht hat er doch gar nicht. Was meint ihr?