Es brummt in Pegau – madebymade baut Anlagen aus

madebymade Gründer
Die madebymade GmbH Gründer Kai Hempel und Dr. Jonas Finck (Foto: Uwe Nickolaus)

Es begann in einer Garage. Seitdem haben die madebymade Gründer riesige Fortschritte gemacht, und die Ausweitung der bisher 400 Quadratmeter großen Pilot-Anlage auf 2.400 Quadratmeter in Angriff genommen. 7,5 Tonnen lebende Larven pro Tag sollen hier bald produziert werden. Ein Vorhaben im Industriemaßstab. Mit dieser Thematik widmet sich das Gründerteam einer der wichtigen Fragen unserer Zeit: Wie können wir Nutztierhaltung nachhaltiger gestalten, und die Nahrungsmittelversorgung des Planeten sichern? In diesem Jahr sind madebymade für den sächsischen Unternehmerpreis in der Kategorie „Sachsen gründet – Start-up 2020“ nominiert. Wir haben ihre Geschichte und ihre Vision in diesem Porträt noch einmal festgehalten. 

Es ist ein gutes Jahr für die madebymade Gründer Kai Hempel und Dr. Jonas Finck. Ihr Business ist von den wirtschaftlichen Missständen, die durch die Corona-Krise entstanden sind vorerst verschont geblieben. Denn Tierfutter wird weiterhin gebraucht und dafür liefern die Gründer eine entscheidende Zutat: Proteine. Das innovative daran, statt dem in der Tiernahrungs-Industrie üblichem Soja oder Fischmehl verwenden sie die Maden der Schwarzen Soldatenfliege als Proteinquelle. Damit sind sie schon früh in ein Feld mit großem Potenzial eingestiegen. Denn aufgrund der hohen Nachfrage nach Soja und Fisch werden bekanntlich Regenwälder abgeholzt, Meere überfischt und eine Menge CO2 produziert.

Von der Garage auf 2.400 Quadratmeter – ein Rückblick 

Begonnen hat alles vor rund fünf Jahren. Mitgründer und CEO Kai Hempel wollte nach seinem BWL Studium eine Aquakultur gründen, scheiterte jedoch an dem Kostenfaktor der tierischen Eiweißquellen die so ein Vorhaben benötigt. Eine neue Idee war geboren: Die lokale und schadstofffreie Herstellung einer tierischen Eiweißquelle. Auf einer Veranstaltung zum Thema Insekten traf er dann seinen Mitgründer Dr. Jonas Finck. Der Biologe kannte sich mit Insekten besonders gut aus, die sich wiederum hervorragend als tierische Proteinquelle eignen. madebymade war geboren. 

Zwei Jahre später folgte die Gründung und auch gleich das erste Investment. Der Leipziger Risikokapitalgeber Golzern Holding beteiligte sich 2018 mit einem Seed-Investment an dem Unternehmen. Das Ziel: Bis Ende 2018 sollten die Gründer eine funktionierende Anlage bauen, die ersten Tiere züchten, und alle Zulassung haben die benötigt werden um die ersten Verkäufe tätigen zu können.  

Mitte 2020 können Kai Hempel und Dr. Jonas Finck auf eine aufregende Zeit zurückblicken. Die Pilotanlage hat gezeigt, eine Produktion ihrer Maden ist im industriellen Maßstab möglich. Zurzeit wird die Anlage von 400 Quadratmeter auf 2.400 Quadratmeter ausgebaut. Bald sollen hier täglich 7,5 Tonnen lebende Larven am Tag gezüchtet werden.

So funktioniert die Larvenzucht – Ein Zero Waste Konzept 

Das Geschäftsmodell von madebymade dreht sich rund um die Schwarze Soldatenfliege (BFS). Sie ist aufgrund ihrer ökologischen Anspruchslosigkeit und des hohen Proteingehalts der Larven besonders geeignet für die Zwecke des Unternehmens. Gefüttert wird sie mit einem Brei aus organischen, vegetarischen Reststoffen, die die Gründer quasi vor der Tonne retten. Was bei der Larve hinten wieder rauskommt, eignet sich nebenbei hervorragend als Düngemittel. So entsteht innerhalb der Produktion ein effizienter Kreislauf, der komplett ohne Abfallprodukte auskommt. Aus 18 Tonnen Imput werden in der Anlage von madebymade so bald 7,8 Tonnen lebende Larven, daraus 3 Tonnen getrocknete Larven und hieraus wiederum 1,5 Tonnen Larvenmehl produziert.

Die lebenden Larven werden in erster Linie für die Fütterung von beispielsweise Zoo Tieren verwendet. (Foto: Natalie Färber)

Eingesetzt werden die Produkte im Augenblick vor allem im PET Food Bereich, also in der Herstellung von Hunde- und Katzenfutter. Für Nutztiere gelten in der EU im Augenblick noch Einschränkungen für den Einsatz von tierischen Proteinquellen. Hier rechnet Mitgründer Kai Hempel aufgrund des steigenden Proteinbedarfs in dieser Industrie jedoch noch in diesem Jahr mit einer Änderung: 

“Der Bedarf an Eiweißquellen in der Nutztier-Industrie steigt stetig. Die hohe Nachfrage trägt bereits zu einer Überfischung der Meere und zur Rodung etlicher Hektar Regenwald bei, eine nachhaltige Alternative ist dingend notwendig. Wir nehmen das Kreislaufwirtschaftsdenken sehr ernst und liefern daher eine wirksame Lösung.” – betont der Betriebswirt.  

Und was ein paar Kilometer südlich von Leipzig in Pegau funktioniert, soll bald weltweit möglich sein. Das Konzept des Gründerteams ist modular aufgebaut und basiert auf gebrauchten Schiffscontainern. Dadurch ist die Anlage Standort unabhängig einsetzbar und ohne großen Planungsaufwand aufzustellen. In fünf Jahren wollen sie so vier Anlagen in drei Ländern betreiben und einen echten Impact schaffen.  

Ein Millionenprojekt mit großer Zukunft

Wenn Kai Hempel heute an die Gründung zurückdenkt, dann sieht er die berüchtigte “long and winding road” die Hinter ihm und seinem Mitgründer liegt. Nicht immer lief alles, wie man es sich am Anfang vorstellt. Das kennen alle Gründer, auch wenn selten darüber gesprochen wird. Gestartet ist das Team ursprünglich zu dritt, in einer Garage. Auch die administrativen Hürden machten es den angehenden Gründern nicht leicht. Für das Technologie Gründerstipendium der SAB verfassten sie ihren 120 Seiten langen Businessplan in nur 6 Monaten. Mit ihren Familien waren sie auf die finanzielle Förderung angewiesen, alles unter einen Hut zu bringen war nicht immer einfach, erinnert sich Kai Hempel. 

Doch mit viel Rückhalt der Familien hat sich die harte Arbeit bis jetzt ausgezahlt. Neben zahlreichen Förderungen und dem Seed-Investment der Golzern Holding hat die madebymade GmbH Anfang des Jahres außerdem den Kapitalgeber Kauri Cab für eine Anschlussfinanzierung mit ins Boot geholt. Insgesamt ist so bereits ein 7-stelliger Betrag in das Startup geflossen. Um ihr Vorhaben umzusetzen, suchen Kai Hempel und Dr. Joans Finck langfristig nach einem dritten Investor. 

Neben dem ökologischen Impact sorgt madebymade aber auch auf sozialer Ebene für neue Arbeitsplätze im ländlichen Raum. Mittlerweile beschäftigt das Startup in Pegau 16 MitarbeiterInnen, fünf davon im strategischen Bereich. Viele MitarbeiterInnen sind aus der Region, aber auch aus Bonn ist ein Kollege dazu gestoßen. Vor allem in der Produktion werden auch in Zukunft weiter Arbeitsplätze geschaffen. Pegau bietet den Gründern hier außerdem den Vorteil, dass ihr Konzept auf langjährige Erfahrung im Landwirtschaftssektor stößt. Die Menschen verstehen das Problem, und sind offen für kreative Lösungen. 


Noch bis Sonntag könnt ihr als Publikum für madebymade beim sächsischen Gründerpreis abstimmen. Hier geht es zum Voting! 

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