Ein Statement gegen unsere Wegwerf-Mentalität: K11 Ersatzteilshop im Interview

Startup Ersatzteile
© K11 Ersatzteilshop GmbH. Geschäftsführer (v.l.): Max Uhlmann, Robert Tittel-Morawietz, Manuel Monska

Im August haben Robert Tittel-Morawietz, Max Uhlmann und Manuel Monska das Unternehmen K11 Ersatzteilshop GmbH gegründet. Ersatzteilshop soll Nutzern nicht nur die passenden Ersatzteile zur Reparatur von Elektrogeräten liefern, sondern bietet darüber hinaus auch hilfreiche Tipps, um die Teile zu wechseln. Die Gründer waren überrascht, welche guten Geräte teilweise entsorgt werden, nur weil etwas nicht mehr funktioniert oder etwas anderes schicker geworden ist. Die Gründer fanden in einer Umfrage heraus, dass aber auch viele Verbraucher selbst Hand anlegen würden, wenn sie die richtigen Teile und die richtige Anleitung hätten. An diese Verbraucher richtet sich ersatzteilshop.de und setzt so ein Statement gegen die Wegwerf-Mentalität. Geschäftsführer und Gründer Robert Tittel-Morawitz hat unsere Fragen beantwortet.

Hallo Robert. Du hast mit Manuel schon einen gutlaufenden online Handel für Elektrogeräte geführt, als sich für euch die eigentliche Sinnfrage stellte. Warum habt ihr 2017 dann noch die Ersatzteilshop GmbH gegründet?

Hallo Hannah. Im Grunde bedarf es ja speziell im Handel einer permanenten Marktanpassung. Du musst immer schauen, welche Trends angesagt sind, welche Wege deine Industriepartner und Großhändler einschlagen und vor allem was der Endkunde will. Meist ist aber der Wille des Endkunden sehr stark vom Marketing der Hersteller geprägt. Und das Ziel der Hersteller ist nun mal der stetig steigende Absatz Ihrer Produkte.

Neben, in meinen Augen, oft sinnfreien technischen Neurungen wird dieses Ziel natürlich auch über geringere Produktlebenszyklen realisiert. Im Grund sollte das ja eigentlich gut für den Handel sein. Wenn man aber, wie wir, tagein tagaus sieht wozu das führt, dann stellt sich die Sinnfrage irgendwann ganz deutlich und vor allem wird Sie eben immer lauter.

Wenn ich durch unser Retouren- und Altgerätelager laufe und mich mit meinen Kollegen aus dem Service unterhalte, dann läuft es mir oft kalt den Rücken herunter. Die Geräte die man dort zu sehen bekommt, wirken teilweise noch neuwertig. Also zum Großteil sind die Geräte auch neuer, als die, die ich zu Hause habe.

Ich kann nicht exakt sagen, welcher Kunde sein Haushaltsgerät aus welchem Grund zur Entsorgung freigibt. Was ich aber mit Sicherheit sagen kann ist, dass das Alter der zu entsorgenden Geräte in den letzten Jahren immer geringer geworden ist.

Manuel und ich waren uns von Grund auf einig. Wir wollen und wir müssen ein Bewusstsein für den nachhaltigeren Umgang, speziell mit Elektrogeräten schaffen. Das es so nicht weitergehen kann, das sollte mittlerweile auch allen Endverbrauchern klar sein.

Und genau aus dem Grund haben wir uns entschieden eine Spezialisierung in diesem Bereich anzustreben und professionell umzusetzen.

Wie genau sieht euer Business Model aus?

Im Grunde genommen sind wir als klassischer Händler auf dem Markt unterwegs, wir kaufen Ersatz- und Zubehörteile ein und verkaufen diese an unsere Endkunden. Für uns entscheidend ist dabei unser eigens entwickeltes Shopsystem was genau zur hohen Spezialisierung unseres Sortiments passt: Herkömmlichen Händlern und anderen technischen Lösungen fällt es sehr schwer hunderttausende Ersatzteile und die Beziehungen zu passenden Geräten sinnvoll abzubilden. Schon Mal bei Amazon nach Ersatzteilen gesucht? 😉 Selbst dort schafft man es nicht sinnvolle Suchergebnisse zu generieren.

Wir versuchen unsere Tätigkeit als Händler weiterzudenken. Wir möchten die Menschen zum Nachdenken und Nachmachen anregen und durch verschiedene Aktionen darauf aufmerksam machen, dass es meist möglich ist das defekte Haushaltsgerät mit ein paar wenigen Handgriffen und den richtigen Teilen wieder fit zu machen.

Für uns steht immer das Problem unserer User an erster Stelle, also das defekte Haushaltsgerät. Wir möchten unseren Usern vollumfänglich bei der Lösung dieses Problems zur Seite stehen. Erst wenn die Waschmaschine wieder läuft sind wir zufrieden.

Konkret bedeutet das, dass wir beispielsweise Tutorials drehen, einen stetig wachsenden Reparaturratgeber erarbeiten und Übersetzungen zu den vom Hersteller festgelegten internen Fehlercodes schreiben. Durch derartige Features und die Verknüpfung mit unserem Sortiment wird es möglich das passende Ersatzteil zu exakt dem Gerät des Endkunden auszugeben, inklusive aller wichtigen Informationen und digitaler Inhalte die es für die Reparatur bedarf.

Wie konntet ihr euch bisher finanzieren? Habt ihr bestimmte Gründerstipendien, -finanzierungen genutzt?

Die Finanzierungsfrage haben wir uns anfangs nicht im Detail gestellt. Wir waren der Auffassung, dass wir einfach beginnen müssen. Daher sind wir gänzlich eigenfinanziert und entwickeln uns organisch. Der Start hierzu war für uns relativ einfach. Denn immerhin haben wir bereits eine funktionierende Infrastruktur, welche wir step by step auf unseren neuen Shop umbauen und punktuell erweitern können. Durch unsere Erfahrung konnten wir die notwendigen Schritte bis dato sehr gut abschätzen und die nötigen Investitionen rechtzeitig selber bewältigen.

Mit Max haben wir einen Partner und Geschäftsführer gefunden, der von Anfang an unsere Gedanken verstanden hat und zusätzlich noch weitere Ideen und Visionen in das Projekt gebracht hat. Er ist einfach die Idealbesetzung für dieses Thema. Gemeinsam mit ihm planen wir intensiv die nächsten Schritte. Denn genauso Nachhaltig wie das Thema an sich ist, genauso nachhaltig soll auch die Investition sein. Wir haben sehr schnell die ersten Meilensteine erreicht und überlegen derzeit in welchem Rahmen wir weiter investieren müssen und wie die zeitliche Abfolge dafür sein soll.

Mit eurem Startup wart ihr im Impact Hub Dresden. Ihr sagt es war eine wirklich tolle Zeit dort. Was hat euch so gut gefallen?

Der Coworking Space in Dresden hat etwa gleichzeitig mit der Gründung unserer Firma seine Türen geöffnet. Es herrscht ein unglaublicher Spirit dort. Man trifft auf kleine Firmen, Startups und zahlreiche Einzelkämpfer, welche alle Ihre eigene, spannende Geschichte zu erzählen haben. Besonders beeindruckend war für uns der Zusammenhalt der Community, dort ist es selbstverständlich, dass man sich untereinander hilft. Ergänzt wird das Ganze mit einer professionellen und modernen Arbeitsatmosphäre in welcher man stets angeregt wird über seine Grenzen hinauszuwachsen.

Was habt ihr dort für eure Gründung mitnehmen können?

Ich denke das sind insbesondere 2 Dinge:

Zunächst begreift man, dass jede Idee, jede Firma irgendwann einmal klein angefangen hat und man sich aufgrund seiner vermeintlich unbedeutenden Größe niemals scheuen sollte andere Menschen und Experten anderer Fachgebiete um Hilfe zu bitten. Nur so schafft man es teure Fehler zu vermeiden und sich an unbekannten Themengebieten nicht die Zähne auszubeißen.

Weiterhin haben wir dort schnell gelernt, dass ein Blick von außen auf verschiedene Fragestellungen sehr wertvoll ist. Ohne den regen Austausch im Impact Hub hätten wir viele Features unseres Shops anders bzw. gar nicht geplant oder umgesetzt.

Welche Erfahrung aus eurer Gründung oder welchen Tipp könnt ihr an andere Gründer weitergeben?

Ich denke heute ist es unabdingbar sich intensiv mit seiner Zielgruppe auseinanderzusetzen und nie damit aufzuhören. Wir haben uns am Anfang genau angeschaut wer unsere Zielgruppen sind, wie jede einzelne bei der Lösung Ihres Problems vorgeht und wie wir dies letztendlich digital abbilden können. So hat sich für uns ein breiter Entwicklungshorizont ergeben und aus diesem können wir nun schöpfen. Mit jedem Release iterieren wir und schauen was unserer Zielgruppe hilft und warum das so ist. Daraus ergeben sich wiederrum neue Erkenntnisse und ein perfekt auf den Endkunden abgestimmter Onlineshop mit passenden Features. Natürlich hilft dies auch in allen anderen Unternehmensbereichen wie dem Marketing, der Entwicklung unseres Sortiments und der Kommunikation mit unseren Kunden.

Ökologische Themen liegen euch am Herzen. Warum wollt ihr euch speziell dafür einsetzen?

Wenn man begreift, dass wir als Gesellschaft derzeit unsere Luft als Mülldeponie verwenden und wir in den letzten Jahren schon einen enormen Schaden damit verursacht haben, dann ist jedes einzelne Engagement gefragt.

Ich selber habe zwei kleine Kinder und bin froh, dass wir etwas ländlich leben. Ich sehe das Problem ganzheitlich. Wenn wir wollen, dass die nächsten Generationen noch frei atmen können, die Jahresdurchschnittstemperaturen und die Meereswasserstände nicht ins Unermessliche steigen und wir zusätzlich nur noch mit Wetterextremen zu kämpfen haben, dann müssen wir eben alle schauen, an welcher Stelle wir unseren Beitrag leisten können.

Keineswegs will ich den moralischen Zeigefinger in die Luft strecken. Ich kann mich selbst nicht an alles halten, was eigentlich notwendig wäre. ABER, ich bin davon überzeugt, dass wenn Jeder nur einen kleinen Beitrag leistet, unsere Gesellschaft als Kollektiv stark genug ist, um unseren Kindern einen lebenswerten Planeten zu hinterlassen.

Ihr strebt auch eine Partnerschaft mit treedom an. Wie würde so eine Partnerschaft aussehen?

Ja, in der Tat. Noch bin ich mir aber nicht ganz sicher ob es wirklich treedom wird. Es gibt da noch andere sehr gute Initiativen. Grundsätzlich stellen wir ja unsere Tutorials und Reparaturzeichnungen kostenlos zur Verfügung. Wir werden versuchen die Nutzer, welchen unser Content weitergeholfen hat, für eine Baumspende zu begeistern. Dann spart nicht nur die Reparatur den Ausstoß von Kohlenstoffdioxid, sondern wir beginnen auch das vorhandene CO2 zusätzlich zu binden. Ich persönlich halte die Aufforstung von Nutzbäumen für doppelt sinnvoll.

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© K11 Ersatzteilshop GmbH. Geschäftsführer (v.l.): Max Uhlmann, Robert Tittel-Morawietz, Manuel Monska
Ihr habt auch einen eigenen Youtube Channel, in dem ihr erklärt, wie man bestimmte Teile in Elektrogeräten auswechseln kann. Was macht eurer Meinung nach ein gutes Erklärvideo aus?

Das ist eine sehr gute Frage. Ich muss erst einmal sagen, dass wir da selber gerade noch testen. Es ist also noch lange nicht alles so wie wir es haben wollen. Ganz grundsätzlich haben wir uns aber für die persönliche Ansprache entschieden und nutzen das „Du“. Es passt halt einfach am besten zu dem Kanal und unseren Kunden. Die teils langweiligen, nachgesprochenen und mit einem Drehbuch versehen Tutorials aus anderen Bereichen haben wir als abschreckendes Beispiel genutzt. Genauso wollen wir es nicht machen. Wir Interagieren mit dem Kameramann und damit auch mit dem Publikum. Wenn man sich ältere Videos unseres Kanals anschaut und mit aktuelleren vergleicht, merkt man dass wir noch immer stets dazu lernen und versuchen an allen Stellschrauben zu drehen…

Ein gutes Erklärvideo versetzt sich zuerst in die Situation des Endanwenders. Dieser kann mit bestimmten Fachbegriffen einfach nichts anfangen. Am besten ist es, wenn sich der Nutzer direkt mit dem Erklärenden identifizieren kann und sich nicht überrumpelt vorkommt. Dann muss natürlich das Problem Schritt für Schritt erklärt werden und die eigentliche Lösung ohne große Schnitte im Video gezeigt werden. Ich selber mag es gar nicht, wenn mich Fachbegriffe oder Zusammenschnitte von Videosequenzen quasi zum Wegklicken zwingen.

Wie motivierst du dich, wenn alles mal schwierig und aussichtslos erscheint?

Dann schnappe ich mir meine Frau und meine Kinder und wir gehen ein Eis essen oder machen eine kleine Ausfahrt mit unserem VW-Bulli. Besonders gut kann ich auch beim Schwimmen abschalten. Im Allgemeinen ist das Gefühl bei sportlicher Erschöpfung in meinen Augen die beste Medizin gegen Stress und schlechte Gedanken!

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