Finanzspritze aus Franken für Dresdner 35PE

Foto: 35PE/Kristin Schmidt.

35PE – 3-5 Power Electronics – sesshaft im Silicon Saxony-Hotspot Dresden – bekam am Wochenende frisches Kapital und einen neuen Investor aus Franken – Die Familie Sturm. Über ihre Beteiligungsgesellschaft „Sturm Family Office“ (SFO) steigen sie aus Bad Mergentheim ein. 

Galliumarsenid (GaAs) – Günstig und hocheffektiv

Der 35PE-Chef Gerhard Bolenz kommentiert, dass die neue Finanzierung dabei helfen soll, die Produkte weltweit zu positionieren. Die Firma ist auf Galliumarsenid-Schichten (GaAs) spezialisiert. Diese werden auf Trägerscheiben (Wafer) aufgebracht. Bis zu 150 Ampere können mit diesem Halbleiter-Material vertragen werden, was sich vor allem für Elektroautos, Solaranlagen, Trafos, Batterie-Schnellladestationen oder auch in Notstrom-Batterien (USVs) für Rechenzentren bestens eignet.

Verwandte Verbindungshalbleiter sind Siliziumkarbid und Galliumnitrid, diese sind jedoch teurer und schwieriger zu verarbeiten. 2015 gründeten die Gerhard Bolenz, Volker Dudek und Richard J. Kulle in Freital das Unternehmen „35PE“, welcher sich  von der englischen Bezeichnung für Leistungselektronik (Power Electronics), und gleichzeitig von den Hauptgruppen III und V im Periodensystem ableitet. Wer gut in Physik aufgepasst hat, weiß, dass sich in diesen die Elemente Gallium und Arsen finden. 2016 zog das junge Unternehmen in die junge Startup-Stadt Dresden um.

Fab-Light-Ansatz für mehr Effizienz

Im April 2018 eröffnete das Startup eine kleine Halbleiterfabrik im städtischen Technologiezentrum, genauer an der Gostritzer Straße. Dabei wird ein „Fab-light“-Ansatz gewählt: Nur Kristallwachstums-Kernprozesse, sogenannte Epitaxien, werden dort im eigenen Reinraum erledigt, die restlichen Prozesse übernehmen Auftragsfertiger, wie Azur Space in Heilbronn. Die GaAs-Dioden wuerden bereits an Hersteller in Europa und China verschickt. Mittlerweile umfasst das Unternehmen sieben Mitarbeiter und hat 5,3 Mio Euro eingenommen, wobei ein Teil aus der Sino in Shanghai stammt.

Die Konkurrenz für Leistungs-Halbleiter ist groß

Im Startup-Hotspot Dresden gab es einige Unternehmen, die sich mit diesen Leistungs-Halbleitern auseinandersetzten. Darunter auch die ehemalige 300-Millimeter-Fabrik von Qimonda, die Infineon zum Leistungs-Halbleiter-Werk umfunktionierte. Auch die Wafer-Spalt-Firma Siltectra, die vor kurzem mit Infineon fusionierte, setzte an diesem Punkt an. Auch „Azzurro“ in Dresden beschäftigte eine Fabril für Galliumnitrid-beschichtete Wafer, ging jedoch 2014 insolvent.  In Freiberg beschäftigt sich die „Freiberger Compound Materials” (FCM) unter anderem mit Galliumarsenid und Galliumnitrid und kooperiert dafür auch mit dem Namlab der TU Dresden.

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