DRIVAR – So geht es dem Sportwagen Sharing Startup Heute!

Quelle: Matthew Henry - Unsplash

Erinnert ihr euch noch an DRIVAR? Phillipp Müller, CEO und Gründer des Startups DRIVAR bietet allen die Lust darauf haben die Möglichkeit, sich kinderleicht einen luxuriösen Sportwagen zu mieten. Wir blicken mit Phillipp zurück auf vier Jahre DRIVAR und er verrät uns seine Zukunftsvisionen für das Startup aus Magdeburg.

Phillipp Müller ist Gründer und Initiator des Startup-Loft Magdeburg und CEO der Online Sportwagenvermietung DRIVAR.

Hallo Phillipp, erzähl und doch nochmal, wie genau DRIVAR funktioniert, und wie alles angefangen hat. 

DRIVAR ist ein digitaler Marktplatz zur Vermittlung und Vermietung von Luxusfahrzeugen. NutzerInnen können hier beispielsweise einen Sportwagen mieten, aber auch ihr eigenes Fahrzeug kostenlos inserieren und über uns an KundInnen vermitteln lassen. Dabei übernehmen wir zudem auch das komplette Fulfillment, sprich: Versicherungspakete, die Inserate und das Handling und die Kommunikation mit den jeweiligen KundInnen.

Angefangen hat das Ganze vor 4 Jahren. Als nach knapp 8 Jahren Geschäftstätigkeit mein erstes größeres Startup Motion Drive (eine konventionelle Vermietfirma für Sportwagen und Luxusautos) Insolvenz anmelden musste. Da musste ich zwangsweise ein Geschäftsmodell für den Neustart wählen, dass mit minimalsten Ressourcen stemmbar und zudem auch hochskalierbar war.

Wie geht es DRIVAR aus Magdeburg heute?

DRIVAR entwickelt sich ganz hervorragend! Auf dem deutschen Markt gehören wir – trotz erheblich geringerer Ressourcen als unsere Konkurrenz – inzwischen zu den größten Playern im Bereich der Vermittlung von Luxusfahrzeugen. Zwar ist das internationale Geschäft im Zuge der COVID19-Pandemie nahezu auf Null zurückgegangen, dafür jedoch erleben wir einen ganz starken Trend, der Online-Geschäftsmodelle noch deutlich stärker gemacht hat. Den spüren wir bei allen von uns betreuten Unternehmen im Startup Loft Magdeburg.

Als wir das letzte Mal gesprochen haben, habt ihr Rund 20-30 neue Fahrzeuganmeldungen pro Monat verzeichnet. Euer Ziel war es, die Plattform Europaweit zu etablieren. Wie sieht es heute aus, konntet ihr eure Ziele erreichen?

Wir sind mittlerweile eines der größten Sportwagen- & Luxusauto-Portale in Deutschland. DRIVAR bietet inzwischen über 350 Autos an über 50 Standorten in ganz Deutschland an. Auch absolute Exoten und sehr seltene Exemplare gehören heute zum DRIVAR-Fahrzeugportfolio. Immer häufiger sind auch Anfragen aus dem Ausland zu verzeichnen und wir arbeiten daran, unseren Kundenstamm aus Europa stets auszubauen.

Außerdem kamen zu unserem Hauptgeschäft gänzlich neue Produktformate hinzu. Dazu gehören das Rennstreckentraining, das DRIVAR Drift Training oder geführte Sportwagentouren durch ganz Europa. Die genießen insbesondere von B2B-Kunden im Incentivebereich eine wachsende Beliebtheit. Unser Fokus lag nichstdestotrotz weiterhin auf der deutschsprachigen Plattform.

Wer sind eure KundInnen und wie erreicht ihr sie?

Die typische DRIVAR Kundin kann die junge 18-jährige Schülerin oder Studentin sein, welche vor kurzem ihren Führerschein bestanden hat und eine kleine Tour mit begleitendem Instruktor bucht. Aber auch Geschäftleute, die ein repräsentatives Fahrzeug für ein paar Wochen im Jahr benötigen oder der 70-jährige Senior, der sich seinen langersehnten Traum erfüllen möchte und sich ein Ferrari für ein Wochenende mietet. 

Der Trend zum Carsharing ist seit Jahren ungebrochen. Ging es früher darum, unbedingt einen Sportwagen zu besitzen – auch wenn dieser nur wenige Male im Jahr bewegt wurde – und in der heimischen Garage stehen zu haben, zählt heute vor allem eins: Unabhängigkeit und Flexibilität! 

In gewisser Weise verbinden wir also auch den Markt der Luxuskonsumgüter mit dem nachhaltigen Gedanken einer effizienten Nutzung von Ressourcen – So etwas war gerade in Deutschland vor einigen Jahren noch undenkbar.

Unsere gesamte Leadgenerierung erfolgt digital, wir haben uns dabei vom Start weg bewusst gegen die Nutzung jeglicher Offline-Marketingkanäle entschieden und das war – im Nachhinein betrachtet – auch eine absolut sinnvolle Entscheidung. 

Ein weiteres Merkmal ist die Tatsache, dass wir unsere KundInnen zu über 90% über eine nachhaltige SEO-Strategie akquirieren. Social Media, SEM & Co. sind für uns lediglich Beiwerk. Das führt zu einer hervorragenden Conversion-Rate und spart im Laufe der Zeit auch massiv Geld, welches wir stattdessen in weitere Plattformen investieren können.

Habt ihr euch deshalb auch für eine digitale Plattformlösung entschieden?

Unserer Auffassung nach ist ein digitales Plattformmodell in Sachen Effizienz und Skalierbarkeit das derzeit hochwertigste Geschäftsmodell.
Betrachten wir es mal so: Biete ich offline Produkte oder Dienstleistungen an, kann ich alleine am Tag maximal X Stunden arbeiten. Skalierbar ist das nicht wirklich ohne weitere Ressourcen.

Biete ich hingegen digitale Produkte wie Apps oder Software an, lässt sich mein Produkt schon mal auf einer Seite skalieren. Denn ob ich es entwickle und dann an 10 oder 10 Millionen UserInnen verkaufe, der notwendige Input ist nahezu gleich. Und bei einer Plattform finden die Transaktionen zwischen X AnbieterInnen und Y UserInnen statt, ich habe also theoretisch unendliches Skalierungspotenzial auf beiden Marktseiten. Mehr Effizienz geht nicht und genau darauf kommt es meines Erachtens ganz stark an bei einer Gründung.

Wie habt ihr die Gründung finanziert und wie finanziert sich das Unternehmen heute?

Uns geht es nicht um ungebremstes Wachstum und einen riesigen Overhead – Schließlich muss so etwas zwangsweise mit viel Fremdkapital finanziert werden. Die Investoren wollen demzufolge wieder hohe Gewinne für ihr Investment sehen, was erneut massives Wachstum fordert. Leider kommt dabei oft nichts Gutes heraus, ich habe in meiner Gründerkarriere so viele Startups gesehen, die nur von einer Finanzierung zur nächsten hechteten und letzten Endes an den Folgen von zu schnellem Wachstum eingingen!

Unser Ansatz ist deswegen: Hocheffiziente, automatisierte Prozesse – die sich mit einem Plattformmodell ganz hervorragend umsetzen lassen. In meinem Fall bedeutet dies auch ein/e einzelne/r GründerIn oder maximal ein kleines Team, kein Fremdkapital, dafür nach kürzester Zeit in der Gewinnzone und das ganze dann mit zwar skaliertem, aber trotzdem kontrolliertem Wachstum. In einem solchen Unternehmen laufen aufgrund der begrenzten Ressourcen nach meiner Erfahrung alle Prozesse zwangsweise äußerst effizient ab.

Das bedeutet im Fall von DRIVAR: Die Gründung war mit 300€ Stammkapital und bis heute 0€ Fremdkapital möglich. Den Umsatz konnten wir dagegen recht zügig auf mittlere sechsstellige Werte steigern und – noch viel wichtiger – von diesem Umsatz bleibt aufgrund der äußerst schlanken Kostenstruktur auch genügend Gewinn am Jahresende übrig, der wiederum für neue Projekte im Startup Loft verwendet werden kann.

Verrätst du uns an dieser Stelle deinen persönlichen “Geheimtipp”, wenn es um die Gründung von digitalen Plattformlösungen geht?

Leider herrscht auch in der deutschen Startupszene nach wie vor das Silicon-Valley-Mantra „bigger is better“ vor, die Aufnahme von VC und das hiring von riesigen Teams scheint quasi unabdingbar. Wer klein starten und gesund wachsen möchte, wird oft belächelt. Mein Rat an alle Gründerinnen und Gründer mit einer Plattformidee ist deshalb auch ganz einfach:

Lasst euch davon nicht beeinflussen! Wenn nämlich nach Jahren und während einer plötzlichen Krise mal wieder ein gehyptes Startup Insolvenz anmelden muss, weil die Kosten den nicht vorhandenen Gewinn auffressen, dann seid ihr es, die ob eurer schwarzen Zahlen und der kaum vorhandenen Kosten lächelt.

Ein zweiter wichtiger Rat betrifft euer Marketing: Man kann heute sehr leicht Unsummen für Marketing für diverse Kanäle aus dem Fenster werfen. Unsere Projekte im Startup Loft – so auch DRIVAR – konzentrieren sich hingegen auf einer effizienten und sehr effektiven SEO-Strategie, was zwar etwas länger dauert, aber nach einiger Anlaufzeit sehr kontinuierlich sehr hochwertige Leads generiert und das zu sehr degressiven Kosten. Für ein Plattformmodell ist gutes SEO deshalb in den meisten Branchen must-have.

Welche Aufgaben fallen bei dir und deinem Team an einem Arbeitstag für DRIVAR an?

DRIVAR ist ganz bewusst als schlanke OneManCompany (OMC) aufgebaut, ein Ansatz den wir im Loft explizit verfolgen und der uns von „klassischen“ Inkubatoren definitiv unterscheidet.

Der Großteil unseres Tages besteht aus Sales, also der Bearbeitung neuer Leads und Anfragen von MieterInnen und VermieterInnen. Der andere Teil umfasst Marketing. Das bedeutet beispielsweise den Ausbau unserer Plattform, aktive Bespielung unserer Onlinemarketingkanäle. Dazu achte ich persönlich darauf, mir auch stets genügend „Kreativzeit“ zu nehmen. In dieser Zeit durchdenke ich konkret und kontinuierlich, wie wir uns weiterentwickeln und verbessern können.

Wie soll die Zukunft von DRIVAR aussehen?

Wir bereiten derzeit den Markteintritt in weitere, englischsprachige Länder wie bspw. die USA vor. Dafür suchen wir eigenständige „Country Manager“, die die jeweilige Länderversion zwar mit Support durch uns, aber autark entwickeln und führen.

Wachstum zählt also auch zu unserer zukünftigen Agenda. Noch viel wichtiger ist uns jedoch, unsere Flexibilität zu bewahren und stets unsere eigenen Prozesse zu hinterfragen und effizienter zu machen.

Was hast du in den letzten Jahren dazu gelernt, worauf sollten deiner Erfahrung nach junge Gründerinnen und Gründer achten? 

Ratschlag Nummer 1: Gründen ist ein Marathon

Durchhaltevermögen, kombiniert mit Begeisterung und einer hohen Leistungsbereitschaft sind beim Gründen besonders wichtig. Der Prozess des Gründens ist kein Sprint, sondern ein echter Marathon, bei dem man immer wieder auf Hindernisse stößt. Für mich persönlich war es auch ein langer Prozess, Niederlagen und Tiefschläge als das anzusehen, was sie eigentlich sind: Erfahrungen.

Also trennt euch von persönlichen Schuldzuweisungen, verifiziert Lösungen für (auch scheinbar unlösbare) Probleme und macht es in Zukunft einfach besser. Ich gehe sogar so weit zu sagen: Wer nicht mal richtig gescheitert ist, dem fehlt eine gehörige Portion Unternehmererfahrung.

Ratschlag Nummer 2: Baue ein Team & Netzwerk auf

Du musst aus deinem Startup keine One-Man-Show machen. Fehlen dir wichtige Kernkompetenzen für deine Geschäftsidee, macht es durchaus Sinn sich für diese Bereiche weitere Mitglieder in dein Team zu holen. Das geht auch ganz hervorragend mit erfahrenen Freelancern! Damit geht zwar auch einher, dass du einen Teil deiner Entscheidungsgewalt abgibst, diesen Kompromiss muss man dann eben eingehen.

Unterschätze auch nicht den Wert eines Netzwerkes. Menschen machen lieber Geschäfte mit Menschen, die sie kennen. Das liegt in unserer Natur. Falls du noch kein passendes Netzwerk in deiner Branche hast, arbeite daran dir eines aufzubauen! Möglichkeiten dafür gibt es viele, z.B. Social Media, Gründertreffen oder Networking Veranstaltungen.

Ratschlag Nummer 3: Just do it!

Es ist besser unvollkommen zu beginnen als perfekt zu zögern. Ihr habt eine geniale Idee aber tausend Fragezeichen im Kopf? Egal! Neben dem Aneignen von Wissen, ist es vor allem wichtig es einfach zu machen, getreu dem Motto des „Lean Startup“, die Prozesse dabei laufend optimieren.

„Just do it“ bedeutet jedoch nicht, blindlings loszustürmen und alles auf eine Karte zu setzen. Im Gegenteil: Erfolgreiche Startups riskieren nur so viel, wie sie sich leisten können. Gründen ist ein konstantes lernen und wachsen.

Vielen Dank für den spannenden und ehrlichen Einblick!


Dich hat das Interview mit Phillipp inspiriert und du denkst darüber nach auch ein Startup basierend auf Plattformlösungen zu gründen? Dann schau doch einfach mal im Startup Loft Magdeburg vorbei und vernetze dich mit Phillipp und seinem Team!

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