Ein Tiny Haus aus Strohballen in Kleinkorbetha

Wie ein angehender Gründer den Hausbau nachhaltig machen will

Werner Ehrich will gemeinsam mit Tim Junghanns, seinem Partner, ein Tiny Haus aus Stroh bauen.

Treffpunkt: Kleinkorbetha. Den meisten ist das kleine Dorf im Süden Sachsen-Anhalts wahrscheinlich eher unbekannt. Hier findet man jedoch unberührte Natur und eine unvergessliche Idylle zum Verweilen und mittendrin ist Werner Ehrich mit seinen Strohballen. Im wunderschön grün bepflanzten Hof, nahe der Saale, erläutert Werner Ehrich, worum es sich beim Strohballenbau überhaupt dreht. Außerdem spricht er über sein momentanes Herzensprojekt und Gründungsvorhaben: Ein Tiny Haus aus Strohballen. Warum das so besonders ist, erfahrt ihr im Artikel.

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Bei Werner Ehrich in Kleinkorbetha berichtet der gelernte Zimmermann über die nachhaltige Art des Hausbaus. (Foto: Thomas Meinicke)

Vom Diplomingenieur zum Strohballen-Experten

Im Interview erzählt Werner Ehrich, dass Nachhaltigkeit auch in seinem privaten Leben eine sehr wichtige Rolle spielt. Sein Motto lautet dabei „Aus Alt mach Neu“. Dass er zudem einen großen Wert auf regionale Produkte legt, liegt quasi auf der Hand. Als gelernter Zimmermann war er in der Vergangenheit damit beschäftigt, umweltorientierte Altbausanierungen durchzuführen. Alte Gebäude wieder neu herzustellen war für ihn das Nonplusultra, denn dies habe eine viel bessere energetische Bilanz als der Neubau. So dachte er.

„Ich habe Neubau grundsätzlich abgelehnt, aber der Strohballenbau hat mich dann eines Besseren belehrt“, sagt Werner.

Noch vor ca. 15 Jahren war der Strohballenbau für Werner Ehrich fremd. Doch dann ist er zufällig auf die neue, nachhaltige Art des Hausbaus aufmerksam geworden. Liebe auf den ersten Blick war es jedoch nicht, denn wie es sich mit nahezu jeder Neuerung verhält, ist zu Beginn die Skepsis groß und die Akzeptanz gering. Dafür brauchte es schon einen praktischen Nachweis, ein reales Strohballenhaus in Sieben Linden, an dem Werner Ehrich mitarbeiten konnte, um sich davon zu überzeugen, dass aus Stroh wirklich Häuser gebaut werden können. Gesagt, getan! Gepackt von Faszination und Tatendrang war für Werner Ehrich klar: Der Strohballenbau ist die Zukunft!

Der Traum vom Tiny Haus aus Strohballen wird wahr – das Patent steht bereits

Ein Patent für sein Strohballenelement hat Werner Ehrich bereits in petto. Was als Nächstes folgt, ist der Bau seines Tiny Haus aus Strohballen in Kleinkorbetha. Das Tiny Haus wird insgesamt eine Wohnfläche von 25 qm bei einer bemerkenswerten Raumhöhe von 2,90 m bis 3,20 m aufweisen. Dafür seien insgesamt 28 einzelne Strohballenelemente notwendig, die Werner Ehrich gemeinsam mit Tim Junghanns, seinem Partner, alleine zusammensetzt. Das Besondere an dem Haus sei neben dem Stroh aber das verwendete Material, verkündet Werner Ehrich. Denn seinem nachhaltigen Lebensstil entsprechend, setzt er auch hier auf Altmaterial und verzichtet auf Neuanschaffungen.

„Mein ganz großes Ziel ist, das Strohballenelement massentauglich und es für jede Bauart anwendbar zu machen“, gibt Werner bekannt.

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Die Vorbereitungen laufen für Werner Ehrichs selbst gebautes Tiny Haus aus Strohballen. (Foto: Thomas Meinicke)

Strohballenbau und seine Vorteile

Damit auch die letzten Skeptiker vom Strohballenhausbau überzeugt werden können, durfte eine Frage zu den Besonderheiten des Strohballenbaus nicht fehlen. Für Werner Ehrich, der sich tagtäglich mit dem Stroh auseinandersetzt, sei die CO²-Bilanz eines Strohballenhauses unschlagbar und im Vergleich zu herkömmlichen Häusern um ein Vielfaches besser1. Zudem nehme das Stroh auch noch CO² auf, was für eine „negative“ Gesamtbilanz sorge.

„Stroh ist ein natürlicher Baustoff, der in großen Mengen als Abfallstoff in der Landwirtschaft anfällt und damit regional zur Verfügung steht“, teilt Werner mit.

Laut Werner Ehrich fallen pro Jahr 5-13 Millionen Tonnen Strohabfallmengen an. Aus 5 Millionen Tonnen Stroh könne man erstaunliche 200.000 Einfamilienhäuser bauen. Ein weiterer signifikanter Vorteil des Strohs beziehe sich auf die Wärmedämmung. Die Häuser könnten „atmen“ und regulierten die Luftfeuchtigkeit und die Raumtemperatur perfekt. Somit sei es im Sommer nicht zu heiß und im Winter nicht zu kalt. Stroh sorge also nicht nur für ein gesundes Raumklima, sondern wachse auch jährlich nach und sei somit immer verfügbar. Ganz im Gegenteil zum Holz zum Beispiel, das in letzter Zeit ein immer begehrter werdender Baustoff wurde.

Ein kurzer Exkurs zeigt, während beim Getreideanbau von der Aussaat bis zur Ernte nur mehrere Monate vergehen, dauert es mehrere Jahrzehnte, bis ein Baum die Größe zum Fällen erreicht hat. Um den Bogen zurück zur ausschließlichen Verwendung von Naturmaterialien zu spannen, reihen sich Lehm und Kalk mit ein. Denn diese Materialien würden benutzt, um das Stroh zu beschichten. Und sollte es auch einmal dazu kommen, dass ein Strohhaus wieder abgebaut werden müsse, so könne das Stroh wieder neu verwendet oder gar recycelt werden und der Kreislauf schließe sich.

Unterm Strich betont Werner Ehrich, dass Stroh alle Qualitäten eines modernen Baustoffes aufweise und ganze klar mit Ziegelsteinen mithalten könne.

Die Aufmerksamkeit für Stroh und Hausbau wächst

Dass die Aufmerksamkeit bezüglich des Strohballenbaus größer wird, geht auch an Werner Ehrich nicht vorbei. Während er noch vor ein paar Jahren auf große Augen, Verwunderung und Unwissen stieß, wenn er vom Strohballenhaus sprach, kündigen sich nun Presseanfragen und Veröffentlichungen in Zeitungen wie den Sonntagsnachrichten an. Zudem wachse die Anzahl der gebauten Beispielhäuser und die Auftritte dieser im TV. Auch die Reaktionen der Menschen hätten sich verändert. 

„Die Leute sagen jetzt: Ah ja, ich habe schon mal davon gehört“, freut sich Werner.

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Der Hausbau mit Strohballen kann laut Werner Ehrich mit dem herkömmlichen Hausbau mithalten. (Foto: Thomas Meinicke)

Wertvolle Unterstützung durch den Weinberg Campus Accelerator

Seit November 2020 ist Werner Ehrich mit seinem Strohballen-Projekt aktiver Teilnehmer des Weinberg Campus Accelerators. Für ihn seien dabei nicht nur die gründungsfördernden Workshops und individuellen Coachings mit BranchenexpertInnen ausschlaggebend, sondern auch die Personen, die hinter dem Programm stünden. Denn hier treffe er auf Menschen, die sich ebenso wie er für den Strohballenbau begeisterten und ihn tatkräftig dabei unterstützten, das Projekt weiter voranzubringen. Sehr hilfreich sei zudem die Kontaktherstellung und -vermittlung mit AkteurInnen des Technologiepark Weinberg Campus, welche für die weitere Entwicklung des Strohballenelements gewinnbringend seien.

Wir drücken die Daumen und sind gespannt, wie es mit dem nachhaltigen Hausbau zukünftig weitergeht und wer bald selbst in einem von Werner Ehrichs gebauten Strohballenhäusern wohnt.

Über den Weinberg Campus Accelerator: 

Der Weinberg Campus Accelerator ist Teil des Projektes „AIMS plus Startup- & Growth-Accelerator“ und wird durch die EU und das Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitalisierung des Landes Sachsen-Anhalt gefördert. Mehr Informationen gibt es hier.



1 Im Vergleich zu herkömmlichen erbauten Häusern, könnten beim Bau eines Strohballenhauses mehr als 10 Tonnen CO² eingespart werden. Quelle: Minke/Krick, Handbuch Strohballenbau, 3. Aufl. 2014, S. 29
2
Quelle: Familienbetriebe Land und Forst e.V.

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