„Es geht nicht um den Schreibtisch“ – Coworking in Magdeburg

Wenn keine festen Büroräume zur Verfügung stehen, können GründerInnen auf die Arbeit in Coworking Spaces setzen. Vor allem in Magdeburg finden sich dafür viele Adressen.

Coworking Spaces gelten als kreativer Arbeitsplatz mit Zukunftspotential. Freelancer, Künstler und Studenten aber auch GründerInnen kommen gern auf das Angebot zurück. Wir werfen einen Blick auf die Coworking-Landschaft der Landeshauptstadt Sachsen-Anhalt.

Ein Gastbeitrag von Melanie Friedrichs, Univations GmbH / Investforum Startup-Service

Steckt die Startup-Idee noch in ihren Kinderschuhen, wird oftmals ehrgeizig im Homeoffice an ihrer Umsetzung gearbeitet. Diese Arbeitsweise ist verlockend und flexibel. Allerdings bringt sie auch die Schwierigkeit mit sich, eine klare Abgrenzung zwischen den eigenen vier Wänden und dem Arbeitsplatz zu schaffen. Doch wohin, wenn bisher keine eigenen Büroräume zur Verfügung stehen?

Mit Coworking Spaces ist eine flexible Bürolösung gefunden. In einem meist sehr offen gestalteten Großraumbüro teilen sich Startups, Selbstständige, Künstler und Co. ihren Arbeitsplatz, angemietet wird durch den Nutzer oft nur der Schreibtisch mit zugehörigem Büromaterial. Der ökonomische Faktor spielt dabei eine große Rolle: Büroinfrastruktur wie Strom, Drucker und Papier werden gemeinsam genutzt. Viel größer ist jedoch der Vorteil, vom Input anderer zu profitieren und sich Inspiration zu holen. Damit ist Coworking längst kein Geheimtipp mehr: Die Nachfrage wächst stetig, weltweit gab es laut Statista im Jahr 2018 über 18000 Angebote, um die Idee der kreativen Zusammenarbeit zu verwirklichen.

Für Künstler und digitale Nomaden

Im Bereich Coworking bietet Sachsen-Anhalts Landeshauptstadt Magdeburg einige Möglichkeiten, das Konzept Coworking auszuprobieren. Eine davon ist das Künstlerkartell. Seit Dezember 2018 befindet sich dies zentral an der Kepplerstraße am Hasselbachplatz. Inhaber Jan-Christoph Elle stammt als Fotograf und Videoeditor aus der Medien-Branche und schuf sich mit dem Künstlerkartell sein eigenes Ambiente, um Arbeit und Privates zu trennen. Insgesamt 12 Plätze sowie ein Meetingraum stehen Nutzern dort zur Verfügung.

„Das Besondere bei uns ist, dass Arbeitsplätze ganz flexibel tage-, wochen- oder monatsweise gebucht werden“, informiert er.

Nach der Anmeldung lässt sich der Arbeitsplatz jederzeit schnell über das digitale System online buchen. Die Miete für einen festen Schreibtisch beträgt im Monat 199 Euro. Weiterhin ist die Nutzung zwei Mal in der Woche für 100 Euro möglich oder für Kurzentschlossene, der Kauf einer Zehnerkarte. Wem ein guter Laptop zum Arbeiten fehlt, dem kann im Künstlerkartell mit dem „Laptop to go“-Angebot ebenfalls ausgeholfen werden. Neben Inspiration können Interessierte mit den angebotenen Workshops ihr Wissen über Bildbearbeitung und Fotografie erweitern. Elles in eigener Handarbeit gestaltetes Künstlerkartell setzt mit seiner Einrichtung auf Wohlfühlatmosphäre.

„Der Nutzer sollschließlich Lust haben zu bleiben.“

Es geht nicht nur um den Schreibtisch

Dennoch sei das Prinzip Coworking in Magdeburg noch nicht sehr etabliert. Zum Kundenstamm gehörten bisher Web-Entwickler, Künstler und auch Freischaffende aus der Reisebranche. Es scheine aufgrund vergleichsweise niedriger Mieten auch attraktiv zu sein, sich eigene Büroräume anzumieten, vermutet der Fotograf. Er ist jedoch vom Prinzip des flexiblen Büros überzeugt.

„Es geht nicht um den Schreibtisch, der gemietet wurde. Im Vordergrund stehen die Gemeinschaft und das Netzwerk, was sich so aufbauen lässt.“ Auch die effektive Arbeitsweise sei hervorzuheben. „Ich habe die Erfahrung gemacht, Projekte, für die man sonst vielleicht mehrere Tage benötigen würde, in vier Stunden fertigzustellen.“

Neben dem Künstlerkartell gibt es mit dem Forum Gestaltung für die Bereiche Kultur- und Kreativwirtschaft, dem Elbtalent, dem Elblicht und der Kommunikationsagentur MDKK weitere Angebote im Coworking-Bereich. Letzteres ist besonders für Programmierer und Entwickler mit Schwerpunkt u.a. in der App-Entwicklung geeignet. Für Ausgründungen der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg bietet sie zusätzlich Sonderkonditionen an. Auch das Transfer- und Gründerzentrum der Otto-von-Guericke-Universität selbst stellt Coworking-Flächen für Startups bereit. Dort wird allerdings nicht in einem Großraumbüro, sondern Tür an Tür in Einzelbüros gearbeitet.

Um also das passendste Angebot für sich zu finden, ist es sinnvoll, sich ein Bild davon zumachen, worauf mögliche Spezialisierungen liegen und welche Angebote es sonst noch gibt,um Kontakte zu knüpfen. Im Künstlerkartell ist dafür beispielsweise zunächst auch eine Probewoche möglich. Ob man als GründerIn nun die Ruhe im Einzelbüro, die Flexibilität des Homeoffice oder die kreative Zusammenarbeit in der Coworking Space schätzt: Die Entscheidung des geeignetsten Arbeitsplatzes fällt von Charakter zu Charakter unterschiedlich aus.