eHealth-Startup Mika erhält Finanzierung in Millionenhöhe

(Quelle: Mika)

Die Gesundheits-App Mika, die u.a. an der Uniklinik Leipzig entwickelt wurde, erhielt in einer Finanzierungsrunde einen Millionenbetrag. Sie wurde entwickelt, um Beschwerden von Krebspatienten zu dokumentieren und den Therapieverlauf festzuhalten. 

Für jede Beschwerde das passende digitale Helferlein

Viele junge Startups entwickeln digitale Pateientenhelfer, indem sie Gesundheitsdaten erheben: Cara aus Berlin kümmern sich um Darmbeschwerden, Kaia aus München lindern chronische Rückenschmerzen. Psychische Belastungen am Arbeitsplatz werden mit dem Leipziger Startup Mindance bekämpft.

Das Berliner eHealth-Startup Fosanis möchte mit seiner Marke Mika Patienten unterstützen, die mit einer Krebsdiagnose leben. Nun haben Investoren über eine Millionen Euro zusätzliches Kapital zur Verfügung gestellt, um die App weiterzuentwickeln und die Wirksamkeit zu verbessern. Zur genauen Summe wurden vom Unternehmen keine Angaben gemacht.

Mika – Mit Tagebucheinträgen zum erfolgreichen Therapieverlauf

Mit der App können die Krebserkrankten ein digitales Tagebuch führen, das ihren Gesundheitszustand, die Nebenwirkungen der Medikamente und den allgemeinen Therapieverlauf erfasst. So sind sie optimal auf Arzttermine vorbereitet und erhalten zusätzliche Informationen zu ihrem individuellen Krankheitsbild. Daraus können dann Therapiemöglichkeiten und Tipps für eine bessere Lebensqualität abgeleitet werden.

Die App schlägt den Nutzern beispielsweise Kochrezepte vor, die bei Verdauungsbeschwerden helfen sollen. Geschäftsführer Gandolf Finke erklärte im Gespräch, dass so die Informationslücke zwischen Arzt und Patienten geschlossen werden soll. Er hatte das Startup mit seinem Mitgründer Jan Simon Raue 2017 gegründet und mittlerweile ein Team aus 20 Mitarbeitern aufgebaut.

Die beiden Gründer Jan Simon Raue und Gandolf Finke (Quelle: Mika).

Ängste und psychische Belastungen mindern

Die Inhalte der App werden von freien Autoren, Ernährungstherapeuten, Psychologen, Onkologen sowie Psychoonkologen geschrieben, die sich auf die psychologische Betreuung von Krebspatienten spezialisiert haben. Entstanden ist das Angebot in Kooperation mit der Berliner Charité und der Uniklinik Leipzig.

Vor allem die mentale Gesundheit ist bei einer Krebserkrankung stark angegriffen. Die Patienten haben mit enormen körperlichen Beschwerden zu kämpfen, aber vor allem auch mit den Ängsten, die damit einhergehen. Nach Finkes Meinung werden diese im Gesundheitssystem aktuell nicht genug abgedeckt. Sio finden sich in der App auch viele Entspannungsübungen. 22 Krankheitsbilder kann die App aktuell mit spezifischen Informationen versorgen.

Einfacher, spezifischer und umfangreicher soll die App werden

Diese Inhalte sollen durch die Finanzierungsrunde erweitert, die Nutzung der App weiter vereinfacht und zusätzliche Datenquellen herangezogen werden. Möglich wäre auch eine Einbindung von „Wearables“ wie Fitness- oder Sensorik-Armbändern. Zudem ist Ende des Jahres eine freiwillige klinische Studie geplant, die den Einfluss des digitalen Begleiters auf die Behandlungsergebnisse belegen soll. In diesem Zuge wird auch das Personal von Mika aufgestockt werden.

DVG-Gesetzesentwurf macht Gesundheits-Apps verschreibungsfähig

Die Geldgeber sind der europäische Venture-Capital-Fonds Ananda Impact Ventures aus München, die Geschäftsideen mit gesellschaftlichem Bezug fördern, sowie die IBB Beteiligungsgesellschaft, die sich auf Berliner Startups konzentriert.

Den entscheidenden Anstoß für die Millionenfinanzierung gab der Beschluss des Digitale-Versorgungs-Gesetzes (DVG) Anfang Juli 2019. Dieser neue Gesetzentwurf sieht vor, dass Ärzte solche Gesundheits-Apps künftig wie Arzneimittel verschreiben können. In Kraft treten soll das Gesetz 2020 – was den zahlreichen Anbietern dieser digitaler Plattformen zu Gute kommen dürfte.

Viele Geschäftsmodelle werden damit überhaupt erst möglich gemacht. Finke erklärt, dass die kostenlose Nutzung erst durch den neuen Gesetzesbeschluss finanziell tragbar ist. Zuvor hatten sie überlegt, ob es eine kostenlose Basis-Version geben soll, die dann mit zusätzlich zahlungspflichtigen Zusatzfunktionen bestückt werden könne. Das Startup hatte mit einzelnen Krankenkassen bereits Verträge geschlossen und können sich eventuell auch Kooperationen mit Pharmaunternehmen vorstellen, halten sich bei Letzterem jedoch noch zurück.

Datenschutzverordung und weitere bürokratische Hürden

Mehrere tausend Nutzer nutzen die App Mika nach eigenen Angaben aktuell bereits. Bis 2021 könnte, mit der Zustimmung der Patienten, eine Einbindung von elektronischen Patientenakten erfolgen, mit der das Angebot genauer zugeschnitten und Informationen zum Arzt zurückgespielt werden könnten. Natürlich geht dies mit der Sicherheit sensibler Gesundheitsdaten und Datenschutzverordungen einher. Dies ist insbesondere wichtig, um die Systeme vor Hacker-Angriffen zu schützen. Ab dem kommenden Jahr unterliegt die App zudem Audits aus der EU-Medizinprodukte-Verordnung. Aktuell besteht jedoch unter den deutschen Anbietern noch Unklarheit bezüglich der zuständigen Prüfstellen. 

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